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BOSWIL: Neun Tage im Schlaraffenland der Klänge

Das Klassikfestival «Boswiler Sommer» steht unter dem Motto «Delikatessen». Der musikalische Leiter Andreas Fleck erzählt von speziellen Gästen und feinen Leckerbissen, die er dem Publikum auftischen wird.
Cornelia.bisch@zugerzeitung.ch
Für Andreas Fleck stellt sich ohne hausgemachten Sonntagszopf kein richtiges Weekend-Feeling ein.

Für Andreas Fleck stellt sich ohne hausgemachten Sonntagszopf kein richtiges Weekend-Feeling ein.

Wer von den Köstlichkeiten des Boswiler Sommers naschen wolle, brauche sich keine Gedanken um seine Linie zu machen, verspricht der künstlerische Leiter Andreas Fleck im Programmheft. Für die neun Festivaltage vom 1. bis 9. Juli hat er gemeinsam mit Künstlern aus aller Welt ein exquisites Programm zusammengestellt. «Musik ist per se ein Schlaraffenland von Delikatessen, man muss nur auswählen», stellt er fest. «Interpreten sind viel überzeugender, wenn sie sich mit ihren eigenen Vorlieben auseinandersetzen dürfen. Am Boswiler Sommer wird von mir ein Rahmen abgesteckt, in welchem sich die Musiker entfalten können.» Jeder von ihnen stellt im Programmheft auch seine Lieblingsspeise vor, eine nicht minder kontrastreiche Palette. Produkte aus der Haute Cuisine sind ebenso vertreten wie die einfache Milchschoggi oder gewöhnlicher Knoblauch. Schlichtes und Opulentes für Magen und Gehör am Boswiler Sommer.

Neben den Festival Artists, dem Klarinettisten Sebastian Manz und dem Flötisten Henrik Wiese, die beide praktisch nonstop auf der Bühne stehen, werden auch Special Guests und besondere Entdeckungen vorgestellt. «Mir fällt gerade auf, es sind fünf Männer und eine Frau. Das ist in Sachen Gender schon beinahe inkorrekt», sagt Fleck bedauernd. «Aber die Wahl fällt in erster Linie auf starke Persönlichkeiten, egal welchen Alters und Geschlechts», betont er. «Boswil ist ein Entdecker-, kein Förderfestival. Alle teilnehmenden Musiker sind bereits sehr ­erfolgreich. Dabei stehen die Festival Artists im Fokus.» Die Entdeckungen Jonian Kadesha (Violine) und Anastasia Kobekina (Cello) seien vielleicht in der Schweiz noch kaum bekannt, würden aber am Ende viele neue Fans haben, ist Fleck überzeugt. «Die Special Guests schliesslich tauchen nur einmal kurz auf. Der Pianist Tzimon Barto hat den vielleicht zartesten Anschlag auf dem Klavier, der überhaupt denkbar ist. Gábor Takács ist einer der faszinierendsten Dirigenten, ohne ein typischer Dirigent zu sein.»

Zusammenhänge und Kontraste

Der Cellist Andreas Fleck überlässt nichts dem Zufall. Bei der Programmzusammenstellung folgt er seinem ganz persönlichen Erfolgskonzept: Komponisten, Werke und Interpreten stehen in Bezug zueinander und schlagen einen Bogen zum Festivalthema. Starke, reizvolle Kontraste zwischen alter und zeitgenössischer Musik sorgen für Spannung und Abwechslung. «In der Matinee am Sonntag, 2. Juli, trifft in unterschiedlichen Werken jeweils ein Streichinstrument auf die Basler Madrigalisten. Das sind betörend schöne Stücke in einem Kontext, der extrem selten ist und den Musikern eine wunderbare Plastizität ermöglicht», führt Fleck aus. «Im Konzert vom 6. Juli geht es von original Mozart zu ‹Mozart in China› über, einem zeitgenössischen Werk von Daniel Schnyder.» Mehr will er dazu nicht sagen. «Es macht mehr Sinn, Kontexte tatsächlich zu erleben, anstatt sie im Textheft oder Titel herauszustreichen.» Und welches Konzert sollte man ganz bestimmt nicht verpassen? «Das ist die jeweils schwierigste Frage.Man verpasst ohnehin immer etwas ganz Besonderes. Ich kann nur versprechen: Die Neugier, Unbekanntes am Festival zu hören, wird ganz bestimmt belohnt. Es ist wie mit Delikatessen aus anderen Kulturen und Ländern, die man zu häufig nicht probiert.» Selbst steht Andreas Fleck als Cellist des Casal-Quartetts und der Chamber Artists ebenfalls auf der Bühne. «Um mich persönlich geht es aber zuletzt», winkt er bescheiden ab. «Es ist jeweils meine fünfte Jahreszeit, super intensiv, und ich darf auf die eine oder andere Art bei etwa der Hälfte der Konzerte mitwirken.»

Der künstlerische Leiter besucht die Festivalmusiker jeweils persönlich und fertigt bei dieser Gelegenheit eigenhändig die Programmbilder von ihnen an. Dabei erlebt er sie in ihrer eigenen Umgebung und weiss manch amüsante Anekdote zu erzählen. «In Berlin lief ich im strömenden Regen immer wieder am richtigen Haus vorbei, in Hamburg lernte ich, dass sich Whiskyflaschen als Perkussionsinstrumente bestens eignen, und in Zürich artete das Fotoshooting in einem Testessen von Macarons aus.» Nach dem letztjährigen Festival machte sich Fleck Sorgen darüber, dass dieses kaum mehr zu toppen sei. Solcherlei Kummer ist nun vergessen: «Man muss ja mit grösster Überzeugung in all diese Neuproduktionen gehen, sonst wird ein Festival nicht das rauschende Fest, das es sein soll. Musik ist für den Moment, und in diesem geht es um alles, auch dieses Jahr.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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