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ASYLWESEN: Freiwilligenboom in der Zentralschweiz

Die Solidarität der Luzerner Bevölkerung mit den Flüchtlingen ist gross. Vor lauter Anfragen stösst die Caritas an ihre Grenzen. Und der Kanton verursacht ein Kompetenzgerangel zur Unzeit.
Er setzt sich freiwillig für die Asylbetreuung ein: Hans Steiner unterrichtet Deutsch in der Asylunterkunft in Meggen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Er setzt sich freiwillig für die Asylbetreuung ein: Hans Steiner unterrichtet Deutsch in der Asylunterkunft in Meggen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Remo Wiegand

«Man kann das Feld nicht jenen überlassen, die gegen die Flüchtlinge schiessen», sagt Karl Däppen, reformierter Pfarrer von Kriens. Däppens Aussage ist mehr als ein frommer Wunsch, denn er widerspiegelt grösstenteils die Gemütslage der Zentralschweizer. Nicht nur die Betroffenheit, auch die Solidarität der Bevölkerung ist sehr gross. So stehen im Asyl- und Flüchtlingsbereich allein bei der Caritas Luzern, der grössten Drehscheibe für Freiwilligenarbeit im Kanton, derzeit rund 250 Freiwillige im Einsatz, gut 60 mehr als im Vorjahr. «Erstmals haben wir mehr Interessierte als Einsatzmöglichkeiten», berichtet Rita Ueberschlag, Zuständige für Freiwilligenarbeit bei der Caritas.

Deutschkurse, Joggen, Werken

Der Boom stellt die Caritas, die im Auftrag des Kantons die Freiwilligenarbeit koordiniert, vor grosse Herausforderungen: «Wir stossen an unsere Grenzen», gibt Ueberschlag offen zu. Aufgabe der Caritas ist es, die Hilfsanfragen auf ihren Sinn und auf gewisse Professionalitätsstandards zu überprüfen und dann ein «Matching» vorzunehmen, das heisst, die Hilfsangebote mit den Asylunterkünften zu vernetzen. «Wir versuchen so auch Enttäuschungen vorzubeugen», erklärt Ueberschlag. «Nicht jedes gut gemeinte Angebot entspricht den Bedürfnissen der Asylsuchenden.» In den relativ neuen Asylzentren von Dagmersellen und beim Luzerner Hirschpark wurde das «Matching» mittlerweile vollzogen: Freiwillige geben Deutschkurse, in Luzern hat sich eine Jogginggruppe gebildet, und in Dagmersellen fertigt ein Werklehrer mit den Asylsuchenden zusammen Pingpongschläger an.

Die Caritas hat auf den Boom unter anderem mit speziellen Info-Veranstaltungen reagiert. Diese vermitteln potenziellen Freiwilligen frühzeitig mögliche Aufgabengebiete und das an sie gestellte Anforderungsprofil – und entzaubern manchmal auch eine gewisse Helfer-Romantik (siehe Kasten). Im Herbst fanden drei solcher Info-Veranstaltungen statt, die von rund 100 Personen besucht wurden. Die Hälfte entschied sich für einen Freiwilligeneinsatz. Doch zugleich sind auch die Helfershelfer der Caritas in einer herausfordernden Situation. Im Frühling hatte der Kanton beschlossen, dass er die Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden, die er bisher an die Caritas ausgelagert hatte, künftig selber übernimmt. Von diesem «gigantischen Ablöseprozess» (Rita Ueberschlag) soll der Bereich der Freiwilligenarbeit aber nicht betroffen sein, hier bleibt die Caritas federführend – im Auftrag des Kantons. So lautet zumindest die offizielle Version. De facto aber gibt es neu zwei verschiedene Ansprechpartner für Freiwillige: die kantonalen Flüchtlingsbetreuer in den Zentren und die Freiwilligenkoordinatoren der Caritas.

