ARBEIT: Im Kampf gegen die Lohndrücker

Tausende temporär Selbstständigerwerbende reisen in die Schweiz. Darunter viele schwarze Schafe.

Thomas Heer
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Vor allem auf dem Bau werden Scheinselbstständige erwischt. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Vor allem auf dem Bau werden Scheinselbstständige erwischt. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Als schwarze Schafe gelten all jene Schein-Unternehmer, die nur auf dem Papier als Selbstständige unterwegs sind. Tatsächlich aber beziehen diese Leute Lohn von einem einzigen Arbeitgeber. Diese Konstellation schafft ideale Bedingungen für Dumpinglöhne. Denn ein Selbstständigerwerbender muss sich an keine Gesamtarbeitsverträge halten. Mindestlöhne gelten für ihn nicht.

Selbstständigerwerbende aus dem EU-Raum können mittels unkompliziertem Meldeverfahren für maximal 90 Tage pro Kalenderjahr in der Schweiz tätig sein. 2012 gingen in der ganzen Schweiz 24 649 solcher Meldungen ein. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft wurde bei Kontrollen in mehr als 2300 Fällen eine Scheinselbstständigkeit vermutet. Gewerkschafter Serge Gnos von der Unia-Zentrale in Bern sagt: «Die Problematik hat in jüngster Zeit deutlich zugenommen.»

Der Kampf gegen die Lohndrückerei ist zäh. Giuseppe Reo von der Unia-Zentralschweiz erklärt: «Bei unseren Kontrollen stellen wir fest, dass die Leute immer erfinderischer werden.» Das heisst die nötigen Papiere können den Kontrolleuren vorgelegt werden, zum Beispiel ein Gewerbeschein aus dem Heimatland. Serge Gnos stellt zudem fest, dass bei der Trickserei auch einheimische Unternehmer involviert sind. Bei ihrer Einreise würden den Temporär-Arbeitern, so Gnos, die erforderlichen Dokumente unterschriftsbereit vorgelegt. Aus einem Angestellten wird im Handumdrehen ein Selbstständiger.