ALTERSSUIZID: Das stille Sterben soll verhindert werden

Viele alte Menschen leiden unter Depressionen. Kommen sie nicht aus dem Tief heraus, besteht Suizidgefahr. Die Lösung liegt im Kontakt mit anderen Menschen.

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Roland Weber, Chefarzt des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Kantons Schwyz. (Bild Coralie Wenger/Neue SZ)

Roland Weber, Chefarzt des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Kantons Schwyz. (Bild Coralie Wenger/Neue SZ)

Geldnot, Liebeskummer oder Misserfolg im Job – Auslöser für Depressionen sind zahlreich und können jeden treffen, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Doch besonders ältere Menschen laufen Gefahr, in ein seelisches Loch zu fallen, aus dem sie sich aus eigener Kraft nicht befreien können. Für Roland Weber, Chefarzt des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Kantons Schwyz, gibt es dafür mehrere Gründe. «Das hohe Alter bringt zahlreiche Veränderungen mit sich, viele davon sind leider negativ.» Der zunehmende Verlust der Selbstständigkeit, die Abhängigkeit von fremder Hilfe und nicht zuletzt die Zunahme von körperlichen Gebrechen und Schmerzen stellen die psychische Verfassung alter Menschen auf die Probe. «Dazu kommen noch die ?normalen? Depressionsfaktoren wie etwa zunehmende Einsamkeit», ergänzt Weber.

Dass ältere Menschen häufiger Selbstmord begehen als junge, habe auch damit zu tun, dass sie sich anderen weniger mitteilten. Während Jüngere oft Selbsttötungsversuche unternehmen, um damit einen Hilferuf auszusenden, führten Ältere den Suizid still und heimlich durch. «Eine Selbsttötung ist nie eine glasklare Entscheidung, darin sind unzählige Emotionen verstrickt», erklärt Roland Weber. Gerade jüngeren Menschen helfe es, über einen gescheiterten Suizidversuch mit Vertrauten zu reden, um die widersprüchlichen Gefühle zu ordnen. «Alte Menschen dagegen reden kaum darüber, sondern handeln.»

Alleinlebende sind gefährdet
In den Alters- und Pflegeheimen im Kanton sei man mit dem Suizid der Patienten nur selten konfrontiert. Auch zeigten praktisch keine Bewohner Anzeichen von Depression. «Ich habe in meinen 18 Jahren als Heimleiterin nur ganz zu Anfang einen Suizid erlebt, sonst kam das nie vor», erzählt beispielsweise die Heimleiterin des Alters- und Pflegeheims zur Rose in Reichenburg, Annemarie Colling.

Dies überrascht Roland Weber nicht. «Menschen in Heimen sind der Gefahr der Vereinsamung viel weniger stark ausgesetzt, da sie ständig unter Menschen sind.» Gefährdet seien vor allem Alleinlebende, die ohne soziale Kontakte ein einsames Dasein in ihren Wohnungen fristen.

Matthias Mehl

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Schwyzer Zeitung.