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BOSWIL: Jungtalente auf Tour

Das Jugendorchester Freiamt bringt Emotionen auf die Bühne – musikalisch und menschlich. Denn die ersten Schritte sind die schwersten.
Das Jugendorchester Freiamt spielt das Programm «Les Passions de l’âme» in der Alten Kirche Boswil. (Bild: Stefan Kaiser (24. November 2017))

Das Jugendorchester Freiamt spielt das Programm «Les Passions de l’âme» in der Alten Kirche Boswil. (Bild: Stefan Kaiser (24. November 2017))

Das Jugendorchester Freiamt ging vergangenes Wochenende mit seinem neuen Programm «Les Passions de l’âme» auf Tournee und präsentierte Emotionen und Affekte in verschiedenen stilistischen Gewändern. Die Motive Würde, Freude und Anmut etwa vertonte es im barocken Kleid von Georg Philipp Telemanns «Heldenmusik».

Die jungen Streicher wiegen sich in den auf- und absteigenden Treppchen der in Variation wiederholten Motive und wachsen als Gruppe zu einem vielschichtigen Eigenleben zusammen. Die Wut kommt in moderner Dissonanz von Henryk Mikolaj Górecki. Hier lässt der angehende ­klassische Streicher mal richtig Dampf ab. Der Grundteppich des Arrangements fügt sich aus energischem Gleichschritt der Celli, Bratschen und des Kontrabass über die auf einem Ton gehaltenen, stetigen Viertel. Im Staccato sägt sich die junge Truppe durch das Stück, während oben die Geigen wie wild fliegende Späne dissonante und kontraintuitiv phrasierte Kapriolen schlagen. «Endlich dürfen sie mal wütend sein. In unserer Gesellschaft darf man das ja nicht. Hier bei uns zum Glück schon.» Anne-Cécile Gross ist die Leiterin und Dirigentin des Orchesters und versucht aus ihren jungen Mitmusikern, lebendige Musik herauszukitzeln.

Egal, ob Profi oder Anfänger

Gross arbeitet auch mit verschiedenen professionellen Orchestern und Kammermusik-Ensembles zusammen. Tiefgreifende Unterschiede sieht sie zwischen ihrer Arbeit mit Laien und professionellen Musikern aber nicht: «Die einen lernen schneller als die anderen, haben mehr technische Raffinesse. Ich versuche aber die Musiker dahinzubringen, dass sie ein Stück von sich selbst in ihre Musik hineinlegen. Sich selbst zu zeigen, fällt immer schwer. Egal, ob Profi oder Anfänger.» Da steht dem Virtuosen die eigene Technik vielleicht sogar im Wege. Der Mensch mit Ecken und Kanten versteckt sich hinter der glatten Technik. «Wir haben mit diesem Orchester Aufnahmen gemacht, die manchem professionellen Orchester das Wasser reichen können.» Gross steht mit viel Leidenschaft hinter ihren Jugendlichen. Das merkt man auch am familiären Umgang, der die Gruppe durchwirkt.

Gestützte erste Schritte

2015 rief Gross das Projekt «Jugend Orchester Future», kurz «JOFuture», ins Leben und gibt seither jungen Ausnahmetalenten eine Plattform, als Solisten oder Komponisten zusammen mit einem Orchester spielen zu können. «Als junger Solist ist es einerseits sehr schwierig, überhaupt die Gelegenheit zu haben, mit einem Orchester spielen zu können. Andererseits ist es eine enorme menschliche und musikalische Herausforderung, in ­diese Rolle hineinzuwachsen.» Gross versucht, junge Talente auf diesem Weg zu unterstützen. Dieses Jahr arbeitete sie mit dem 12-jährigen Trompetisten Ganvai Friedrich zusammen, der sich für Telemanns «Heldenmusik» interessiert.

Vor gefülltem Saal spielt er am Freitag sein erstes Konzert als Solist mit Orchester in der Alten Kirche in Boswil. In klarem und konzentriertem Spiel führt er den Zuhörer durch die Kompositionen von Telemann. Die Nervosität der Premiere merkt man ihm noch an. Dass in diesen Fingern Potenzial schlummert, aber auch. «Ich bin wohl ganz zufrieden mit dem Abend», meint er nach dem Konzert zaghaft. Dabei hätte er allen Grund der Welt, stolz auf sich zu sein. «Der Druck, die Nervosität, die selbstkritische Stimme im Kopf – diese ersten Schritte sind eine schreckliche Herausforderung», weiss Gross aus eigener Erfahrung. «Ich bin deshalb sehr stolz auf Ganvai und mein ganzes Orchester. Die ganze Truppe ist einfach wundervoll, und ich liebe die Arbeit mit ­ihnen!» Die beiden darauffolgenden Abende spielte das Jugendorchester Freiamt noch in Widen und Baden. Jedes Semester realisiert die Gruppe ein neues Programm und geht damit im Freiamt und darüber hinaus auf Tour. Nächstes Jahr plant Gross die ­Uraufführung von Werken der jungen Komponistin Joseba ­Zbinden, die sie im Rahmen des ­«JOFuture» unterstützen will.

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

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