BERGGEBIET: Sie möchten als Bauernfamilie eine Zukunft

Ein anderes Leben als das einer Bauernfamilie können sich die Kronenbergs nicht vorstellen. Obwohl es ein strenges und bescheidenes ist. Auch die Jungen ziehen voll mit und wollen dereinst weitermachen. Doch nun stehen schwierige Aufgaben an. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft mit.

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Mit Leib und Seele eine Bauernfamilie: Marina (15), Annemarie (45), Stefan (48), Fabian (17) und Adrian Kronenberg (13). (Bild Corinne Glanzmann)

Mit Leib und Seele eine Bauernfamilie: Marina (15), Annemarie (45), Stefan (48), Fabian (17) und Adrian Kronenberg (13). (Bild Corinne Glanzmann)

D as Gusti ist schon über 200 Kilo schwer und sehr kräftig. Aber Marina, die wohl kaum einen Viertel dieses Gewichts aufweist, hat die Sache im Griff. Mit sicherer Hand und selbstbewusstem Nachdruck bringt die 15-Jährige das etwas bockende Kraftpaket dorthin, wo es hin soll. Nämlich mit aufs Familienbild.

Bauer und Bauarbeiter

Man merkt sofort: Das Mädchen ist hier aufgewachsen, verwurzelt in diesem bodenständigen Leben im Luzerner Napfgebiet, wie die ganze Familie. Es ist ein karges und arbeitsreiches Leben. Vater Stefan (48) etwa beginnt seinen Arbeitstag um 5 Uhr früh und beendet ihn um 20 Uhr, im Sommer kann es auch 22 Uhr werden. Und das sieben Tage in der Woche. Denn vom Ertrag, den der Hof mit seinem kleinflächigen und hügeligen Gelände und seinem Dutzend Kühe abwirft, kann die Familie nicht leben. So geht Stefan Kronenberg noch einem zweiten Job als Bauarbeiter nach. Zwischen 50 und 80 Prozent, so viel neben dem Hof halt möglich ist. Und das alles, obwohl er seit längerem ein Herzleiden hat und gerade erst wieder operiert werden musste.

«Nicht über 10 Grad»

Von aussen gesehen hat das 100-jährige Wohnhaus, das zum Hof gehört, seinen Reiz, der Städter mag darin etwas Romantisches sehen. Aber zum Wohnen hat es seine Nachteile. Das Dach leckt hoffnungslos, die Zimmer im Obergeschoss etwa sind derart niedrig, dass die Jungen, die sie bewohnen, sich immer gebückt darin bewegen müssen. Und Heizen wird im Winter zur Sisyphusarbeit. «Letztes Jahr brachten wir es oft nicht über 10 Grad», berichtet Annemarie Kronenberg-Studer (45).

«Ich will auch Bäuerin werden»

Es ist einfach eine Feststellung, denn Jammern ist nicht Sache der Kronenbergs. Sie packen lieber an und lösen das Problem. Das Wohnhaus soll neu gebaut werden, bescheiden und zweckmässig, für zwei Generationen. Das macht natürlich vor allem Sinn, wenn die Jungen dereinst den Hof übernehmen. Für Marina ist das ein klarer Fall: «Ich will ebenfalls Bäuerin werden.»

Und darum wird sie im Sommer nach der Sek eine landwirtschaftliche Ausbildung beginnen. Auch Adrian (13) könnte sich eine Zukunft auf dem Hof gut vorstellen, hat aber noch etwas mehr Zeit, weil er die 1. Sek besucht. Er übernimmt es, das Gusti vor dem Fototermin noch ganz sauber zu putzen. Perfekt soll es aussehen, schliesslich zieren ganze Reihen von Jungzüchterauszeichnungen die Front des Stalls.

Den behinderten Sohn betreuen

«Die Kinder haben hier auf dem Hof natürlich einen sehr starken Bezug zu Tieren», sagt Annemarie Kronenberg. «Das gehört sicher zu den schönen Seiten, wenn man so aufwächst.» Dafür verzichtet die Familie auf manches, was vielen anderen Leuten selbstverständlich ist, sei es im Bereich Komfort, sei es auch mal Ferien machen zu können. «Ferien sind schlicht nicht möglich», sagt Stefan Kronenberg, ohne dass es ihn gross zu stören scheint. «Eine Woche am Strand zum Beispiel würde mich wohl rasch langweilen.»

