«Bäume setzt man für Grosskinder»

Tags arbeitet Zahnarzt Toni Durrer mit feinen Instrumenten. In der Freizeit aber hantiert er in Sarnen mit Hacke und Motorsäge in seinem «Urwald».

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Toni Durrer steht in seinem Garten, der fast einem Urwald gleicht. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Toni Durrer steht in seinem Garten, der fast einem Urwald gleicht. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

An der Sarner Brünigstrasse steht inmitten riesiger Bäume und üppiger Pflanzenpracht ein älteres Haus. Noch heute sprechen die Leute vom «Rosengarten» oder von «Doktor Durrers», wenn sie das Anwesen mit dem riesigen Umschwung betreten. «Im 19. Jahrhundert war da noch ein Restaurant mit diesem Namen», berichtet Zahnarzt und Hobbygärtner Toni Durrer.

Das Pflanzen und Ernten liege den «Durrers» im Blut. Schon als kleiner Bub habe er seiner Grossmutter Lina und der Mutter Elsa beim Gärtnern zugeschaut. Die Frauen hätten Gemüse und Blumen, aber eben auch viele Obst- und Zierbäume gepflanzt. Toni Durrer formuliert einen wichtigen Grundsatz seiner Gärtner-Philosophie: «Bäume setzt man für die Grosskinder.» In der Tat: Heute gleicht der «Rosengarten» einem richtigen Urwald. Baumriesen überragen das Haus, Farne, Rhododendren decken den Boden, und zahllose exotische und einheimische Lilien und Orchideen leuchten aus dem Grün. Sucht man den Gärtner, braucht man – wenn auch nicht gleich ein Buschmesser – mindestens ein gutes Auge.

Reiseandenken sind stets Pflanzen

Als Zahnarzt verrichtet Toni Durrer mit feinen Instrumenten auf kleinem Raum Präzisionsarbeit. «Mit Schaufel, Hacke und Motorsäge kann ich mich von meiner Arbeit wunderbar erholen», sagt er. Für einen leidenschaftlichen Naturfreund sei ein Garten mit seinem Blühen und Verwelken eine Lebensschule. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth bereist der Hobbygärtner die halbe Welt. Aus jedem besuchten Land bringen sie Pflanzen mit. Zu Hause werden die «Exoten» gesetzt und «aufgepäppelt».
Gerne führt der Gärtner Besucher zu den Kostbarkeiten: Da überraschen einen farbenprächtige Nepallilien, dort drohen brasilianische Kakteen mit ihren Stacheln, und ein Albizziabusch aus Sizilien betört mit Blütenpracht und Duft. «Dass der hier gewachsen ist, erstaunt sogar mich», gesteht Durrer.

Freuden und Leiden eines Gärtners

Das wohl schlimmste Erlebnis hatte Toni Durrer während des Sturms «Lothar»: «Zwölf Bäume stürzten um, darunter eine wunderbare, 35 Meter hohe, herrlich duftende Linde», erzählt er. Die Riesen begruben unter sich Gemüse- und kleine Obstbäume mit Kirschen und Zwetschgen.

«Neue Laubbäume sorgen heute in unserem Garten mit bunten Herbstfarben für einen ‹Indian Summer›», schwärmt Durrer.

Am meisten aber freut er sich, wenn er entdeckt, dass Tiere das Paradies mit ihm teilen. «Kürzlich jagte eine Ringelnatter im Seerosenteich nach Molchen», berichtet er. Zahlreiche Igel gebe es, einmal sei gar ein Dachs durchs Moorbeet gelaufen, und dann und wann rufe ein Kauz von den Bäumen.

Romano Cuonz