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AUW: Maria Huwiler-Stocker wird 103: «Man sollte nicht so alt werden»

Maria Huwiler-Stocker feiert heute im Maria-Bernarda-Heim ihren 103. Geburtstag mit ihrer Familie und vielen Gratulanten. Sie erzählt aus ihrem langen Leben und sagt, wofür sie dankbar ist.
Cornelia Bisch
Vergnügt und mit hintergründigem Humor erzählt Maria Huwiler-Stocker von ihrem langen Leben. (Archivbild Luzerner Zeitung)

Vergnügt und mit hintergründigem Humor erzählt Maria Huwiler-Stocker von ihrem langen Leben. (Archivbild Luzerner Zeitung)

85 Jahre, vielleicht 90 gäbe man der verschmitzt lächelnden Rentnerin. Dass Maria Huwiler-Stocker jedoch heute ihren 103. Geburtstag feiert, ist kaum zu glauben. Wie man denn ein solch hohes Alter erreiche, wird sie oft gefragt. «Ich weiss es nicht», antwortet sie jeweils und ergänzt bescheiden: «Als Bäuerin war ich oft draussen in der Natur und habe immer Honig von unseren eigenen Bienen gegessen.» Ausserdem weiss sie alles über Schüsslersalze, mit denen sie sich stärkt und alle Gebresten behandelt. Sie habe Glück gehabt, sich nie etwas gebrochen und sei nie im Spital gewesen. «Meine fünf Kinder kamen alle zu Hause zur Welt.» Es sei nicht immer gut gegangen, aber man habe halt nichts anderes gekannt. Die Hebamme sei jeweils von Auw auf ihren Hof nach Reussegg gekommen und habe ihr beigestanden. «Einmal musste sie sich durch dichten Schneefall kämpfen», erinnert sich die mittlerweile fünffache Urgrossmutter. Ihr starker Glaube und ihr Gottvertrauen waren ihr Halt in manch einer Krise.

Maria Huwiler hat ein bewegtes Leben hinter sich, obschon sie das Oberfreiamt nie länger verlassen hat. Aufgewachsen ist sie mit sieben Geschwistern auf einem Bauernbetrieb in Abtwil. «Eine meiner Schwestern starb dann aber an einer Lungenentzündung während des Ersten Weltkriegs», erzählt sie. Die beiden Kriege nahm sie als Zeiten grosser Not und Angst wahr. «Das waren schlimme Zeiten, aber Bruder Klaus hat uns beschützt», ist sie überzeugt. Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Familie mit dem frühen Tod des Vaters Joseph Stocker, der an Lungentuberkulose starb. «Vielleicht war es auch Krebs. Das wusste man damals nicht so genau», erzählt sie.

Batzen aus dem Kässeli geborgt

Die Mutter musste ihre sieben Kinder danach allein durchbringen. «Wir litten aber nie Hunger», betont Maria Huwiler. In ihrer Stimme schwingt Bewunderung für Mutter Marie Josepha mit. «Sie war eine sehr gläubige Frau.» Wenn die Not allzu gross wurde, borgte sie sich den Inhalt der Kinder-Kässeli aus. Fürs Verseaufsagen an der Fasnacht erhielten diese manchmal ein paar Batzen, die sie ins Kässeli steckten. «Mutter hat das Geld aber immer wieder zurückgelegt, sobald es ging.» Ihre Jugend hat Maria Huwiler trotzdem als glücklich empfunden. «Wir brauchten nicht viel», sagt sie schlicht. Als Kind absolvierte sie die Primarschule und half anschliessend auf dem elterlichen Betrieb mit. Eine Lehre lag für sie nicht drin. «Ich wäre gerne Heimpflegerin geworden.» Sie sagt dies ohne Bedauern, denn sie hat es als Bäuerin in Reussegg an der Seite von Alois Huwiler auch gut getroffen. «Wir haben uns am Musikfest in Abtwil kennen gelernt», erzählt sie mit glänzenden Augen. Der junge Mann hatte den ganzen Abend nur Augen für die hübsche Maria, die er später zum Altar führte.

Maria Huwiler ist dankbar für ihr langes Leben, ihr schönes Zimmer mit Sicht auf die Rigi und die liebevolle Betreuung im Heim. Aber sie ist auch bereit zu gehen. «Man sollte nicht so alt werden», sagt sie lachend und wird dann ernst. «Das Alter ist nicht leicht zu ertragen, auch wenn es einem recht gut geht.» Sie musste ihren geliebten Ehemann, alle ihre Geschwister und viele Freunde beerdigen. Die Fähigkeit zu stricken und zu jassen hat die hochbetagte Dame vor einigen Jahren verloren – Hobbys, die sie früher leidenschaftlich gern und stundenlang ausübte. «Die Hände wollen nicht mehr. Aber ich kann noch lesen. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Gemeindeammann muss Krawatte tragen

An ihrem Ehrentag kommt die Familie zum Essen. Maria Huwiler hat sich Hackbraten und gebrannte Creme gewünscht. Auch einige andere Gratulanten erwartet die Jubilarin. «Der Sinser Gemeindeammann Josef Huwiler bringt mir immer einen schönen Strauss vorbei», berichtet sie. «Aber ich habe ihm gesagt, er müsse schon eine Krawatte anlegen.» In Maria Huwilers Augen blitzt der Schalk auf, während ihr arthritischer Zeigefinger mahnend wackelt. Ihr Lachen wirkt ansteckend. Man muss sie einfach gern haben.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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