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Boccia – aus dem Ferienspass wird sportliche Herausforderung

Das italienische Boccia ist einfach zu spielen. Allerdings ist es in den Ferien am Strand eine andere Geschichte als auf einer Bahn im Bocciodromo in Luzern. Ein Selbstversuch an beiden Spielstätten zeigt: Auch ohne Talent macht es Spass – mehr oder weniger.
Roger Rüegger
Reporter Roger Rüegger lässt sich von Expertin Rita Brönnimann im Bocciodromo auf der Allmend den Boccia-Sport erklären. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. September 2018))

Reporter Roger Rüegger lässt sich von Expertin Rita Brönnimann im Bocciodromo auf der Allmend den Boccia-Sport erklären. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. September 2018))

Leicht nach vorne gebückt, mit konzentriertem Blick lässt Diego seine Spielkugel aus der Hand gleiten. Die andere Hand umschliesst ein Tuch, mit dem er sein Spielgerät vor jedem Abspiel reinigt. Die Kugel scheint nach wenigen Metern stillzustehen. Doch sie rollt langsam weiter in Richtung Pallino, der kleinen roten Setzkugel. Der Spielzug ist nicht perfekt, Diego macht sich mit einer Bemerkung Luft: «Ich hasse diese kurzen Distanzen.»

Die vier Bahnen im Bocciodromo Allmend Luzern sind mittwochs gut belegt. Mir ist allerdings nur das Sand-, Wald- und Wiesen-Boccia bekannt. Während meiner Sommerferien an der Adria hatte ich die Strandversion kennen gelernt. Ein Einheimischer hatte mich an einem Nachmittag überredet, an einem Turnier teilzunehmen. Wir spielten im Sand. Meinen ersten Wurf honorierten die anderen Spieler, alle Italiener mit zusammen gut 300 Jahren Boccia-Erfahrung, mit nettem Applaus. Dann setzte mein Gegenspieler, ein Lino aus Mailand, eine perfekte Kugel nach der anderen.

Als Punktelieferant ein gern gesehener Gegner

Ich kannte weder die sportlichen noch die gesellschaftlichen Regeln. So erschien ich am nächsten Morgen nicht am Strand. Hätte ich aber sollen, denn ich war für «una Partita» eingetragen, wie man mir mitteilte. Da ich kein italienisch kann, begriff ich nicht ganz, was ich verbrochen hatte. Die Italiener, sonst locker drauf, waren grollig, weil «il Svizzero» ihre Regeln nicht beachtete. Vermutlich kann man gemäss diesen gegen schwache Spieler Punkte sammeln. Auf mein Erlebnis, das ich in einer Kolumne festhielt, reagierte die Luzerner Boccia-Kundige Rita Brönnimann mit einer Einladung zu einem Training: «Damit Sie bei Ihren nächsten Ferien an der Adria bei den einheimischen Boccianern brillieren können, lade ich Sie sehr gerne zu einigen Schnupperstunden mit Regelkunde bei uns auf der Allmend ein.» Rita Brönnimann ist Vorstandsmitglied der Dachorganisation der Boccia-Clubs FCL, LSC und VBL. Die 73-jährige ist seit über 10 Jahren in der Sektion Boccia des FCL aktiv.

Da ich wieder nach Italien fahren werde, nahm ich die Einladung an. Gemeinsam mit Fotograf Pius Amrein versuchte ich mich in dem Spiel. Zuerst beobachten wir die Gruppe Männer, welcher der eingangs erwähnte Diego angehört. Die Unterschiede zum Spiel in Italien: Während am Strand die Kugeln fliegen, rollen sie auf der Allmend präzise auf einer harten Bahn. Gemeinsamkeit: Man duzt sich. Die sechs Männer spielen ohne viel Worte. Die Männer spielen zwar aus Spass, aber gelacht wird kaum. Dafür geben sie einander Anweisungen. Ähnlich wie beim Curling. Einer mit Namen Peter sagt: «Es geht zwar um nichts, aber man will ja gewinnen.» Es scheint, dass seine Mannschaft die andere deklassiert, denn sie schreiben in einem Durchgang sechs Punkte, das Maximum. «Es zählen nur die Kugeln einer Mannschaft, die dem Pallino am nächsten sind. Ein Spiel endet, wenn eine Mannschaft 12 Punkte erreicht», erklärt Rita die Regeln.

Kommentar zur ersten Kugel: «Der verhungert!»

Danach sind Pius und ich dran. Rita instruiert: «Die flache Hand in Richtung Pallino halten beim Abspielen», mahnt sie. Tatsächlich rollt meine Kugel in Richtung des kleinen Balls. Allerdings bleibt diese, anders als bei Diego, tatsächlich zu früh stehen. Kaum habe ich die Kugel aus der Hand gelassen, erkennt Rita: «Der verhungert!» Ein zweiter Versuch mit mehr Elan misslingt auch. Die Kugel schlägt am Ende der Bahn auf. Die nächsten sind nicht mehr ganz so daneben. Mein Ziel, in den nächsten Italienferien zu brillieren, wird sicher nicht erreicht. Im Gegenteil, die Bocciaspieler in Luzern nehmen mir jede Hoffnung.

Und dann ist ja noch Pius. Anfänger wie ich. «Er hat eine gute Hand», attestiert ihm Rita nach dem ersten Abspiel. Tatsächlich scheinen ihm die Kugeln zu gehorchen. Sie bleiben unverschämt nahe am Pallino liegen. Immerhin gelingt es mir, zwei seiner Kugeln mit Würfen wegzuschlagen. Wobei ich diese nicht korrekt abgegeben habe. «Die müssen beim Raffa hinter der blauen Linie die Bahn berühren», erklärt Rita. Dass es sportlich keine Offenbarung werden würde, war absehbar. Aber Ritas Fazit schmerzt doch sehr: «Bei Pius schlummert mehr Talent als bei dir», sagt sie zum Abschied. Da spiele ich lieber bei den Italienern. Die besiegen mich zwar. Aber deren Kritik verstehe ich nicht.

Luzern mit 10 Boccia-Clubs

Boccia ist in der Schweiz eine Randsportart. Dem Schweizerischen Bocciaverband sind 95 Clubs angeschlossen. Am populärsten ist das Spiel im Tessin, wo 31 Clubs eingetragen sind. In Luzern gibt es 10 Clubs, in der Stadt wird in vier Spielstätten gespielt. Viele Bocciabahnen können gemietet werden. Inklusive Spielleiter für Einführung und Betreuung kosten auf der Allmend vier Stunden 120 Franken.

Die Regeln sind auf den ersten Blick einfach. Gespielt wird auf einer Bahn von 26,5 Metern Länge. Diese ist in Sektoren eingeteilt. Es punktet der Spieler (oder das Team), dessen Spielkugel der Setzkugel (Pallino) am nächsten ist. Anders als am Strand dürfen die Kugeln beim Boccia auf der Bahn von der gegnerischen Kugel nicht zu weit weggestossen werden. So darf der Pallino oder eine Spielkugel eines anderen Spielers nicht mehr als 70 Zentimeter verschoben werden. (rgr)

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