Baubranche geht mit einem Badge gegen Schwarzarbeit vor

Auf dem Bau soll eine persönliche Mitarbeiterkarte für Ordnung sorgen. Ein Ebikoner Bauunternehmen hat diese bereits Anfang Juli für alle 400 Mitarbeiter eingeführt.

Chiara Stäheli
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400 Mitarbeiter der Ebikoner Baufirma Schmid besitzen seit Anfang Juli eine ISAB-Karte. (Bild: Pius Amrein, Kriens, 10. Juli 2019)

400 Mitarbeiter der Ebikoner Baufirma Schmid besitzen seit Anfang Juli eine ISAB-Karte. (Bild: Pius Amrein, Kriens, 10. Juli 2019)

Seit Anfang Juli tragen alle Mitarbeiter der Schmid Bauunternehmung aus Ebikon eine Karte im Kreditkartenformat auf sich. Diese weist aus, dass ihr Arbeitgeber dem Gesamtarbeitsvertrag des Bauhauptgewerbes unterstellt ist – in der Branche wird dieser auch Landesmantelvertrag genannt. Damit ist das Bauunternehmen aus Ebikon das erste grosse Unternehmen in der Zentralschweiz, welches die sogenannte ISAB-Karte (siehe unten) flächendeckend für rund 400 Mitarbeiter eingeführt hat. Seit März ist es möglich, die Plattform zu nutzen.

Der Geschäftsführer der Zentralschweizerischen Baumeisterverbände (ZBV), Kurt A. Zurfluh, erklärt das Konzept, das hinter dem neuen Informationssystem Allianz Bau (ISAB) steckt, wie folgt: «Der Schweizerische Baumeisterverband hat zusammen mit den Sozialpartnern und weiteren Branchenverbänden beschlossen, eine elektronische Plattform aufzubauen. Diese soll Transparenz bezüglich der Einhaltung der Gesamtarbeitsverträge in der jeweiligen Branche schaffen.»

Zur Plattform zählt unter anderem die Karte. Gemäss Zurfluh dient diese sowohl dem Schutz der Arbeitnehmer als auch jenem der Arbeitgeber: «Die Karte soll ausweisen, dass der entsprechende Mitarbeiter für ein Unternehmen tätig ist, das sich an die vertraglichen Bestimmungen der Branche hält.» Sie soll zugleich auch die Kontrolle vereinfachen. Wenn der QR-Code auf der Karte gescannt wird, landet man auf der Webseite des ISAB und sieht, welchem Vertrag die Firma unterstellt ist, ob sie in den vergangenen fünf Jahren kontrolliert wurde und ob Verfehlungen registriert sind.

Mehraufwand für die Unternehmen

Das Ebikoner Bauunternehmen Schmid mit Niederlassungen in Altishofen und Baar will gemäss Personalleiter Stephan Gugelmann als gutes Beispiel vorangehen: «Wir sind dafür, dass Mindestlöhne eingehalten werden und verlangen auch von unseren Subunternehmen, dass sie sich an die gesetzlichen Bestimmungen halten. Darum haben wir unsere Mitarbeiter mit der Karte ausgestattet.»

Für die flächendeckende Einführung der Karte hat die Schmid Gruppe viel Zeit aufgewendet: «Es war eine immense Aufgabe. Wir mussten von sämtlichen Mitarbeitern ein Foto sowie eine Ausweiskopie mit diversen weiteren vertraglichen Angaben auf der Plattform hinterlegen.» Diese Angaben seien anschliessend geprüft und die Karten ausgestellt worden. Für eine Karte bezahlen die Unternehmen 26 Franken. Sie ist drei Jahre gültig.

Plattform soll Missbrauch bekämpfen

«Es gibt auf dem Bau immer noch Unternehmen, die den Gesamtarbeitsvertrag systematisch umgehen», sagt ZBV-Geschäftsführer Kurt A. Zurfluh. Diese Tatsache habe den Schweizerischen Baumeisterverband dazu veranlasst, die ISAB-Plattform aufzubauen. Für Giuseppe Reo, Regionalleiter der Unia Zentralschweiz, war es höchste Zeit, ein entsprechendes Kontrollsystem einzuführen. «Es gibt in der Baubranche nach wie vor viele Missbrauchsfälle. Besonders beim Lohn, der Spesenabrechnung oder der Arbeitszeit», sagt der Gewerkschaftsvertreter. Die Fälle aufzudecken, sei oft schwierig, da Aufträge vielfach weitergegeben würden, was die Kontrolle «massiv erschwere».

Deshalb findet es Reo wichtig, dass alle Unternehmen ihre Mitarbeiter mit der ISAB-Karte ausstatten: «Sie deklariert klar, dass man dem Landesmantelvertrag unterstellt ist und die Intention hat, diesen einzuhalten.» Nur so könne sichergestellt werden, dass Aufträge an «seriöse, saubere und korrekte Unternehmen» gehen. Er ist überzeugt: «Je besser wir kontrollieren, desto besser schützen wir den Markt.» Zentral sei es nun, dass alle Auftraggeber eine GAV-Bescheinigung verlangen, bevor sie einen Auftrag vergeben. Nur so könne man überprüfen, dass sich das engagierte Unternehmen an die Bestimmungen hält. Für Reo ist klar: «Die öffentliche Hand ist da genauso in der Verantwortung wie die Generalunternehmer.»

Andere Firmen ziehen bald nach

ZBV-Geschäftsführer Zurfluh hofft, dass sich die Karte in der Zentralschweiz bis im Sommer 2020 flächendeckend etabliert. Ein ambitioniertes Ziel, das nur mit der Unterstützung aller Betriebe erreicht werden kann. Auf Nachfrage bestätigen mehrere Zentralschweizer Bauunternehmen, dass sie ebenfalls bemüht seien, die Unterlagen alsbald möglich einzureichen. So auch die Lötscher Tiefbau AG mit Sitz in Luzern. Verwaltungsratspräsident Roman Lötscher steht «voll und ganz» hinter dem neuen Kontrollsystem und sagt: «Wir erfassen nun laufend die Daten und möchten bis im Herbst sämtlichen 160 Mitarbeitern eine Karte ausgehändigt haben.»

Aktuell steht die ISAB-Plattform nur Betrieben des Bauhauptgewerbes zur Verfügung. Zu diesem zählen nebst dem Hoch- und Tiefbau auch der Strassen- und Tunnelbau. Gemäss Unia-Regionalleiter Giuseppe Reo seien aber auch zahlreiche Verbände im Baunebengewerbe bestrebt, eine ISAB-Karte einzuführen. Dazu zählen beispielsweise die Maler, die Sanitäre, die Elektriker oder die Schreiner.

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