Auf der Bahnstrecke Zürich-Luzern sorgen grosse Verspätungen bei den Pendlern für Ärger

Die Bahnverbindung zwischen Zürich und Luzern ist anfällig für Störungen. Am Dienstagmorgen fiel schon wieder ein Zug aus. Das Problem hat sich in den letzten Tagen zugespitzt.

Raissa Bulinsky
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«Der Zug von Zürich her hat immer einige Minuten Verspätung. Doch seit beim Zugersee gebaut wird, kommt es zu noch längeren Wartezeiten», sagt ein Pendler, der jeweils beim Bahnhof Zug einsteigt und nach Luzern fährt. Grund für so manchen Ärger der SBB-Kunden sind Verspätungen und die damit einhergehenden langen Wartezeiten in der Kälte. Pendler, die auf der Strecke zwischen Zürich und Luzern unterwegs sind, mussten während der letzten Tage besonders geduldig sein.

Pendler am Bahnhof in Zug.

Pendler am Bahnhof in Zug.

Archivbild: Stefan Kaiser

Die SBB nennt auf Anfrage hin zwei Aspekte, die die Strecke anfällig für Störungen macht: Zum einen sei die Strecke auf vielen Abschnitten einspurig geführt. Zum anderen sei die Strecke Zug-Rotkreuz wegen einer Baustelle und der entsprechenden Streckensperrung am Ostufer des Zugersees total ausgelastet. Kleinere Verspätungen könnten so nicht wieder wettgemacht werden. So kann es zu Folgeverspätungen oder überbelegten Zügen kommen.

Am Bahnhof Rotkreuz frieren die Pendler

Am Dienstagmorgen (21. Januar) kam es schon wieder zu Problemen. Der Zug, der um 8:35 Uhr ab Zürich nach Luzern fahren sollte, fiel aus. Alle Pendler mussten eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten.

Auch letzten Donnerstag und Freitag (16. & 17. Januar) kam es zu erheblichen Verspätungen. Um Folgeverspätungen auf andere Züge zu verhindern, hielt der Zug in Richtung Luzern am Bahnhof in Rotkreuz und fuhr wieder zurück nach Zürich. Die Passagiere mussten 20 Minuten am Bahnhof Rotkreuz auf den nächsten Zug warten. Die Mitarbeitenden in der SBB-Betriebszentrale entschieden sich dafür, um Folgeverspätung auf andere Züge zu verhindern, was eine grössere Anzahl Reisender betroffen hätte, erklärt Raffael Hirt, Mediensprecher der SBB.

Die Vorfälle erregten in diesen Tagen viel Unmut bei den Pendlern. Dominique Strebel kann ein Lied davon singen. Er ist Dozent an der Journalistenschule MAZ in Luzern, und pendelt drei Mal wöchentlich von Zürich nach Luzern. Verspätungen auf dieser Strecke seien keine Einzelfälle. Letzte Woche waren sie jedoch auffälliger. Strebel gehört zu jenen Passagieren, die in Rotkreuz aussteigen und den nächsten Zug abwarten mussten. Bei diesen Temperaturen sei dies umso ärgerlicher. Überdies wurde der Folgezug von Rotkreuz nach Luzern überbelegt und war deshalb überfüllt.

«Dass die SBB mehrere Tage in Folge mit einem solchen Ausmass Verspätungen hat, ist schon etwas grenzwertig», findet Strebel. Da die Verspätungen bis jetzt nicht immer so ausgeprägt waren, wirkte sich dies bisher nicht negativ auf das Alltags- oder Berufsleben des Dozenten aus. Er bedauert aber, dass ihm der SBB-Kundendienst «Rail Service» via Twitter keine genaueren Erklärungen und Antworten für seine Fragen und Anliegen kommuniziert hat:

Weitere Verspätungen in Aussicht

Solch ärgerliche Erlebnisse wie die von Pendler Strebel könnten auch in Zukunft immer wieder auftreten. Grund: die Baustelle am Zugersee wird noch bis Ende Jahr bestehen und diverse Ausbauprojekte, welche die Strecke Zürich-Luzern betreffen, sind in Planung.

Die SBB entschuldigen sich bei allen betroffenen Passagieren. Ausserdem setze man alles daran, Massnahmen zu ergreifen, um Verspätungen künftig so gut wie möglich zu verhindern, betont SBB-Sprecher Hirt.
Durch die Zusammenarbeit verschiedener öV-Betreiberinnen sollen Reisende bestmöglich informiert werden, ausserdem werden die Wartezeiten von kritischen Anschlüssen erhöht.

Damit die Pendler künftig reibungsloser ans Ziel kommen, testen die SBB eine neue Push-Funktion für die SBB Mobile App, auch «Pendler-Alarm» genannt. Durch die Benachrichtigungen sollen Reisende frühzeitig über Störungen und Verspätungen informiert werden.

Eine weitere Informationsquelle für Pendler kann auch die Website pünktlichkeit.ch sein, hier sind Statistiken zur Pünktlichkeit des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz verfügbar.

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