BILDUNG: Gymnasiale Bildung: Eltern in der Pflicht

130 Personen aus dem Schweizer Bildungsbereich diskutierten in Schwyz über die gymnasiale Ausbildung. Die bürgerlichen Parteipräsidenten waren sich weitgehend einig.

Jürg Auf der Maur
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Ständeratspräsident Ivo Bischofberger (CVP/AI), CVP-Präsident Gerhard Pfister und FDP-Präsidentin Petra Gössi gestern in Schwyz. (Bild: Jürg Auf der Maur)

Ständeratspräsident Ivo Bischofberger (CVP/AI), CVP-Präsident Gerhard Pfister und FDP-Präsidentin Petra Gössi gestern in Schwyz. (Bild: Jürg Auf der Maur)

Jürg Auf der Maur

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

«Es ist keine Katastrophe, in eine öffentliche Schule zu gehen, und es ist keine Katastrophe, wenn das Kind nicht ins Gymnasium geht.» Das erklärte CVP-Präsident Gerhard Pfister gestern vor rund 130 Bildungspolitikern, Rektoren und Gymnasialschullehrern im Schwyzer Rathaus.

Unter der Leitung von Ivan Rickenbacher diskutierte er zusammen mit seinen Amtskollegen Petra Gössi (FDP) und Albert Rösti (SVP) über die Zukunft und den Stellenwert der gymnasialen Ausbildung. Hätte sich SP-Präsident Christian Levrat nicht krankheitsbedingt abmelden müssen, wäre die ganze «Elefantenrunde» in Schwyz gewesen. «Ihre Anwesenheit ist das Statement der Veranstaltung, nämlich dass die gymnasiale Ausbildung sehr wichtig ist», freute sich Marc König, Präsident der Konferenz Schweizerischer Gymnasialrektoren.

Braucht es neue Maturitätsquoten?

Mit den einzelnen Aussagen der Parteipräsidenten waren am Schluss aber nicht alle Rektoren zufrieden. Sie hätten lieber ein klareres Bekenntnis zur gymnasialen Ausbildung vernommen. «Ich höre vor allem ein Loblied auf das duale Bildungssystem und auf die Berufsausbildung», erklärte ein Rektor. Pfister wies aber darauf hin, dass mit dem Bekenntnis zur dualen Ausbildung auch ein Bekenntnis zum gymnasialen Weg geknüpft sei.

Gestreift wurden auch viele Probleme, die sich im Umgang mit Schülern und Eltern stellen. «Die Eltern sind das Problem», präzisierte Pfister und stellte die hohe Durchlässigkeit des Schweizer Systems in den Mittelpunkt. Rösti wiederum warnte: «Früher standen die Eltern hinter der Schule, heute je länger, je mehr nur noch hinter ihren Kindern.» Die Eltern müssten aufpassen, damit nicht das Milizsystem zu unterlaufen. Gössi wies auf einen weiteren Punkt hin, wenn es um die angestrebte Gesellschaftsreife der Schülerinnen und Schüler gehe. «Diese zu erreichen, ist nicht die Aufgabe der Schule, sondern diejenige der Eltern.»

Zu reden gab auch die zunehmende Akademisierung der Gesellschaft. Pfister warnte, die gleichen Fehler zu machen wie in Deutschland. Für Gössi sind die Maturitätsquoten «nicht entscheidend». Wichtig sei, was am Schluss herauskomme, das heisst, dass die Bildung so gut sei, dass die Universitäten ihre Qualitätsansprüche weiterhin umsetzen könnten und die Wirtschaft jene Leute bekomme, die sie brauche. «Entscheidend sind glaubwürdige Lehrpersonen. Ihre Vorbildfunktion ist wichtig», bilanzierte Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes.