An Ernst Ehrler kommt kein Nüssler vorbei

Der 62-jährige Ernst Ehrler aus Schwyz ist mit Leib und Seele Nüssler. Dabei ist der Fasnächtler ein Spätberufener.

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Ernst Ehrler schaut beim Nüsseln genau hin. (Bild: Laura Vercellone/Neue SZ)

Ernst Ehrler schaut beim Nüsseln genau hin. (Bild: Laura Vercellone/Neue SZ)

Schon seit knapp 30 Jahren ist Ernst Ehrler aus Schwyz jedes Jahr während der Fasnachtszeit als Maschgrad verkleidet unterwegs. «Dahinter steckt Herzblut», erklärt der 62-Jährige. Auch heute noch zieht es ihn, meist als Zigeuner verkleidet, auf die Strassen, wo er auch gerne noch mittanzt. Doch Ehrler gehört zu den Spätberufenen, wie er sagt. Denn aus gesundheitlichen Gründen konnte er erst mit 35 Jahren als Maschgrad in diese spezielle Welt eintauchen. «Ich habe es immer bereut, dass ich nicht schon früher als Nüssler mitlaufen konnte», erinnert sich Ehrler. Dennoch entwickelte er sich in den folgenden Jahren zum perfekten Maschgrad und Nüssler (siehe Kasten). «Mit jedem Jahr bin ich im Nüsseln besser geworden.» Und mit 48 Jahren durfte er sich schliesslich als Nüsslerkönig, als bester Narrentänzer also, feiern lassen.

Seit 1997 Kampfrichter

Das jährlich stattfindende Preisnüsseln, das abwechselnd in Schwyz und Ibach durchgeführt wird, ist ein beliebter Anlass. Heute nimmt Ehrler zwar nicht mehr selber teil an diesem Wettbewerb, an dem die besten Tänzer erkoren werden. Dafür amtet er seit 1997 als Kampfrichter. Auch am gestrigen Geburtstagsnüsseln auf dem Schwyzer Hauptplatz stand er wiederum im Einsatz und bewertete mit vier anderen Richtern die 66 Teilnehmer. «Das Brauchtum lebt, mehr denn je», ist sich Ehrler sicher. Er habe in den vergangenen Jahrzehnten schon erlebt, dass nur vereinzelte oder gar keine Nüssler unterwegs waren. «Heute sind wir besser organisiert. Die Tradition ist stark in der Gemeinde verankert.» Jung und Alt nehme daran teil.

Bild: Laura Vercellone/Neue SZ
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Die Nüssler, verkleidet als Blätz, Alter Herr, Domino, Bajazzomäitli, Hudi oder Zigeuner, tanzen aber nicht nur einfach. «Wir unterhalten die Leute, sprechen mit ihnen. Die Zuschauer erwarten regelrecht, dass man sich zu ihnen gesellt», erzählt Ehrler. Dabei bleiben die Maschgraden aber meist unerkannt. «Beim Nüsseln geht es aber nicht einfach nur ums Gaudi, wir wollen den Leuten Freude bereiten», so der Schwyzer. Deshalb ging er auch schon spontan auf Hausbesuche, zu Personen, die nicht mehr auf die Strasse können. «Es gab deswegen schon die eine oder andere Freudenträne.» Überhaupt steht für Ehrler das Gesellschaftliche im Vordergrund, und das beginnt bei ihm bereits beim Ankleiden. Es sei immer wieder toll, wenn man sich in der Garderobe in Schwyz treffe. «Deswegen wollte ich auch nie ein eigenes Kostüm haben.» Es sei viel faszinierender, auf die vielen Maschgraden zu treffen.

Demaskierung um Mitternacht

Dass das Nüsseln in der Schwyzer Bevölkerung stark verankert ist, zeigte gestern die grosse Anzahl der Zuschauer, die sich den Feierlichkeiten der Schwyzer Nüssler anschlossen. Zudem gesellten sich diverse Gastgruppen zur Jubiläumsfeier, unter anderem die Fasnachtsgesellschaft Steinen, die Nüsslergesellschaft Brunnen oder die Rölligruppe Wangen. Wer schliesslich wissen wollte, wer hinter den Masken steckte, musste sich aber bis Mitternacht gedulden. Erst dann legten die Maschgraden ihre Masken nieder.

Irene Infanger