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BILLETTE: Skigebiete sind mit Swiss Pass unzufrieden

Der vor gut zwei Jahren von den SBB eingeführte Swisspass verursacht nach wie vor Probleme – das bestätigen Zentralschweizer Skigebiete. Einige verzichten sogar ganz darauf, das rote Kärtchen als Datenträger für Tageskarten zu verwenden.
Eine Wintersportlerin mit ihrem Swiss Pass auf der Piste. (Bild: Manuela Jans-Koch (Engelberg, 21. Dezember 2017))

Eine Wintersportlerin mit ihrem Swiss Pass auf der Piste. (Bild: Manuela Jans-Koch (Engelberg, 21. Dezember 2017))

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Der Swiss Pass muss seit seiner Geburtsstunde am 1. August 2015 Prügel einstecken. Skrupellos seien mit dem neuen roten Kärtchen der SBB Daten gesammelt worden, das Konzept sei nicht durchdacht, hiess es. Dar­über hinaus gab es Kritik, dass das Kärtchen jedes Mal vom Kondukteur gescannt werden muss – auch wenn es als Generalabonnement genutzt wird. Das sei viel unpraktischer als früher. Der wohl grösste mediale Schlag ins Gesicht kam schliesslich vom «Tages-Anzeiger», welcher den Nachfolger von GA und Halbtax im April 2016 «hassenswert» nannte. «Tod und Hass dem Swiss Pass», titelte die Zeitung in bester Boulevardmanier.

Die Hiobsbotschaften für die SBB hörten auch nach der Einführungsphase nicht auf. So wurde Anfang Jahr bekannt, dass der kreditkartenförmige Swiss Pass garstige Kälte teilweise nicht erträgt. Diversen Besitzern sei die Karte beim Skifahren in eisigen Temperaturen zerbrochen, berichtete FM1 Today. Sie hatten die Karte als Datenträger für ihre Skitageskarte verwendet. Diese Funktion war seinerzeit von den SBB als einer der grossen Vorteile des roten Abokärtchens angekündigt worden. So müsse man künftig keine Karte der Skigebiete mehr erwerben, die Tages­karte könne direkt auf den Swiss Pass geladen werden. Die Bundesbahnen erwiderten auf die Probleme, es gebe keine Hinweise auf ein erhöhtes Bruchrisiko in der Kälte.

Tageskarten nicht mehr auf dem Swiss Pass

Wie dem auch sei: Die Probleme sind nach wie vor nicht ausgestanden. Wie unsere Zeitung weiss, haben einige Zentralschweizer Skigebiete Probleme mit dem Swiss Pass festgestellt, wenn dieser als Datenträger für die Skitageskarte verwendet wird. Das Skigebiet Hoch-Ybrig im Kanton Schwyz etwa verzichtet auf den Swiss Pass. «Wir laden die Tageskarten nicht mehr darauf», erklärt Annemarie Cavelti vom Skigebiet. Kunden, welche dies tun möchten, wird stattdessen ein Einwegbillett ohne Depot zur Verfügung gestellt. Das Problem: Wenn der Datenträger des Swiss Pass voll sei, könnten die alten vorhandenen Daten nicht gelöscht werden. Darum sei das Laden einer neuen Tageskarte auf den Swiss Pass oftmals unmöglich. «Wir haben das letztes Jahr festgestellt, und das Problem besteht nach wie vor.»

Auch im Skigebiet gleich nebenan hat man keine Lust auf das Kärtchen der SBB: «Uns sind Vorfälle von anderen Bergbahnen bekannt, weshalb wir den Gästen empfehlen, eine Karte von uns zu verwenden», erklärt Irina Vogler, die für das Marketing der Mythen-Region oberhalb von Schwyz zuständig ist. Sie spricht damit die zerbrochenen Karten bei sehr kalten Temperaturen an. Zwar seien im Gebiet noch keine schlechten Erfahrungen mit dem Swiss Pass gemacht worden, doch «wollen wir Diskussionen mit unseren Gästen bei allfällig auftretenden Problemen vermeiden und ihnen einen reibungs­losen Skitag ermöglichen».

