Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BRAUCHTUM: Querelen um Urschweizer Trachtentag

Knall in Schwyz: Der Urschweizer Trachtentag vom nächsten Jahr ist gestrichen. Grund: Die Organisatoren konnten sich nicht einigen.
Matthias Stadler
Brauchtum pur: die letzte Ausgabe des Urschweizer Trachtentags, 2011 in Sachseln. (Bild Roger Zbinden)

Brauchtum pur: die letzte Ausgabe des Urschweizer Trachtentags, 2011 in Sachseln. (Bild Roger Zbinden)

Matthias Stadler

Die Meldung liess aufhorchen, war doch bis anhin noch kaum darüber informiert worden. Die Luzerner Trachtenvereinigung informierte vor einer Woche ihre Mitglieder, dass der 21. Urschweizer Trachtentag, welcher im Mai 2016 hätte stattfinden sollen, nicht durchgeführt wird (Ausgabe vom 19. Mai). Der Urschweizer Trachtentag findet alle drei bis fünf Jahre alternierend in einem der Urkantone Uri, Schwyz, Nid- und Obwalden statt, die Kantone Zug und Luzern sind dabei jeweils Gastkantone. Der letzte Anlass fand 2011 in Sachseln statt und zog für den Umzug rund 2000 Akteure sowie 15 000 Besucher an. 2016 wäre nun Schwyz an der Reihe gewesen.

Lokalitäten waren bereits gebucht

Für die Organisation der nächsten Ausgabe stellte sich die Trachtengruppe «Tallüt vo Schwyz» zur Verfügung. Deren Präsidentin Hedi Tschümperlin aus Ibach bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Trachtentag nicht stattfinden wird. «Gewisse Personen, meist Vorsitzende in einem der 14 Trachtenvereine im Kanton Schwyz, hatten das Gefühl, dass wir mit der Organisation zu spät dran sind und noch kein lückenloses Konzept vorliege», sagt sie. Sie wisse aber selber nicht genau, wie der Entscheid zur Absage zu Stande gekommen ist. Verständnis für diese Absage hat Tschümperlin keines, denn die nötigen Lokalitäten seien gebucht gewesen. Sie selber habe immer an die Durchführung des Trachtentags geglaubt. Ihr Ziel sei es gewesen, den Anlass wieder etwas kleiner und urtümlicher werden zu lassen. Statt über drei Tage wollte sie den Anlass von Samstagnachmittag bis Sonntagabend durchführen – «ohne überdimensioniertes Festzelt, wo sowieso keine gemütliche Stimmung aufkommt».

Überhöhte Erwartungen?

Ein weiterer Grund für die Absage ist laut Tschümperlin wohl, dass das im Jahr 2010 in Schwyz abgehaltene Eidgenössische Trachtenfest noch zu fest in den Köpfen einiger Schwyzer verankert ist. Dieses Fest war hervorragend besucht und machte weitherum mit dem allseits gelungenen Auftritt Schlagzeilen. Hedi Tschümperlin sagt, dass verschiedene Trachtenliebhaber wieder ein solches Fest erwarteten und somit befürchteten, dass dementsprechend viel organisiert werden müsse. Jedoch sei ein Urschweizer Trachtentag um einiges kleiner als das Eidgenössische Trachtenfest, deswegen sei auch die Organisation einfacher, und es müsse weniger Sponsorengeld gesammelt werden.

«Ich bin eher für eine kürzere, aber intensivere Organisationszeit», sagt Tschümperlin. Schon oft habe sie erlebt, dass für Anlässe Jahre im Voraus informiert wurde und wenige Wochen davor alles umgekrempelt worden sei. «Diese unnötige, zeitraubende Arbeit wollte ich mir und den OK-Mitgliedern ersparen, aber einige verloren die Nerven.»

Tschümperlin erklärt, dass die Kantonalschwyzerische Trachtenvereinigung im März an der erweiterten Vorstandssitzung entschieden habe, dass der Anlass «nicht mehr durchführbar» sei. Eine Woche später, an der GV der «Tallüt vo Schwyz», unterstützte dann auch die Mehrheit der Tallüt-Mitglieder die Wortmeldungen der kantonalen Präsidentin und anderer Redner. So wurde entschieden, dass «die Tallüt vo Schwyz» Ende April das Mandat ablegen. «Für mich ist das Thema nun abgehakt», sagt Tschümperlin.

Edith Gwerder aus Steinen war zum Zeitpunkt des Entscheides die angesprochene Präsidentin der schwyzerischen Trachtenvereinigung. Mittlerweile ist sie aufgrund der Amtszeitbeschränkung von zehn Jahren von Beat Müller aus Küssnacht abgelöst worden. Sie widerspricht der Aussage Tschümperlins teilweise. Die schwyzerische Trachtenvereinigung hätte erst an ihrer Delegiertenversammlung Ende April über die Absage des Trachtentages entscheiden können. Darüber sei an der Vorsitzung zur Delegiertenversammlung im März lediglich diskutiert worden, eine Woche später sei an der Generalversammlung der Trachtengruppe «Tallüt vo Schwyz» der Entscheid zur Absage gefallen. An der Delegiertenversammlung der kantonalen Trachtenvereinigung Ende April wurde das Mandat definitiv zurückgezogen.

«Zeit hätte nicht gereicht»

Gwerder bestätigt jedoch, dass im Vorstand der kantonalen Trachtenvereinigung Zweifel aufgekommen waren, ob die Zeit für eine gute Organisation noch ausreichen würde. Auch sie selber war skeptisch: «Es ist schade, aber ich bin überzeugt davon, dass die Zeit nicht gereicht hätte.» Es würden aus sechs Kantonen Trachtengruppen und aus der ganzen Schweiz Besucher kommen, «da kann man noch so lange sagen, dass man ein kleines Fest organisieren will», sagt Gwerder, und weiter: «In einem Jahr kann man in dieser Grössenordnung heutzutage wenig bis nichts mehr organisieren.»

2019 in Nidwalden geplant

Ein Ersatz für den Trachtentag in Schwyz wird nicht organisiert, wie Edith Gwerder erklärt. Es bleibt also beim Ausfall. Sie lässt durchblicken, dass der nächste Urschweizer Trachtentag in Nidwalden stattfinden soll, voraussichtlich im Jahr 2019.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.