Bis zu 800 neue «Sozialfälle» sind möglich

Mit dem neuen Regime der Arbeitslosenversicherung könnten in der Zentralschweiz gegen 800 Arbeitslose zusätzlich ausgesteuert werden. Davon entfallen allein rund 500 auf den Kanton Luzern. Allerdings handelt es sich bei diesen Zahlen um ein Worst- Case-Szenario.

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Viele Arbeitslose laufen Gefahr ausgesteuert zu werden. (Bild: Pius Armein/Neue LZ)

Viele Arbeitslose laufen Gefahr ausgesteuert zu werden. (Bild: Pius Armein/Neue LZ)

Laut Hans Hofstetter von der Dienststelle Wirtschaft und Arbeit des Kantons Luzern rechne man im schlimmsten Fall mit 500 Ausgesteuerten, etwas mehr als 10 Prozent. 60 bis 70 Prozent davon entfielen auf die Stadt Luzern und die Agglomerationsgemeinden Emmen und Kriens. Hofstetter betont jedoch, dass lange nicht alle von diesen Personen Sozialhilfe benötigen. Die Zahlen seien deshalb mit Vorsicht zu geniessen, sagt Daniel Wicki von der Dienststelle Soziales. Die könnten schon morgen wieder ganz anders lauten. Unter den auf den 1. April Auszusteuernden dürften viele noch eine Stelle finden.

Ob- und Nidwalden

Obwalden und Nidwalden betreiben gemeinsames ein RAV und rechnen gesamthaft mit rund 50 zusätzlich ausgesteuerten Personen. Rund ein Drittel davon dürfte zu Sozialfällen werden. Dies sei jedoch ein theoretischer Wert, sagt Markus Marti, Leiter des Obwaldner Amtes für Arbeit. Entscheidend sei, so Marti, ob es sich bei den zusätzlich Ausgesteuerten um jüngere Personen handelt, die möglicherweise wieder Arbeit finden, oder um ältere. Bei den finanziellen Auswirkungen sei entscheidend, wie sich die Fälle auf die Gemeinden verteilen, denn diese sind zuständig für die Sozialhilfe.

Schwyz und Uri

Im Kanton Schwyz wird die Zahl der zusätzlich Ausgesteuerten auf 60 bis 100 geschätzt, rund 20 bis 30 Prozent dürften Sozialfälle werden. Die definitive Zahl hänge stark davon ab, wieviele im Verlaufe des Februar und März noch Arbeit finden, sagt Hubert Helbling, Leiter Amt für Arbeit des Kantons Schwyz. Im Kanton Uri wird die Zahl der Ausgesteuerten sehr klein sein, da 75 Prozent der Arbeitslosen weniger als sechs Monate ohne Beschäftigung sind. Uri hat zudem auch eine der tiefsten Arbeitslosenquoten der Schweiz, wie Josef Baumann, Leiter Abteilung öffentliche Arbeitslosenkasse Uri, darlegt.

Zug

Carla Dittli, Stellvertretende Amtsleiterin Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) Zug, rechnet, dass am 1. April rund 100 Personen zusätzlich ihren Taggeldanspruch ausgeschöpft haben. Nach bisherigen Erfahrungen dürften etwa zwei Dritten der Ausgesteuerten Anträge auf kantonale Arbeitslosenhilfe stellen. Die Zahl der Personen, die zusätzlich Sozialhilfe beanspruchen müssten, dürfte laut Schätzungen bei 30 liegen. Im Kanton Zug sind wegen der AVIG-Revision keine zusätzlichen Stellen bei den Sozialdiensten nötig. Alle anderen Ämter können den Mehraufwand ebenfalls ohne zusätzliche Stellen bewältigen.

sda/zim