ARTH: Chriesi sind zuckersüss und gesund

Sie sind etwas verspätet, aber jetzt haben sie Hochsaison: die Tafelkirschen. Die Nachfrage nach den grossen, schwarzroten Früchten ist gross. Es steckt viel Arbeit ­hinter der Ernte.

Erhard Gick
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Die «Kordia»-Kirschen, eine typische Tafelkirschensorte, werden sehr gross, sie schmecken zuckersüss – ein echter Genuss. (Bild: Erhard Gick)

Die «Kordia»-Kirschen, eine typische Tafelkirschensorte, werden sehr gross, sie schmecken zuckersüss – ein echter Genuss. (Bild: Erhard Gick)

«Diese Bäume habe ich im letzten Frühling neu gepflanzt. Daneben stehen junge Bäume, die gedeihen inzwischen seit vier Jahren und tragen die ersten Früchte.» Bei Fidel Kenel in Arth fühlt man sich in der Chriesikultur wie im Schlaraffenland. Man ist versucht, sich einfach unter einen Baum zu legen, zuzulangen und die grossen schwarzroten Früchte zu naschen … bis einem schlecht davon würde. Es ist Chriesizeit, und bei Elisabeth und Fidel Kennel wird schon in aller Herrgottsfrühe gepflückt. «Kaum dass der Tag anbricht, sind wir damit beschäftigt, die Früchte abzulesen», sagt der versierte Obstbauer aus Arth. Er hat vor Jahren auf die niederstämmigen Kirschbäume gesetzt, und seine 140 Bäume umfassende Kultur könnte um einiges grösser sein, um den gesamten Bedarf der Nachfrage decken zu können. «Für uns stimmt es so, wir können sie zu zweit bewirtschaften. Mit mehr Bäumen müssten wir Personal anstellen, dann würde die Rechnung auch wieder anders aussehen», sagt Fidel Kenel.

Mit Stiel ist Pflicht

«Chriesnen» ist reine Handarbeit. Je nach Reifegrad werden die Kirschen in etwa drei Durchgängen von den Bäumen gepflückt. «Man hat ein Auge dafür, welche Kirschen reif und damit süss und lecker sind und welche noch ein bis zwei Tage reifen müssen», sagt der Arther. Der Chratten von Elisabeth Kenel ist inzwischen voll geworden, bei der Grösse der Früchte geht das relativ schnell. «Wichtig ist, dass man sie mit Stiel pflückt. Ohne saften sie und sind weniger lang haltbar», erklärt Elisabeth Kenel. Auf der Plantage von Elisabeth und Fidel Kenel wachsen frühe, mittlere und späte Sorten. So kann die Nachfrage über längere Zeit gewährleistet werden.

Fidel Kenel, er ist übrigens der OK-Präsident des bekannten Rigi-Schwing- und Älplerfestes, ist ein Landwirt und Obstbauer mit Herz und Seele. Weil er das ist, wachsen auf seinem «Gantlihof» am Arther Sonnenberg nicht nur niederstämmige Obstbäume. «Wir haben auch rund 80 Hochstämmer, die hauptsächlich Brenn- oder Konservenkirschen liefern.» Die Ernte dieser Kirschen würde in ein paar Tagen beginnen, sagt er weiter. Diese Bäume werden aber geschüttelt. «Diese Früchte müssen vollreif sein, damit sie gut fallen.»

Viel Aufwand nötig

Die Kirschenernte würde sicher rentieren, wenn man das Pflücken im Familienbetrieb machen könne, sagen die Kenels. Aber es sei eine ganze Menge Arbeit nötig, um kerngesunde Kirschen pflücken zu können. In den kalten Monaten müssen die Bäume gepflegt werden, zurückgeschnitten werden, Äste heruntergebunden werden. Wenn dann im Frühling die Blustzeit eintrifft, bestellt man den Imker mit Bienen für die Bestäubung der Bäume. Und wenn dann die Früchte die Farbe vom zarten Grün zu Gelb wechseln, werden unter die Schutznetze Planen eingezogen. «Die Bäume müssen kontrolliert bewässert werden. Zu viel Nass von oben würde die Früchte platzen lassen», erklärt Fidel Kenel.