Viel wichtiger ist ihm, dass er nun gesund bleibt und mit seiner Familie die Zukunft des Hofes sichern kann. Hier will die LZ-Weihnachtsaktion einen Beitrag leisten. Eine Aufgabe wird auch der älteste Sohn bleiben. Fabian (17) ist behindert und leidet deswegen auch an einer Lernschwäche. Er besucht die Heilpädagogische Schule in Willisau und soll auch in Zukunft bei seiner Familie wohnen und von ihr betreut werden können. Auch er würde also vom neuen Wohnhaus profitieren.

«Wir schauen vorwärts», sagt Stefan Kronenberg. «Am liebsten möchten wir hierbleiben, hier arbeiten und unser bisheriges Leben weiterführen.»

Tragische Schicksale im Berggebiet: Wir helfen

Dank Ihren Spenden, liebe Leserinnen und Leser, kann die LZ-Weihnachtsaktion Bergbauernfamilien helfen, denen Schlimmes widerfahren ist. Josef Bucher (alle Namen von der Redaktion geändert) erlitt letztes Jahr schwerste Hirnverletzungen, als er in seinem Auto von einem Felsen getroffen wurde. Der Vater von drei Kindern (9, 4 und 2 Jahre alt) verbrachte Monate im Spital. Seine Frau hielt den Hof über Wasser und musste eine Hilfe anstellen, was das Budget aus dem Lot brachte.

Inzwischen ist ihr Mann wieder zu Hause und wird dort betreut. Er macht körperlich gute Fortschritte, geistig hat er aber noch einen langen Weg vor sich und muss vieles wieder neu lernen.

Hilfe für einen Neubeginn

Franz Steiner ist Jungbauer. Er lebt auf einem strengwerchigen Hof im Gebirge, verlor als Knabe früh seine Mutter und lebte die letzten Jahre mit seinem schwer kranken Vater. Dies bedeutete neben dem emotionalen Aufwand auch hohe Kosten, sodass Franz Steiner trotz harter Arbeit finanziell nie auf einen grünen Zweig kommen konnte. Jetzt ist sein Vater gestorben. Der Jungbauer hat eine Freundin, die ihn heiraten und mit ihm zusammen den Hof führen will. Die LZ-Weihnachtsaktion will ihm eine kleine Starthilfe geben.

Mann schied aus dem Leben

Ulrich Müller führt einen Bergbauernhof und arbeitet zusätzlich bei einem anderen Bauern als Stundenlöhner, um seine Existenz zu finanzieren. Er ist alleinerziehender Vater von zwei Kindern, seine Frau hielt das harte Leben auf dem Hof nicht aus und verliess ihn. Nun hat er eine Witwe kennen und lieben gelernt, und sie ist mit ihren drei Kindern bei ihm eingezogen. Dank der LZ-Weihnachtsaktion konnte er die fünf Kinder mit notwendigen Anschaffungen versorgen.

Maria Schacher ist in einer sehr schwierigen Situation. Letztes Jahr nahm sich der Mann der Bergbäuerin wegen einer schweren Erkrankung das Leben. Sie blieb mit drei Kindern zurück, das mittlere ist behindert. Im gleichen Jahr starben auch ihre Mutter sowie ihr älterer Bruder, der ihr eine grosse Stütze gewesen war. Zum unermesslichen seelischen Schmerz kam eine massive finanzielle Notlage für die Familie, denn die Versicherung zahlte aufgrund des Suizids kein Todesfallkapital. Die LZ-Weihnachtsaktion möchte sie unterstützen und ihr damit auch ein Zeichen geben, dass sie nicht alleine gelassen wird.

Spendenaktion läuft noch bis morgen

Die diesjährige LZ-Weihnachtsaktion läuft noch bis morgen Mittwoch. Noch nie haben wir so viele Gesuche um Hilfe erhalten wie diesmal. Und noch nie konnten wir so viele Menschen unterstützen. Der ehrenamtliche Beirat der Aktion prüft nun noch einen letzten Teil der Gesuche. Damit wir weiterhelfen, sind wir für jede Spende dankbar. Unser Postkonto lautet: 60-33377-5