ARBEITSMARKT: Jugendarbeitslosigkeit steigt sprunghaft

Die Arbeitslosigkeit hat in der Schweiz im Juli weiter zugenommen und besonders viele junge Menschen erfasst: Die Quote stieg innerhalb von einem Monat von 4,1 auf 4,6 Prozent.

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Immer mehr Jugendliche gehen stempeln. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Immer mehr Jugendliche gehen stempeln. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Derzeit sind über 25'000 Junge ohne Job und die Aussichten für das Jahr 2010 sind düster. Immerhin zeigen die Appelle zur Schaffung von Praktikumsstellen erste Erfolge.

Ende Juli waren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren insgesamt 145'364 Personen als Arbeitslose registriert, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mitteilte. Das waren 5'111 Arbeitslose mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 3,6 auf 3,7 Prozent. Dies entspricht den Erwartungen, wie Seco-Sprecherin Rita Baldegger auf Anfrage sagte. Höher war die Arbeitslosigkeit letztmals im Februar 2006 gewesen.

400 Arbeitslose mehr in der Zentralschweiz
Im Kanton Luzern sind derzeit 8167 Personen ohne Stelle (2,8 Prozent - gegenüber 2,7 Prozent im Juni). Im Kanton Zug sind es 2456 Personen (2,8/2,7 Prozent). Im Kanton Schwyz sind 2520 Menschen stellenlos (2,0/1,9 Prozent), im Kanton Nidwalden 579 Personen (1,8 Prozent), im Kanton Obwalden 399 (1,5 Prozent) und im Kanton Uri 352 (1,0/1,1 Prozent.

Von der Zunahme im Juli waren vor allem junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren betroffen. Innert Monatsfrist erhöhte sich die Zahl der Jugendlichen ohne Job in der Schweiz um 3229 auf 25'693 Betroffene. Die Quote der Jugendarbeitslosigkeit stieg damit sprunghaft von 4,1 auf 4,6 Prozent.

In den Sommermonaten steigt die Jugendarbeitslosigkeit jeweils wegen der Schul-, Lehr- und Studienabgänger, die neu auf den Arbeitsmarkt drängen. Sie haben es in der Rezession besonders schwierig, wie der Vergleich mit früheren Jahren zeigt. So hat sich die Zahl der Jugendlichen ohne Job innerhalb eines Jahres um fast drei Viertel erhöht.

2010: Jeder zehnte 20- bis 24-Jährige ohne Job?
Im ganzen Jahr 2009 geht das Seco gemäss Baldegger von einer mittleren Jugendarbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen von 4,9 Prozent oder rund 27'000 Betroffenen aus. Das wäre der höchste Stand seit 2005. Nächstes Jahr müsse sogar mit 43'000 jungen Arbeitslosen oder einer Quote von 7,8 Prozent gerechnet werden, sagte die Sprecherin.

Noch kritischer ist die Situation bei der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen. Hier befürchtet das Seco dieses Jahr eine Zunahme der Quote auf 5,9 Prozent. 2010 dürften es im Schnitt sogar 9,4 Prozent oder 32'000 Arbeitslose sein.

Praktikumsstellen sollen Quote senken
Baldegger erinnerte daran, dass der Bundesrat wegen dieser schlechten Aussichten die dritte Phase des Konjunkturstützungsprogramms besonders auf Massnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit ausgerichtet habe.

Rückmeldungen der Kantone machten zudem deutlich, dass die Appelle von Wirtschaftsministerin Doris Leuthard zur Schaffung von Praktikumsstellen fruchteten. Umgesetzt würden diese in den Unternehmen voraussichtlich nach der Sommerpause.

ap/get

Arbeitslosenquote nach Kantonen (Juli 2009):


Quelle: Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement - SECO