Nicht nur im Kanton Schwyz wird die Entwicklung kritisch verfolgt. Auch die Bergbahnen Sörenberg beklagen sich über Probleme – wenn auch über andere: Otto Jenni, Leiter Administration, erklärt, dass die Tageskarte von den Geräten im Ski­gebiet oft nicht erkannt werde, wenn ein Kunde diese online gekauft und auf den Swiss Pass geladen habe. «Vor allem in den vergangenen Tagen hatten wir Probleme damit.» Er fügt an, dass dies nicht an den Geräten und Drehkreuzen der Bergbahnen liege, sondern am Swiss Pass. «Das bedeutet für uns einen Mehraufwand und muss von den SBB verbessert werden.» Zwar würden nicht viele Kunden darunter leiden, da der Swiss Pass nur selten als Datenträger für Tageskarten verwendet werde, trotzdem sei die Situation «nicht zufriedenstellend».

In Engelberg sind ebenfalls Probleme aufgetreten. So dauere es länger, bis die Geräte den Swiss Pass lesen könnten, erklärt Marketingleiter Peter Reinle. Dies im Vergleich zu herkömmlichen Karten. «Mit unseren Karten funktioniert das Drehkreuz besser.» Den Swiss Pass müsse man eine Sekunde ruhig an den Leser halten, was weniger komfortabel sei. Deswegen empfiehlt das Ski­gebiet Engelberg-Titlis seine eigenen Karten, die für ein Depot von 5 Franken erhältlich sind.

In den Skigebieten Andermatt-Sedrun und Stoos hat es gemäss Auskunft bis anhin keine Probleme gegeben.

Probleme im «absoluten Promillebereich»

Mit den Vorwürfen konfrontiert, schreiben die SBB, dass es in der Tat Kartenbrüche gegeben habe. «Seit November 2017 sind uns zehn Fälle bekannt.» Bei 3,12 Millionen im Umlauf stehenden Swiss-Pass-Karten entspreche dies 0,00032 Prozent aller Karten. Zudem würden zerbrochene Karten kostenlos ersetzt. Bezüglich Speicherplatz auf dem Da-tenträger sagt Mediensprecher Christian Ginsig, dass der Swiss Pass mit «beiden auf dem Skimarkt üblichen Technologien ausgestattet» sei. Der Datenträger habe – wie alle Skidatenträger – einen beschränkten Speicherplatz. Aber es gebe die Möglichkeit, am Schalter abgelaufene Billette manuell vom Swiss Pass zu löschen. Zudem würden alte Skibillette automatisch von der Karte gelöscht, wenn ein Kunde ein Drehkreuz passiere. Davon hätten auch die Bergbahnen Kenntnis.

Punkto Leseproblemen an Drehkreuzen teilen die SBB mit, dass «vereinzelte Fälle» bekannt seien, bei welchen die Leistung nicht korrekt ans Drehkreuz übermittelt worden sei. Der Kunde müsse bei einem solchen Fall mit dem Swiss Pass zuerst an den Schalter gehen. «Im Vergleich zur Anzahl der Kartenladungen bewegt sich diese Zahl gegenüber korrekten Ladungen im absoluten Promillebereich», erklärt Christian Ginsig. Weiter führt er aus, dass es an den Drehkreuzen zu einer «leichten Verzögerung im Sekundenbereich» kommen könne, wenn man ein erstes Mal in einem Skigebiet mit dem Swiss Pass unterwegs sei.

Generell entgegnen die SBB, dass sich die Zahl der Benutzungen des Swiss Pass für der Aufladung von Skitageskarten und Abonnementen gegenüber der Saison 2015/16 vervierfacht habe. «Der Onlinekauf von Pässen ohne Anstehen an der Kasse wird sehr geschätzt.»

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