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BRAUCHTUM: Jetzt soll es «Klausjägerinnen» geben

Das Klausjagen in Küssnacht – seit jeher eine reine Männersache. Das soll sich nun ändern: Die Aufnahme von Frauen wird gefordert. Der offizielle Antrag weckt «alte Geister».
Ob als Träger der leuchtenden Infuln (Bild), als Trychler, Geisslechlepfer, Hornbläser oder Musikant, das Küssnachter Klausjagen ist Männern vorbehalten. (Bild Nadia Schärli)

Ob als Träger der leuchtenden Infuln (Bild), als Trychler, Geisslechlepfer, Hornbläser oder Musikant, das Küssnachter Klausjagen ist Männern vorbehalten. (Bild Nadia Schärli)

Yasmin Kunz

Juri Dossenbach aus Küssnacht am Rigi will mit der Tradition brechen. Künftig sollen neu auch Frauen am Klausjagen teilnehmen können. Das verlangt der 23-jährige Klausjäger in einem Anfang November eingereichten Antrag an die Küssnachter St.-Niklausen-Gesellschaft. Bisher war der Brauch, der das Ziel hat, mit Lärm die Wintergeister zu vertreiben, den Männern vorbehalten. So ist es denn auch in den Statuten der St.-Niklausen-Gesellschaft festgehalten. Dort steht: «Die Aktivmitgliedschaft steht jedem männlichen Einwohner von Küssnacht, der das 16. Altersjahr zurückgelegt hat, offen.»

«Traditionen muss man anpassen»

Dass an diesem Brauchtum nur Männer aktiv teilnehmen dürfen, ist historisch bedingt, erklärt René Räber. Er präsidiert seit 2005 den mit rund 1600 männlichen Mitgliedern grössten Küssnachter Verein. Räber will Juri Dossenbachs Antrag, über den der «Freie Schweizer» berichtete, nicht kommentieren und sagt nur: «Meine Meinung ist irrelevant. Die Generalversammlung wird am 27. November in demokratischer Ausmarchung über den Antrag befinden.»

Warum will Dossenbach, der an der Universität Luzern Geschichte- und Politik studiert, mit der alten Tradition brechen? «Ich mache die Tradition nicht kaputt, sondern finde, dass man Traditionen der heutigen Zeit anpassen muss.» Der in Küssnacht aufgewachsene Dossenbach ist seit dem 16. Altersjahr ein Klausjäger. Er sagt: «Mir gefällt dieses Brauchtum sehr gut.» Schon als Schuljunge – in den ersten Primarklassen dürfen übrigens auch die Mädchen am Umzug teilnehmen – sei er Feuer und Flamme gewesen für die Klausenjagd. Dossenbach, der zu den über 250 Trägern der prächtig leuchtenden Infuln gehört (siehe Bild), sagt: «Es ist doch nicht fair, dass die Mädchen, wenn sie älter werden, von diesem Brauchtum ausgeschlossen sind.» Auch sie hätten das Recht, aktiv am Umzug teilzunehmen. Am Rand stehen und zuschauen vermittelt nicht die gleichen Emotionen, findet der Student. Er macht einen Vergleich: «Im Fussball beispielsweise fänden wir es auch komisch, wenn die Frauen nur am Spielfeldrand sitzen dürften, aber nicht die Erlaubnis hätten, selber zu spielen.» Zudem glaubt Dossenbach, dass mit der Teilnahme von Frauen das Brauchtum in der Gesellschaft gestärkt wird.

Auch Zünfte kennen Frauenfrage

Frauen und Brauchtum – das ist bei Männerbünden so eine Sache. Die Diskussion flammt immer mal wieder auf, etwa auch im Zunftwesen. Im Kanton Luzern sind Zünfte mehrheitlich reine Männervereine. So etwa die vier grossen Zünfte und Gesellschaften im Lozärner Fasnachtskomitee LFK, die Zunft zu Safran, Maskenliebhaber-Gesellschaft, Fidelitas und Wey-Zunft. Kleinere Zünfte, insbesondere auf der Landschaft, nehmen aber auch Frauen auf und küren sie sogar zu Zunftmeisterinnen. Oder es folgt ein Systemwechsel wegen fehlendem Nachwuchs. So geschehen 2011 bei der Zunft zur Emme.

Ein Nachwuchsproblem kennt die Küssnachter St.-Niklausen-Gesellschaft nicht: Zählte man 1933 noch 22 Klausjäger, hat der Verein aktuell rund 1600 Mitglieder. Der aktuelle Rekord liegt bei 1665 Klausjägern im letzten Jahr. Das waren 77 mehr als noch im Jahr 2013.

1992 von Gesellschaft ausgebuht

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Frauenfrage bei den Klausjägern ist nicht neu. Ein solches Begehren war Ende November 1992 grossmehrheitlich abgelehnt worden. Schon damals hatte ein junger Klausjäger die Gesellschaft auch für Frauen öffnen wollen. Der damalige Präsident Tony Gössi erntete an der Generalversammlung im Pfarreizentrum Monséjour von rund 800 anwesenden Klausjägern tosenden Applaus, als er sagte: «Wir wollen weiterhin ein reiner Männerverein bleiben.» Weiter sagte Gössi an der GV gemäss damaligem Zeitungsbericht, viele Frauen hätten kein Interesse, dem Verein beizutreten.

Das sieht Juri Dossenbach anders: «Bis jetzt ist mein Antrag mehrheitlich auf positive Resonanz gestossen.» Er kenne Frauen, die gerne Klausjägerinnen wären.

Der Antragsteller, der 1992 dieselbe Idee hatte wie jetzt Dossenbach, wurde an der GV arg ausgebuht, wie der 23-Jährige aus sicherer Quelle weiss. «Es gab damals weder eine faire Diskussion noch eine Abstimmung.» Er denkt, dass die Abstimmung diesmal respektvoller abläuft, «weil ich im Gegensatz zum Vorgänger den offiziellen Weg über einen Antrag gewählt habe». Ganz so locker, wie das nun alles tönt, war es nicht. Der Küssnachter räumt ein, dass ihn dieses Vorgehen eine gehörige Portion Mut gekostet hat. «In einer derart grossen Gesellschaft ist man schon sehr exponiert, wenn man mit einem solchen Anliegen kommt.» Letztlich, so Dossenbach, sei die Einreichung des Antrags wohl «ein Bauchentscheid gewesen».

Wie die Chancen stehen, dass am 27. November der Antrag angenommen wird, kann Juri Dossenbach nicht einschätzen. Der Infuln-Träger sagt: «In einem Verein darf man seine Meinung äussern, und diese Möglichkeit will ich nutzen. Wie es am Ende ausgeht, werden wir sehen. Fest steht: «Ich werde auch weiterhin Klausjäger sein.»

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