BABYFENSTER-FALL: Anonym gebären: Ärzte stehen vor Dilemma

Anonyme Geburten sind in der Schweiz verboten. Im Ernstfall stehen die Ärzte aber vor einer schwierigen Entscheidung.

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Hat Diskussion in Gang gesetzt: Das erneute Ablegen eines Säugling im Babyfenster Einsiedeln. (Bild Alexandra Wey/Neue SZ)

Hat Diskussion in Gang gesetzt: Das erneute Ablegen eines Säugling im Babyfenster Einsiedeln. (Bild Alexandra Wey/Neue SZ)

Nachdem am 1. August im Babyfenster des Spitals Einsiedeln ein Kind gefunden worden ist (siehe Artikelverweis), werden wieder Rufe nach der Möglichkeit der heute in der Schweiz verbotenen anonymen Geburt in Spitälern laut. Dabei muss die Mutter ihren Namen nicht nennen. Der Schwyzer SP-Nationalrat Andy Tschümperlin will einen neuen Vorstoss einreichen, nachdem sich die inzwischen verstorbene SP-Nationalrätin Josy Gyr bereits 2005 in einer Motion für die anonyme Geburt eingesetzt hat.

Mutterschutz im Vordergrund
Eine verbindliche Regelung vom Parlament wünscht auch Thomas Aeschmann, Direktor des Spitals Schwyz. Aeschmann hält fest, dass es sich um einem rechtsfreien Raum handle. «Sollten wir erstmals mit einer solchen Situation konfrontiert sein, würden wir den Wunsch der Mutter wohl akzeptieren und ihren Namen gegen aussen schützen. Damit kämen wir aber in den Clinch mit den gesetzlichen Grundlagen, da eine Meldepflicht beim Zivilstandsamt besteht.» Zwar sei in Schwyz noch nie eine Anfrage für eine anonyme Geburt vorgekommen, sagt Aeschmann. «Deshalb haben wir uns auch noch nie ernsthafte Gedanken darüber gemacht oder Abklärungen getroffen. Sicher steht aber der Schutz der Mutter immer im Vordergrund.» Er könnte sich vorstellen, dass «die werdende Mutter bei uns Frau Muster heissen würde», und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass er in einem Notfall seiner Pflicht als Arzt nachkommen würde.

Das Luzerner Kantonsspital überweist im Extremfall Patientinnen nach Basel. «Geburten mit einem Pseudonym sind juristisch heikel und brauchen eine intensive Betreuung», sagte Markus Hodel, Leiter Luzerner Geburtszentren, gegenüber Radio DRS. Das Basler Unispital könne den Müttern in einem solchen Fall am besten helfen.

zim/rk/ny/ssr

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.