Premiere in Kriens

Dass dies zu Verwirrung führen kann, zeigt sich im Fall des Mitte November eröffneten Zentrums für unbegleitete Minderjährige (UMA) in Kriens. Es ist das erste Luzerner Asylheim, in dem der Kanton die Betreuungsaufgaben in Eigenregie stemmt. Und bereits haben Freiwillige namhafter Krienser Institutionen konkrete Hilfsangebote an ihn gerichtet. «Wir wären bereit, Fussballtrainings für die Jugendlichen zu organisieren», berichtet beispielsweise Werner Baumgartner, Präsident des SC Kriens. Mit seinem Angebot ist Baumgartner an Ruedi Fahrni gelangt, den Asylkoordinator des Kantons, der es durchaus erfreut zur Kenntnis nahm. Doch wie weiter? Im Gespräch mit unserer Zeitung stellte Fahrni in Aussicht, dass er sich wieder mit dem SC-Kriens-Präsidenten in Verbindung setzen würde, sobald der Betrieb des UMA-Zentrums angelaufen sei. Und er liess durchblicken, dass solch «pfannenfertige» Projekte auch vom Kanton direkt orchestriert werden könnten – ohne den Umweg über die Caritas.

Caritas? Kanton? Oder beide?

Bei der Caritas herrschte ob dieser Aussage zumindest eine gewisse Verwunderung. Aus Rücksicht auf den laufenden Findungsprozess mit dem Kanton will man sich aber nicht weiter äussern. Andere Akteure, die sich in der Arbeit mit Migranten engagieren, werden da deutlicher: «Ein Verwaltungsapparat ist nicht der ideale Koordinator für Freiwilligenarbeit», sagt etwa Trudi Dinkelmann, Präsidentin des Vereins «Migration – Kriens integriert», wo Freiwillige etwa Begleitungen im Alltag anbieten.

«Freiwilligenarbeit ist aufwendige Beziehungsarbeit. In einer Verwaltung herrscht naturgemäss eine Dienstleistungsmentalität, basierend auf Budget- und Zeitvorgaben. Das beisst sich.» Dennoch ist auch Dinkelmann bereits an den Kanton herangetreten mit der Idee, in einer geplanten Begleitgruppe Einsitz zu nehmen und eventuell auch Aktivitäten anzubieten. Bisher haben aber weder sie noch SC-Kriens-Präsident Werner Baumgartner ein Signal erhalten, ob und wie ihr Angebot weiterverfolgt wird. Beide hegen indes Verständnis dafür, dass der Aufbau des UMA-Betriebs Zeit brauche und der kantonale Asylkoordinator derzeit überbeansprucht sei.

Warten wie die Flüchtlinge

Der Hauptgrund für die Wartezeiten und Pendenzen im Migrationswesen ist die derzeit grosse Anzahl der Asylbewerber und Flüchtlinge. Doch der Findungsprozess zwischen Caritas und Kanton kommt in Luzern zum ungünstigsten Zeitpunkt dazu. Die notwendigen internen Absprachen binden Kräfte, die für den Kontakt mit den Freiwilligen fehlen, was zu Frustrationen führen kann. In Kriens stehen derweil weitere Institutionen in der Pipeline, die im UMA-Zentrum gerne kreativ helfen wollen: «Wir könnten uns vorstellen, den Jugendlichen ein paar Velos zu schenken und sie anzuleiten, wie sie diese flicken können», erzählt zum Beispiel der reformierte Pfarrer Karl Däppen. Inter­esse an Kontakten und gemeinsamen Unternehmungen hat auch die Krienser Pfadi angemeldet.

Vorläufig sitzen die Hilfswilligen im gleichen Boot wie viele Flüchtlinge selbst: Sie warten auf einen Bescheid, wie es mit ihren Gesuchen weitergeht.

Hinweis

Freiwillige werden insbesondere für die Sprachvermittlung, Hilfe bei der Wohnungssuche oder die Alltagsunterstützung gesucht. Die nächsten Info-Veranstaltungen der Caritas für Freiwillige finden im Januar und Februar statt. Infos sind unter www.caritas-luzern.ch/freiwillige zu finden. Anmeldungen via freiwilligenarbeit@caritas-luzern.ch (begrenzte Teilnehmerzahl).

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