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BILDUNGSKOSTEN: Was alles auf die Schulkosten schlägt

Die obligatorischen Schulen werden immer teurer — in allen Zentralschweizer Kantonen. Mit einer Ausnahme.
Niels Jost
Die obligatorischen Schulen werden immer teurer - auch in der Zentralschweiz. Im Symbolbild: Eine Lehrerin unterrichtet in einer Schule in Luzern. (Symbolbild/ Philipp Schmidli / Neue LZ)

Die obligatorischen Schulen werden immer teurer - auch in der Zentralschweiz. Im Symbolbild: Eine Lehrerin unterrichtet in einer Schule in Luzern. (Symbolbild/ Philipp Schmidli / Neue LZ)

Niels Jost

Im Kanton Luzern stiegen die Ausgaben für die Volksschulen in den letzten 20 Jahren von 500 Millionen Franken auf 800 Millionen– bei gleichbleibender Anzahl Schüler (Ausgabe vom 17. Oktober). Wie die Ausgaben künftig auf Kanton und Gemeinden aufgeteilt werden sollen, wird derzeit von der Regierung in einem Planungsbericht behandelt (Ausgabe vom Dienstag).

In den anderen Zentralschweizer Kantonen tragen meist die Gemeinden den Grossteil der Kosten. Wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt, ist erkennbar, dass die Ausgaben in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind. Die Anzahl der Schüler hat sich allerdings nicht stark verändert. Eine Übersicht.

Zug

10 800 Schüler besuchten im Kanton Zug 1997 die obligatorische Schule. Im abgelaufenen Schuljahr waren es 11 100 – ein Plus von knapp 3 Prozent. Wie den Jahresrechnungen zu entnehmen ist, stiegen die Ausgaben für die Volksschulen im gleichen Zeitraum um 86 Prozent: 1997 lagen sie bei 55,8 Millionen Franken, 2014 bei 103,9 Millionen. Bildungsdirektor Stephan Schleiss sagt: «Die Ansprüche der Bevölkerung an die Schulen steigen stetig.» So sei das Betreuungsangebot an Schulen viel ausgereifter, was sich auf die Kosten niederschlage. Angebote wie die Integrative Förderung oder die Tagesstrukturen erfordern mehr Personal – auch pro Klasse. «Diese Personalkosten machen den wesentlichen Teil der gesamten Bildungsausgaben aus», sagt Schleiss. Immobilien- oder Materialkosten fallen im Vergleich viel geringer aus.

Zudem werden im Kanton Zug die Klassen immer kleiner. Vor allem die Primarklassen schrumpften von durchschnittlich über 21 Schüler 1997 auf knapp 18 Schüler im vergangenen Jahr. Deshalb war in der Vergangenheit ein Kostenschub nach oben zu verzeichnen, so der Bildungsdirektor. Um die Bildungsausgaben besser zu koordinieren, wurden 2008 Normpauschalen eingeführt. Damit legt der Kanton Zug fest, wie viel er seinen Gemeinden pro Schüler zahlen muss.

Schwyz

Im Kanton Schwyz besuchten 2004/05 gut 17 550 Kinder und Jugendliche die Volksschulen, im vergangenen Schuljahr waren es 16 280 – das sind 7 Prozent weniger. Der Aufwand pro Schüler stieg im gleichen Zeitraum von rund 12 000 Franken(2005) auf 15 000 Franken (2014)– eine Zunahme von 25 Prozent. Die Anzahl der Schüler mit den Kosten über eine lange Zeitspanne zu vergleichen, sei sehr schwierig, sagt Urs Bucher, Vorsteher des Amts für Volksschulen und Sport. «Das Schulsystem ist ein komplexes Gebilde, das sich immerwährend im Wandel befindet. In den letzten 20 Jahren hat es sich fundamental verändert.» Die höheren Kosten seien auf die veränderten Rahmenbedingungen zurückzuführen: kleinere Klassen, mehr Integration, mehr Lehr- und Verwaltungspersonal. «Die Qualität und Professionalität hat sich erhöht – das hat seinen Preis», so Bucher.

Die abnehmenden Klassengrössen sind vor allem in den ländlichen, sehr kleinen Gemeinden auszumachen. Damit eine kleine Schule überleben kann, müssen Klassen zusammengelegt und mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichtet werden. Ein weiterer Grund für kleinere Klassen ist die Integration von lernschwachen und behinderten Schülern in den Regelunterricht. «Für die Lehrer bedeutet das einen beträchtlichen Mehraufwand, der in einer grossen Klasse schwieriger zu bewältigen ist», sagt Urs Bucher. Entsprechend sind die Kosten in der Vergangenheit gestiegen. Ebenso dazu beigetragen haben die Einführung einer Schulleitung im Jahr 2006 und die steigenden Lehrerlöhne.

