Film: Christi Auferstehung mit Krimiallüren

Die Suche nach dem Gekreuzigten: Kevin Reynolds gelingt mit «Auferstanden» ein eindrücklicher Spielfilm über die posthumen Ereignisse um Jesus – solide erzählt und weitgehend glaubwürdig.

Andreas Faessler
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Das Felsengrab Jesu ist leer. Der römische Militärtribun Clavius (Joseph Fiennes) muss den Toten finden, ehe sich die Auferstehungsgerüchte weiter ausbreiten. (Bild: PD)

Das Felsengrab Jesu ist leer. Der römische Militärtribun Clavius (Joseph Fiennes) muss den Toten finden, ehe sich die Auferstehungsgerüchte weiter ausbreiten. (Bild: PD)

Jesus ist am Kreuz gestorben. Josef von Arimathäa hat im letzten Moment dafür gesorgt, dass sein Körper in einem Felsengrab bestattet wird. Und dann war die Leiche plötzlich weg, niemand will was gesehen haben.

Jetzt steht der römische Tribun Clavius vor einem Problem. Er hatte von Pilatus die Aufgabe erhalten, die Hinrichtung von Jesus zu observieren. Und jetzt ist der Körper dieses angeblichen Messias, welcher prophezeit hatte, er werde wiederkommen, verschwunden, was für Aufruhr und Mutmassungen sorgt. Und das kurz vor dem Besuch des römischen Kaisers in Jerusalem. Pilatus will rechtzeitig für Ordnung sorgen und das Gerücht um die Auferstehung zerschlagen. Er heisst Clavius, die verschwundene Leiche umgehend wieder zu beschaffen. Es folgt ein Detektivspiel mit einer Reihe von Verhören und Spurensuchen.

Authentische Kulisse, kräftige Bilder

Das klingt wie Krimistoff. Ist es auch: Ein Toter, aber die Leiche fehlt, jemand muss sie gestohlen haben. Und ein römischer Beamter hat den nun Auftrag, den Fall zu lösen. Funktioniert das? In «Auferstanden» versucht dies Regisseur Kevin Reynolds mit erheblichem Aufwand. Es gelingt ihm gar nicht so schlecht, auch wenn das Endprodukt nicht ansatzweise an die grossen biblischen Monumentalwerke der Filmgeschichte herankommt. Das Aufgebot an Darstellern ist zwar nicht besonders illuster – immerhin dürfte Joseph Fiennes in der Hauptrolle einigen ein Begriff sein –, schauspielerisch aber wird eine rundum starke Leistung geliefert, was der Handlung zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht.

Mit der Wahl der Drehorte auf Malta und in Spanien spielt die Handlung vor einer authentischen Kulisse, und Reynolds spart nicht an kräftigen Bildern und opulenter Klanguntermalung. Der Aufbau der Handlung hingegen erweckt durchwachsene Eindrücke. Die Szenen rund um die Kreuzigung Jesu und der beiden Schächer sowie die vorangehenden Kampfhandlungen sind zuweilen drastisch und nichts für schwache Nerven. Auch wenn im Zuge der Fahndung nach dem verschwundenen Toten stark verweste Leichen exhumiert werden, dürfte sich beim einen oder anderen der Magen melden. Doch im Laufe des Films ebbt dies ab, und das Geschehen wird von der Aura der Heilsgeschichte bestimmt. Jesus ist schliesslich tatsächlich auferstanden und mit seinen Jüngern auf dem Weg zum See Genezareth, um dort in den Himmel aufzufahren.

Während die einen Kritiker veranlasst sind, das Ganze in die süssliche Ecke von Kitsch und Gefühlsduselei zu drängen, sprechen andere von einer wohltuenden Erbaulichkeit. Tatsächlich ereignen sich rührende Szenen mit und um Jesus, dies mit weitgehender Treue zur Bibel. Auch dass der indirekte Mörder Jesu, der Römer Clavius, im Zuge seiner Aufklärungsmission vom Saulus zum Paulus wird, kommt unter dem Strich recht bewegend daher.

Selten verfilmte Episode

«Auferstanden» ist auf jeden Fall sehenswert, auch wenn die gross angelegte Filmproduktion von 2016 sehr unterschiedliche Meinungen provoziert hat. Ein grosser Kinoerfolg ist «Auferstanden» nicht geworden, Furore hat der Film keine gemacht. Aber antun sollte man sich ihn allein deswegen, weil sich bislang kaum ein namhafter Regisseur an den Abschnitt zwischen dem Tod Jesu und dessen Himmelfahrt gewagt hat. «Auferstanden» ist vom Anfang bis zum Ende kurzweilig und besticht mit kräftigen Eindrücken und glaubwürdigen Darstellern.

RTL zeigt «Auferstanden» am Donnerstag, 30. Mai, um 22.30 Uhr.