Aufwändige Wiederansiedlung eines Zugvogels

Mit einem Miniflugzeug als Lotse soll der Waldrapp in der Schweiz wieder heimisch werden. Wie der in Europa ausgestorbene Ibis angesiedelt werden soll, hat der Biologe Johannes Fritz am Dienstag im Tierpark Goldau erklärt.

Drucken
Teilen
Dr. Johannes Fritz aus Mutters bei Wien. (Bild: PD)

Dr. Johannes Fritz aus Mutters bei Wien. (Bild: PD)

Dr. Johannes Fritz aus Mutters bei Wien. (Bild: PD)

Dr. Johannes Fritz aus Mutters bei Wien. (Bild: PD)

Der österreichische Zoologe Johannes Fritz hat am Dienstag sein 2002 gestartetes Waldrapp-Projekt vorgestellt. Der Waldrapp könnte auch in der Schweiz wieder ansässig werden, teilte der Tierpark Goldau mit. Der Waldrapp lebt trotz seines Namens nicht im Wald. Ein roter, kahler Kopf mit einem langen gebogenen Schnabel sowie verlängerte Nackenfedern geben dem schwarzgefiederten Vogel ein markantes Aussehen. Freilebend kommt er nur noch in Marokko und Syrien vor. Diese Bestände von etwa 220 erwachsenen Tieren seien gefährdet, schreibt der Tierpark. Deshalb seien Wiederansiedlungen nötig. Das Problem ist, dass die in Gefangenschaft aufgewachsenen Vögel nicht wissen, dass sie im Herbst ihr Brutgebiet verlassen und in ihr Wintergebiet im Süden fliegen müssen. Der Mensch muss ihnen deshalb das Zugverhalten wieder beibringen.

Miniflugzeug als Lotse

Das Team von Johannes Fritz setzt dazu Ultraleicht-Fluggeräte ein. Die Jungvögel werden von menschlichen Ersatzeltern aufgezogen und folgen den Bezugspersonen, wenn diese mit dem Miniflugzeug in den Süden fliegen.

In sieben Flügen führte Fritz und sein Team in den letzten Jahren total 81 handaufgezogene Waldrappe aus Bayern und Salzburg in ein Schutzgebiet in der Toskana. Im letzten Jahr kehrten vier Waldrappe wieder zurück in ihr Brutgebiet in Bayern und flogen im Herbst erneut in den Süden.

Viele Waldrappe kommen in Freiheit ums Leben. Ort und Zeitraum der Verluste legten nahe, dass die Tiere vor allem durch illegalen Abschuss in Italien umgekommen seien, schreibt der Tierpark.

Der Waldrapp war bis ins 17. Jahrhundert ein häufiger Gast in der Schweiz. Er nistete etwa in den Stadtmauern von Zürich oder beim Kloster Mariastein in der Nähe von Basel. Zum Verhängnis wurde dem geselligen Vogel, dass das Fleisch der Jungtiere vor allem beim Adel als Leckerbissen beliebt war.

sda