Bis 30 Kilogramm pro Baum

Die niederstämmigen Bäume müssen auch vor Kirschendieben geschützt werden, deshalb reichen die Schutznetze bis auf den Boden und sind teilweise verankert. «Es sind die Vögel, die hier halt unerwünscht sind. Aber auch Dachse schleichen sich gerne in die Plantage, reissen die Äste herunter und tun sich an den süssen Früchten genüsslich», so Fidel Kenel. Einen Teil der Ernte haben die Kenels jetzt bereits im Trockenen. In der Regel besteht sie aus rund 20 Prozent Tafelkirschen und etwa 80 Prozent Brennkirschen. 20 bis 30 Kilogramm Früchte hängen an einem Baum, bei einem Hochstämmer sind es etwa 400 Kilogramm. Brennkirschen gehen an die renommierten Kirschverarbeiter Dettling, Brunnen, und Etter, Zug. «Und jetzt hoffen wir auf nicht allzu regnerisches Wetter und vor allem keinen Hagel», sagt Obstbauer Fidel Kenel, nimmt seinen übervollen Chratten und leert die Kirschen vorsichtig in eine Zeine. Die Abnehmer warten bereits in seinem Hofladen.

Hinweis

Bei der Familie Kenel werden die Kirschen auch vielfältig verarbeitet. Infos erhält man unter: www.gantlihof.ch. Informationen zum Chriesi allgemein unter: www.kirschstrasse.ch

Frisch oder nach Rezept – Kirschenvariationen

Kirschen schmecken am besten frisch, also nicht direkt aus dem Kühlschrank. So entfalten sie ihr volles Aroma. Nachstehend haben wir auch zwei typische, süsse Rezepte mit feinen «Chriesi»:

Rezept «Chriesisturm»
Zutaten für 4 Personen:
1 kg Tafelkirschen oder süsse, schwarze Kirschen; 1 dl Rahm oder Milch; 500 g Joghurt Nature; 2 bis 4 Esslöffel Zucker; 4 Esslöffel Mehl; etwas Butter.
Zubereitung:
Das Mehl mit wenig Butter in einer Teflonpfanne braun rösten (die Butter kann für Kalorienbewusste auch weggelassen werden, Mehl wie für eine Mehlsuppe braun rösten, häufiges Rühren oder Wenden), nach eigenem Geschmack 2 bis 4 Esslöffel Zucker beifügen, mit dem Rahm (oder Milch) ablöschen und mit einem 500-g-Becher Nature-Joghurt mischen, die frischen Kirschen in eine Schüssel geben und mit der «Sauce» nappieren (darübergiessen).

Als Variation kann man das Joghurt weglassen, die Kirschen in eine Schüssel geben, das geröstete Mehl über die Kirschen streuen, den Zucker mit dem Rahm und der Milch darübergiessen.

Rezept «Chriesibrägel»
Zutaten für 4 Personen:
1 kg entsteinte Tafelkirschen oder süsse, schwarze Kirschen; 2 dl Apfelsaft; 3 Esslöffel, Zucker; 1 Zimtstängel; 1 Teelöffel Maizena; 1 Esslöffel Wasser; geröstete Brotwürfeli.
Zubereitung:
Apfelsaft, Zimtstängel und Zucker in einer Pfanne aufkochen, Kirschen dazugeben, aufköcheln lassen und auf kleinem Feuer 4 bis 5 Minuten ziehen lassen (nicht mehr kochen). Wasser mit Maizena glatt rühren. Das Kompott abgiessen, dann den Saft wieder in die Pfanne geben, Maizena dazugeben, nochmals auf dem Feuer wärmen, bis der Saft cremig ist.
Kirschen daruntermischen, dann in einer nicht zu flachen Platte (Gratinform) anrichten und zum Schluss die gerösteten Brotwürfel vor dem Servieren darüberstreuen.