BILANZ: Im Stemmbogen durch die Skisaison

Die Zentralschweizer Skigebiete erzielten bis zu 40 Prozent weniger Umsatz als in der vorherigen Saison. Eines steht jedoch besser da.

Gabriela Jordan
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Blick auf das Skigebiet Melchsee-Frutt, das im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten eine positive Saisonbilanz ziehen kann. (Bild Philipp Schmidli)

Blick auf das Skigebiet Melchsee-Frutt, das im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten eine positive Saisonbilanz ziehen kann. (Bild Philipp Schmidli)

Gabriela Jordan

Nachdem der Start in die Skisaison wetterbedingt ziemlich harzig verlaufen ist, locken jetzt noch einmal Traumverhältnisse. Dafür verlängerten einige Skigebiete wie Mörlialp, Brunni-Haggenegg oder die Mythenregion ihre Skisaison (siehe Kasten). Auf Anfrage ziehen die Skigebiete in der Zentralschweiz bereits eine erste Bilanz der Skisaison. Für die meisten war es milde ausgedrückt kein optimaler Winter.

Kein Wunder: Im Dezember und Januar waren die Hänge grün, und die hohen Temperaturen liessen keine künstliche Beschneiung zu. Im Februar fielen endlich die dicken Flocken vom Himmel – dafür fehlten dann die sonnigen Tage. Erst jetzt im März scheinen Schnee und Wetter dem Gusto der meisten Ski- und Snowboardfahrer zu entsprechen – sofern sie die Bretter nicht schon versorgt haben.

Kleine Gebiete trifft es am härtesten

Von einem grossen Umsatzrückgang sind besonders die kleineren und tiefer gelegenen Skigebiete wie Seebodenalp oder Mörlialp betroffen. Etwas kleinere Verluste verzeichnet etwa Engelberg. Aber nicht alle Skigebiete schneiden schlecht ab: Das Hoch-Ybrig erzielte sogar höhere Einnahmen als im Vorjahr. Die meisten hoffen nun auf ein gutes Ostergeschäft, um den Umsatz um ein paar Prozentpunkte zu erhöhen.

Kein Franken an Weihnachten

In Marbach-Marbachegg liegt der Winterumsatz um 40 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. «Wegen des Schneemangels kam ein gewisser Leidensdruck auf», sagt Stefan Wittwer, Leiter Betrieb und Technik der Marbach-Bahnen. Das Gebiet Brunni-Haggenegg (bis 1500 m) verzeichnet einen um etwa 20 Prozent tieferen Umsatz als im Vorjahr. «Die vorherige Saison war aber auch bereits um einiges schlechter als die Saison 2013/14», sagt Geschäftsführer Urs Birchler. Grund für die tiefen Einnahmen sei vor allem das nicht vorhanden gewesene Weihnachtsgeschäft. Wegen des Schneemangels nahm das Skigebiet bis zum 6. Januar keinen Franken ein, so Birchler.

Auch im Skigebiet Küssnacht am Rigi-Seebodenalp (bis 1225 m) ist der Pistenrettungschef Urs Keller enttäuscht von der Skisaison. «Mit 15 statt normalerweise 30 bis 40 Betriebstagen im ganzen Winter hatten wir eine schlechte Saison.» Die Anlagen im kleinen Skigebiet fahren vorwiegend an den Wochenenden und am Mittwochnachmittag. Im Dezember 2015 waren sie gar nicht in Betrieb.

Nur ein Tellerlift

Auf der Mörlialp (bis 1850 m) begann die Saison erst im Februar richtig. «Mit viel Aufwand konnten wir im Januar einen Tellerlift betreiben», sagt André Strasser, Verwaltungsratspräsident des Skigebiets. Das schlage sich auch in den Zahlen nieder: rund 10 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr und damit 15–20 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. «Es ist erstaunlich, dass der Rückgang nicht noch grösser ist», sagt Strasser. Erfreulich sei für ihn aber, dass, sobald der Betrieb offen war, mehr Besucher als sonst gekommen seien. Auf der Rigi (bis 1800 m) lief es ebenfalls nicht ideal: Laut Marcel Waldis, Vizedirektor der Rigi-Bahnen, begaben sich 5 Prozent weniger Gäste auf den Berg als in der Vorjahresperiode.

Skitouristen aus Euroraum fehlen

In den meisten grösseren Skigebieten sieht es nicht viel besser aus. In der Mythenregion (bis 1600 m) seien die Einnahmen ungefähr 12 bis 15 Prozent tiefer als im letzten Winter, sagt Geschäftsführer Toni Pfyl. «Insgesamt sind wir vom Winter enttäuscht.» Auch im höher gelegenen Skigebiet Andermatt –Gemsstock–Nätschen (bis 2961 m) lagen die Umsatzzahlen bis Ende Februar um rund einen Sechstel tiefer als im Vorjahr. Bei ihnen fehlten vor allem die Tagesgäste. Wegen des starken Frankens kamen aber auch weniger Touristen aus dem Euroraum, so Silvio Schmid, CEO der Skiarena Andermatt-Sedrun.

Etwas besser erging es den Skigebieten Engelberg-Titlis (3028 m), Hoch-Ybrig (1820 m) und der Melchsee-Frutt (2255 m). In Engelberg sei man mit einem Umsatzrückgang von nur 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr insgesamt zufrieden, sagt Marketingleiter Peter Reinle. «Damit sind wir noch gut im Fünfjahresdurchschnitt und dürfen deshalb nicht jammern», sagt er. Hauptgrund für die tieferen Einnahmen sei der Rückgang der chinesischen Gäste. Wegen der Anschläge in Europa und wegen verschärfter Visabestimmungen reisen weniger Chinesen zu uns (wir berichteten).

Für die Melchsee-Frutt war die Skisaison laut Geschäftsführer Daniel Dommann sogar sehr gut – angenommen das Ostergeschäft stimmt. Die Umsatzzahlen seien etwa auf dem gleichen Niveau wie letztes Jahr, welches bereits gut war. «Die vielen Schattenhänge auf der Frutt sind den Pistenverhältnissen dieses Jahr zugutegekommen», sagt er.

Bessere Bilanz durch Ostergeschäft

Als einziges der angefragten Skigebiete verzeichnet das Hoch-Ybrig höhere Umsatzzahlen. Laut Hoch-Ybrig-Chef Wendelin Keller sind die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent gestiegen. Wenn das Ostergeschäft gut laufe, könne das Plus sogar bei 5 bis 6 Prozent liegen. Als Grund für das gute Resultat nennt er die sehr hohe Anzahl Saisonkartenbesitzer (rund 4500). Die Vertreter der anderen Skigebiete hoffen selbstredend ebenfalls auf sonnige Festtage. Ivan Steiner, Leiter Marketing der Stoos-Bahnen: «Mit einem guten Osterwochenende könnten wir die Zahlen aus dem letzten Geschäftsjahr erreichen.»

Hier kann man noch Ski fahren

gjo. Einige Skigebiete haben ihre Saison bis nach Ostern verlängert. In diesen Zentralschweizer Gebieten sind die Anlagen noch offen: Brunni (bis 4. April), Mörlialp (28. März), Klewenalp– Stockhütte (3. April), Melchsee-Frutt (10. April), Engelberg-Titlis (22. Mai), Stoos (3. April), Mythenregion (28. März), Andermatt (24. April), Nätschen (28. März), Hoch-Ybrig (10. April), Sörenberg (3. April), Ibergeregg (28. März).

Saisonende ist bereits in den Gebieten Wirzweli, Engelberg-Klostermatte, Marbachegg.