ALPTHAL/STEINEN: Bei Wander-Reliquie ganze Nacht lang gebetet

Am Dienstag kurz vor 10.30 Uhr fuhr ein Kastenwagen mit Luzerner Kontrollschild bei der Pfarrkirche Alpthal vor. Im Auto befand sich ein prunkvoller, 132 Kilogramm schwerer Reliquienschrein.

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Der Reliquienschrein trifft in der Pfarrkirche Alpthal ein. (Bild Daniela Bellandi/Neue SZ)

Der Reliquienschrein trifft in der Pfarrkirche Alpthal ein. (Bild Daniela Bellandi/Neue SZ)

Ein Fähnchen flattert im Wind. Doch dieses hat ausnahmsweise nichts mit der Euro 08 zu tun. Vielmehr ist darauf das Abbild der heiligen Theresia von Lisieux in Frankreich zu sehen. Im Auto befindet sich ein prunkvoller Reliquienschrein. Er ist aus brasilianischem Edelholz gebaut und mit Gold verziert. Darin liegen Überreste der heiligen Theresia.

Sie ist 1897 gestorben. Seit dem 100. Todestag Theresias reisen ihre Gebeine im 132 Kilogramm schweren Schrein von Zeit zu Zeit für ein paar Tage um die Welt. «Was der Heiligen zu Lebzeiten nicht gegönnt war, wird ihr jetzt zuteil», sagt Pfarrer Gregor Niggli, der den Schrein während des einwöchigen Abstechers durch die Schweiz begleitet. «Sie ist denn auch die Patronin der Weltmissionen.»

Dass Überreste von Heiligen in der Welt herumgefahren werden, ist neu. Auch der Steiner Pfarrer Rudolf Nussbaumer betont, dass er nicht unbedingt ein Fan des Reliquientourismus sei. «Aber hier geht es mehr, um die Begegnung der Katholiken untereinander.»

Reiz des Geheimnisvollen
Nur in ganz wenigen Pfarreien und Klöstern bekommen die Gläubigen den Reliquienschrein zu Gesicht. Gestern gegen Abend traf er in Steinen ein. Pfarrer Nussbaumer organisierte eine mehr als 12 Stunden dauernde Gebetsnacht.

Ist denn das noch zeitgemäss? «Ja, absolut», sagt Pfarrer Nussbaumer. Die Nachfrage steige stetig. «Ich denke, das hat etwas mit dem Reiz des Geheimnisvollen zu tun.»

Daniela Bellandi/Neue ZZ