«Am besten drinnen bleiben»

Am Freitagmittag soll ein Orkan über die Schweiz fegen. Laut einem Meteorologen wird dieser fast so stark wie «Lothar» vor zwölf Jahren. In der Zentralschweiz ist Vorsicht vor allem in den Bergen geboten.

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Die heftigen Böen am Mittwochabend waren nur die Vorboten für einen Orkan. Dieser fegt heute Freitag zur Mittagszeit mit bis zu 130 Kilometern in der Stunde über das Schweizer Mittelland und mit rund 150 km/h über die Schweizer Berggipfel, wie Meteorologe Peter Pöschl erklärt.

Peter Pöschl, was braut sich über unseren Köpfen zusammen?

Peter Pöschl*: Einerseits haben wir ein Tief über Schottland und Teilen Skandinaviens. Es ist riesig und hat eine grosse Antriebskraft. Die ist so stark, dass es ein Sturmtief quer über den Atlantik von Neufundland bis nach Europa gezogen hat. Vor der Biskaya hat sich aus dem Sturmtief ein Orkan gebildet. Er heisst «Joachim» und wird mit rund 130 km/h zwischen 70 und 80 Prozent der Windstärke des Sturms «Lothar» von 1999 erreichen.

Mit welchen Folgen muss gerechnet werden?

Pöschl: In der Schweiz wütet der Sturm am Freitag am späten Vormittag und um die Mittagszeit am intensivsten. Dann könnten Ziegel vom Dach geweht werden, Bäume umknicken oder Weihnachtsdekorationen zerstört werden.

Was bedeutet das für die Zentralschweiz?

Pöschl: Vorsicht ist vor allem in den Bergen geboten; von Ausflügen in höhere Lagen rate ich ab. In den Föhntälern wird eine Nebenerscheinung auftreten. Durch den vom Sturm vorausgehenden Druckabfall wird es – vor dem eigentlichen Sturm oder gleichzeitig – zu sehr heftigen Föhnstürmen kommen.

Welchen Lauf nimmt denn «Joachim», der aktuelle Sturm?

Pöschl: Das Sturmzentrum zieht am Freitag von Nordfrankreich über Mitteldeutschland Richtung Polen. Aber die höchsten Geschwindigkeiten werden immer südlich des Sturmzentrums gemessen – also am Freitag über weiten Teilen der Schweiz.

Wie wird das Wetter danach?

Pöschl: Der wegziehende Orkan saugt viel kalte Luft aus der Polarregion an. Zunächst fällt Schnee, dann stabilisiert sich die Lage. Ob und wie viel es schneit, ist schwierig vorauszusagen. Denn wenn die Luft kalt ist, nimmt sie wenig Feuchtigkeit auf. Trotzdem: Die Chancen für weisse Weihnachten bis in die Niederungen stehen nicht schlecht.

* Peter Pöschl (55) ist Prognostiker und Moderator bei SF Meteo.

Interview Alexander von Däniken

Laufend aktuelle Informationen finden Sie auf den folgenden Webseiten von MeteoSchweiz:

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