BÄRIGER NACHWUCHS: Zwei syrische Braunbären in Goldau geboren

Nun hat auch der Natur- und Tierpark Goldau zwei kleine «Knuts»: Vor einem Monat kamen dort zwei syrische Braunbären zur Welt. Noch liegen sie in der Wurfbox, doch schon in wenigen Wochen werden Sie tapsig die Welt erkunden.

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Die beiden Bärenzwillinge im Stroh. (Bild pd)

Die beiden Bärenzwillinge im Stroh. (Bild pd)

Am Anfang war der Verdacht: Die 12-jährige Syrische Braunbärin Maria verhielt sich ungewöhnlich, zog sich zurück und baute ein Nest, wie der Tierpark mitteilt. «Aber wir waren nicht sicher, ob Maria wirklich trächtig ist», sagt Felix Weber, Direktor des Natur- und Tierparks Goldau. «Bei Bären gibt es oft Scheinschwangerschaften. Und weil Bären bei der Geburt nur so gross sind wie Meerschweinchen, sieht man einer Bärin eine Schwangerschaft in der Regel nicht an.»

Am 26. Januar 2008 wurde aus dem Verdacht endlich Gewissheit: Maria brachte nach 190-tägiger Keimruhe drei Junge zur Welt ein Weibchen und zwei Männchen. Das Weibchen starb kurz nach der Geburt. Der Natur- und Tierpark Goldau setzt sich für eine natürliche Aufzucht ein und hat deshalb auf die Handaufzucht, dieses bei der Geburt bereits geschwächten Weibchens, verzichtet. Den beiden Bärenjungs geht es prächtig.

Geburt ist wichtig für die Bärenart
Die Geburt dieser beiden Bärenjungs ist nicht nur erfreulich, sondern wichtig denn der Syrische Braunbär braucht dringend Nachwuchs. Das Verbreitungsgebiet  deckt sich mit dem Lebensraum der Kurden, der durch Kriege und Unruhen erschüttert wird. Niemand weiss, wie viele Syrische Braunbären es in der freien Wildbahn noch gibt. In Zoos ist der bis zu 2,6 Meter grosse und 500 Kilogramm schwere Syrische Braunbär schon seit geraumer Zeit kaum mehr anzutreffen, die meisten Tierparks haben auf den Europäischen Braunbären gesetzt.

Zoodirektor Felix Weber freut sich über die jungen Bären, wie es heisst. Die Popularität der kleinen Eisbären Knut und Flocke in Deutschland zeige, dass Bären-Nachwuchs beim Publikum hoch im Kurs steht. Die kleinen Teddys sind herzig, doch Felix Weber nennt  noch eine andere Ursache für ihre Anziehungskraft: «In mancherlei Hinsicht ähneln die Bären uns Menschen. In den ersten Wochen besteht ihr Leben nur aus Schlafen, Fressen und ein wenig Spielen sie müssen ja auch gewaltig zunehmen, schliesslich wiegen sie bei der Geburt nur etwa 400 Gramm.» Wenn die kleinen Bären dann von der Mutter zum ersten Mal aus der Höhle getragen würden und sich gegen das Baden wehren oder mit einem Geschwister spielten, «erinnert uns das vielleicht auch ein wenig an unsere eigene Kindheit».

Infrarotkamera zeigt die Bärli
Voraussichtlich Ende März oder Anfang April werden die kleinen Bären ihre Wurfbox erstmals verlassen und ab etwa Ende April in der Anlage zu sehen sein. Dem Publikum bleiben sie bis dahin aber nicht verborgen: eine Infrarotkamera überträgt Live-Bilder aus der Bärenhöhle ins Besucherzentrum des Natur- und Tierparks.

Etwa zwei Jahre lang werden die beiden Bärenzwillinge bei der Mutter bleiben. Einer von ihnen bleibt langfristig in der Zentralschweiz; das einzige Männchen der Goldauer Bärenfamilie und Vater des Nachwuchses, Ernesto, musste im letzten Herbst aufgrund einer schweren Erkrankung eingeschläfert werden. Da in einer Bärenfamilie nur Platz für ein erwachsenes Männchen bleibt, wird man einen der Jungbären fremdplatzieren. Felix Weber ist überzeugt, für ihn in Frankreich, Spanien oder in Ungarn einen guten Platz zu finden «denn dort gibt es ebenfalls Zoos, die sich um den Syrischen Braunbären kümmern».

Namen gesucht!
Namen haben die Bärchen noch keine, aber das soll sich ändern. Der Tierpark Goldau hat einen Wettbewerb für die beiden Bärennamen lanciert. Die Vorschläge können bis am 26. Mai eingereicht werden.

ana