Aussagen des Abtes sorgen für Verblüffung

Frauen sollen höchste kirchliche Würden erhalten. Solche Worte aus dem Mund des Abtes von Einsiedeln, Martin Werlen, seien «absolut neu», sagt Edmund Arens, Professor für Fundamentaltheologie an der Uni Luzern.

Drucken
Teilen
Das schon bald auch Frauen vom Papst zu Kardinälen ernannt werden, ist eher unwahrscheinlich. Im Bild erhält Kurt Koch von Papst Benedikt XVI den Kardinalsring. (Bild: Archiv Philipp Schmidli/Neue LZ)

Das schon bald auch Frauen vom Papst zu Kardinälen ernannt werden, ist eher unwahrscheinlich. Im Bild erhält Kurt Koch von Papst Benedikt XVI den Kardinalsring. (Bild: Archiv Philipp Schmidli/Neue LZ)

«Die Situation der Kirche ist dramatisch», sagte der Abt des Klosters Einsiedeln, Martin Werlen, am Samstag in der Neuen Schwyzer Zeitung. In der Schrift «Miteinander die Glut unter der Asche entdecken» präsentiert er Ideen, wie die Zukunft der katholischen Kirche aussehen könnte. So sei etwa die eheliche Lebensform für Kleriker genauso ein möglicher Weg wie die zölibatäre, schreibt Werlen. Und: In der Geschlechterfrage zeige sich die Kirche «unbeholfen und ratlos».

«Dass ein Mitglied der Bischofskonferenz solche innovativen Ideen veröffentlicht, ist absolut neu», sagt Edmund Arens, Professor für Fundamentaltheologie an der Uni Luzern. Von der Kirchenbasis würden zwar immer wieder Stimmen laut, die Reformen fordern – kürzlich beispielsweise die Pfarrei-Initiative. Von hohen kirchlichen Würdeträgern seien solche Töne aber ungewohnt.

Revolutionäres schlägt Werlen auch in Bezug auf die Kardinäle vor, dem Beratungsgremium des Papstes: «Zum Beispiel könnten für fünf Jahre Menschen aus der ganzen Welt, Frauen und Männer, Junge und weniger Junge, in dieses Gremium berufen werden.» Schon 1996 sagte der damalige Basler Bischof Kurt Koch gegenüber diversen Medien: «Früher mussten Kardinäle nicht unbedingt geweihte Priester sein.» Inzwischen ist Kurt Koch Kardinal in Rom und sagt zu den Forderungen aus Einsiedeln lediglich: «Ich bin in Rom. Von hier aus beurteile ich die Arbeit in der Schweiz nicht.»

Auch im Namen des heutigen Basler Bischofs Felix Gmür gibt es keinen Kommentar. Eine Sprecherin des Bistums lässt ausrichten, dass es sich bei Werlens Schrift um einen persönlichen und keinen amtlichen Text handle, den man nicht kommentieren wolle.

Christian Hodel

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung oder als Abonnent/in kostenlos im E-Paper.