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ARMEE: «Piloten sind der Aufgabe gewachsen»

Der Helikopter, der vorgestern am Gotthard abgestürzt ist, touchierte nach ersten Erkenntnissen ein Stromkabel. Diese sind laut einem Aviatikexperten zum Teil schlecht markiert.
Noah Knüsel
Experten bei den Trümmern. (Bild: Samuel Golay/Keystone (29. September))

Experten bei den Trümmern. (Bild: Samuel Golay/Keystone (29. September))

Interview: Noah Knüsel

Hansjörg Egger*, laut einer Auflistung der NZZ gab es in den letzten Jahren rund einen Helikopterabsturz pro Jahr. Ist das viel?

Es gibt mehr Unfälle mit Helikop­tern als mit Jets, da sie ziemlich instabile Flugobjekte sind. Grundsätzlich ist es heikler, einen Helikopter zu fliegen: Die Koordination von Haupt- und Heckrotor ist aerodynamisch anspruchsvoll. Ein Helikopter hat gegenüber einem Flugzeug aber den Vorteil, dass er besser auf Probleme reagieren kann.

Für den Absturz am Gotthard war wohl ein Stromkabel die Ursache. Sind Kabel ein grosses Problem für Heli­kopterpiloten?

Unser Land ist geradezu verseucht mit Kabeln. Wir haben viel Wasserkraft, da gibt es unzählige Kabel, die den Strom ins Tal transportieren. Manchmal sind diese nicht mit einem Ballon markiert oder auf Karten eingezeichnet. Die Masten sieht man ja sehr gut, aber nicht markierte Kabel sind oft nur schwer zu erkennen. Allgemein: So viele Kabel wie hier in der Schweiz hat man kaum irgendwo sonst auf der Welt.

Gibt es keine Systeme, die den Piloten warnen, wenn er zu nahe an ein Objekt fliegt?

Es gibt Systeme, die vor Hindernissen warnen, wenn sie in der Karte eingetragen sind. Aber meist ist Augenmass gefragt, man fliegt auf Sicht. Man muss aber auch sagen: Mit einem Helikopter kann man zentimeter­genau fliegen.

Bräuchte es nicht noch mehr technische Hilfsmittel?

Ich denke, die zur Verfügung stehenden Instrumente genügen. Jeder Pilot kennt seine Grenzen und diejenigen seiner Maschine. Was man aber auch sehen muss: Piloten von Rettungshelikoptern und Armeehelikoptern müssen mehr Risikoeinsätze fliegen als jemand, der Rundflüge anbietet. Sie sind praktisch täglich und bei allen Witterungsverhältnissen in schwierigem Gelände unterwegs. Da steigt auch die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls.

Was macht das Helikopterfliegen im Gebirge so schwierig?

Sicher die Thermik mit den Auf- und Abwinden und – wie bereits erwähnt – die Kabel, aber auch das Wetter, die Nebel- und die Wolkensituation. Da muss der Pilot wissen, wo er langfliegt. Ortskenntnisse sind bei Flügen im Gebirge je nach Wetter von essenzieller Bedeutung.

Die Unfälle in der Luftwaffe häuften sich in jüngster Zeit. Glauben Sie, dass sich das auf die Piloten auswirkt?

Natürlich ist die Trauer gross über den Verlust der Fliegerkameraden. Zurück im Cockpit – da bin ich überzeugt –, können die Piloten einen solchen Zwischenfall ausblenden. Sie wurden bei der Rekrutierung auch nach ihren psychischen Fähigkeiten und Stärken ausgewählt. Militärpiloten werden ja einzig und allein auf den Ernstfall vorbereitet, und da dürfte man bei einem Zwischenfall auch nicht den Kopf verlieren.

Es waren Milizpiloten, die verunfallt sind. Hatten diese viel- leicht zu wenig Erfahrung?

Das denke ich nicht. Viele Milizpiloten waren Berufsmilitärpiloten, haben dann zum Beispiel zur Swiss gewechselt, fliegen aber als Milizpilot weiter. Sie haben die gleich gute Ausbildung und sind «alte Hasen» mit genügend Erfahrung, um der anspruchsvollen Aufgabe gewachsen zu sein. Viele haben noch eine enge Beziehung zur Fliegerei, fliegen etwa auch bei einer privaten Helikopterunternehmung.

* Hansjörg Egger ist langjähriger Angehöriger der Luftwaffe und weltweit als Luftfahrtfotograf tätig.

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