Nidwalden

Die Nidwaldner Volksschulen zählten 2000/01 total 5014 Schüler, im letzten Schuljahr 4015 – das sind 20 Prozent weniger. Wie sich in diesem Zeitraum die Kosten entwickelten, kann der Kanton nicht sagen – dieAusgaben werden von den Gemeinden getragen. Nur bei den Sonderschulen beteiligt sich der Kanton. Patrick Meier, Vorsteher des Amtes für Volksschulen und Sport, sagt: «In den Volksschulen verzeichnen wir keine steigenden Kosten.» Nidwalden ist somit der einzige Zentralschweizer Kanton mit konstanten Ausgaben für die Volksschulen. Der Grund: «In Nidwalden gab es in den vergangenen Jahren keine grösseren Schulreformen», so Meier. Die grösste Veränderung sei im Schuljahr 2008/09 durch die Einführung des zweiten Kindergartenjahres zu verzeichnen gewesen. Seither steigt die Anzahl Kindergärtler wieder an – generell nehmen die Klassengrössen aber ab. Auch die Schulabteilungen sind in Nidwalden klein. Patrick Meier: «Vor allem in kleinen Schulgemeinden wird deshalb schon seit Jahren die Einführung von Klassen mit mehreren Jahrgängen praktiziert.»

Obwalden

In Obwalden zählten die Volksschulen 1995/96 noch gut 4250 Schüler, im letzten Schuljahr 3640. Schwankungen einzelner Jahrgänge, etwa durch den Zuzug neuer Familien, gebe es allerdings, so Peter Lütolf, Leiter des Amts für Volks- und Mittelschulen. Wie stark die Ausgaben für die Volksschulen in diesem Zeitraum zunahmen, kann der Kanton nicht sagen, weil die effektiven Kosten von den Gemeinden getragen werden. Einen Anhaltspunkt liefert die Entwicklung der durchschnittlichen Schülerkosten, die sogenannten Normkosten pro Gemeinde. Ein Beispiel: Im Jahre 2009 beliefen sie sich für einen Oberstufenschüler durchschnittlich auf gut 14 670 Franken und 2014 nur noch auf 9060 Franken, während ein Kindergärtler in den beiden Jahren 5290 beziehungsweise 5500 Franken kostete und somit leicht teurer wurde. «Solche Schwankungen entstehen, wenn in einem Jahr etwa hohe Investitionen wie Schulhausbauten getätigt werden, die im Folgejahr wieder wegfallen», so Lütolf. Höhere Normkosten sind auch dann festzustellen, wenn aufgrund kleiner Jahrgänge die Klassengrösse vorübergehend abnimmt.

Uri

Die Schülerzahlen in der Primar- und Oberstufe sind im Kanton Uri rückläufig. Eine Ausnahme ist der Kindergarten: Aufgrund der Einführung des Zweijahreskindergartens in fast allen Gemeinden nehmen hier die Schülerzahlen seit 2011 wieder zu. Insgesamt besuchten vor 10 Jahren gut 4710 Schüler die Volksschulen, im vergangenen Schuljahr 4140 – eine Abnahme von 12 Prozent. Das hänge in erster Linie mit dem Geburtenrückgang zusammen. «Seither haben sich die Rahmenbedingungen für das Schulsystem wegen der Neugestaltung des Finanzausgleichs im Kanton Uri grundlegend verändert», sagt Peter Horat, Direktionssekretär des Bildungs- und Kulturdepartements. «Die Kosten für die Volksschulen sind im Vergleich zu früher gestiegen.» 2014 beliefen sie sich auf 63,4 Millionen Franken, ohne die Abschreibungen der Schulhäuser und die kantonale Verwaltung. Das sind 6,3 Millionen mehr als 2006. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Pensen der Schulleitungen und Löhne der Kindergartenlehrpersonen wurden erhöht, ein Qualitätsbeauftragter eingeführt und der Unterricht im Kindergarten und der Primarstufe mit Blockzeiten geregelt. Ebenso wurde das Angebot der Integrativen Förderung ausgebaut. Seit 2008 haben im Kanton Uri die Gemeinden eine grössere Entscheidungsfreiheit im Schulwesen, etwa bezüglich der Auslastung der Klassen. Seither gilt die Pauschalsubventionierung.

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