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BRUDER KLAUS: Ein Nationalheiliger – zwei Würdigungen

Christoph Blocher und Vitus Huonder sprechen heute an der Gedenkfeier in Flüeli-Ranft über Niklaus von Flüe. Mit geteilten Rollen: Der Altbundesrat führt von Flües Leistungen als Staatsmann aus, der Bischof würdigt ihn als Heiligen.
Urs-Ueli Schorno
SVP-Politiker Christoph Blocher und der Churer Bischof Vitus Huonder. (Bilder: Keystone)

SVP-Politiker Christoph Blocher und der Churer Bischof Vitus Huonder. (Bilder: Keystone)

Christoph Blocher

Christoph Blocher, Bruder Klaus entschied sich für ein Leben in der Abgeschiedenheit. Sie stehen noch immer auf der politischen Bühne. Verspürten Sie nie den Wunsch, sich für einige Zeit zurückzuziehen?

Christoph Blocher: Wer, der in leitender Stellung ist, hätte nicht hin und wieder solche Wünsche. Aber gerade für den Rest des Lebens als Einsiedler zu leben, war bis heute nicht meine Absicht. Ich habe anderes zu tun.

Politisch haben Sie ihn aber immer wieder ins Spiel gebracht. Wie sind Sie auf Bruder Klaus gekommen?

Bruder Klaus war nicht nur ein Heiliger. Er war – gerade auch als Eremit – ein bedeutender Staatsmann und Ratgeber. Die Schweiz wäre 1481 ohne seinen Ratschlag auseinandergebrochen. Und seine Ratschläge sind von dauernder Bedeutung bis auf den heutigen Tag.

Was sind für Sie die markantesten Eckpunkte von Bruder Klaus’ politischem Wirken?

Klaus von Flüe warnte die Eidgenossen vor Grossmachtpolitik: «Machet den Zun nit zuo wit», «Mischet Euch nicht in fremde Händel», und er rief zur Einigkeit und zur freundschaftlichen Streitbeilegung auf. Grundsätze, die bis zum heutigen Tag für jeden Politiker von grösster Bedeutung sein sollten.

War von Flüe mit seiner klaren Haltung auch ein Vorbild für Ihre Politik? Inwiefern?

Natürlich. Für jeden Menschen, jeden Politiker und für die ganze Schweiz zeigt er Grenzen auf, sah weitsichtig schon damals die Wichtigkeit der dauernd bewaffneten Neutralität und die Unabhängigkeit für die Schweiz. Ich verteidige dies seit jeher im Sinne Niklaus von Flües.

1992 gewannen Sie mit Ihrer Partei die EWR-Abstimmung. Unter anderem mit den beiden ihm zugeschriebenen Slogans «Mischt Euch nicht in fremde Händel» und «Machet den Zun nid zuo wit». Hatte Bruder Klaus da wirklich an die europäische Politik gedacht?

Natürlich. Schon damals war die Schweiz nur von europäischen Staaten umgeben, wenn auch noch nicht von der EU. Was dort im Kleinen galt, gilt insbesondere heute für die riesige EU!

Mit Bezug auf die aktuelle Politik in der Schweiz: Um welchen Rat würden Sie Bruder Klaus heute gerne anfragen?

Wie hälst Du es, Bruder Klaus, mit dem heimlichen EU-Beitritt mittels dem Rahmenvertrag? Auch hier würde er wohl sagen: «Machet den Zun nit zuo wit.»

Zum Schluss noch eine Frage: Als Politischer oder als Heiliger – wo ist Niklaus von Flüe heute in seiner Wirkung für uns bedeutender?

Für mich als Reformierten ist die Heiligsprechung etwas fremd. Aber menschlich und politisch sowie für Wirtschaftsführer ist er ein Vorbild.

Vitus Huonder

Bischof Vitus Huonder, welchen Bezug haben Sie zum Ort des Wirkens des heiligen Bruder Klaus, dem Flüeli-Ranft?

Bischof Vitus Huonder: Ich wurde am 25. September 1971 zum Priester geweiht, also am Gedenktag des heiligen Bruder Klaus. Daher war es mein Wunsch, eine Zeit lang am Ort zu leben, wo Bruder Klaus gewirkt hat. Das wurde mir von meinem Bischof in den Jahren 1982 bis 1984 gewährt.

Welches ist Ihr Rückzugsort? Wann suchen Sie diesen Ort auf?

Mein Rückzugsort ist heute in der Nähe von Chur. Es ist ein Heiligtum, welches ich vor allem an meinen freien Tagen aufsuche.

Was beeindruckt Sie an der Figur des heiligen Bruder Klaus besonders?

Jeder Heilige hat sein eigenes Charisma. Bruder Klaus ist in meinen Augen der grosse stille Beter und der Betrachter des göttlichen Lebens. Das erkennen wir vor allem am bekannten Meditationsbild, das eben sein «Buch» war. Mittels dieses Bildes vertiefte er sich immer wieder ins Geheimnis Gottes.

Worin unterscheidet sich Bruder Klaus von anderen Heiligen?

Bruder Klaus wird in vielen Gegenden der Welt ganz besonders als Heiliger des Friedens verehrt.

Wo täte der Welt heute ein Bruder Klaus gut?

Die Welt ist heute – vor allem in unseren Breitengraden – von einem unglaublichen Aktivismus geprägt, der die Transzendenz vergessen lässt. Es fehlt ihr weitgehend die Sammlung auf Gott hin, auf den Ursprung ihres Lebens und ihrer Möglichkeiten. Es fehlt ihr die Abgeklärtheit, die Ernsthaftigkeit der Ausrichtung auf das Ewige. Da täte ein Bruder Klaus gut.

Und wo der Kirche?

Bruder Klaus schreibt dem Rat von Bern: «Mancher Mensch ist zweifelhaftig (sic!) in seinem Glauben (...) Wir sollen aber darin nicht zweifelhaft sein, denn er ist so, wie er gesetzt ist.» Diesen Glauben hat die Kirche zu verkünden. Sich auf dieses Wort des Heiligen zurückzubesinnen, könnte der Kirche unserer Tage sehr nützlich sein.

Ihre Geschichte mit den Sachslern war nicht immer einfach – was ist Ihre Botschaft an die Nachfahren des Bruder Klaus?

Da möchte ich nochmals zurückgreifen auf den Brief an den Rat von Bern. Er enthält so ziemlich alles, was man als Botschaft des Heiligen an die Nachfahren aufgreifen sollte.

Zum Schluss noch eine Frage: Als Politischer oder als Heiliger – wo ist Niklaus von Flüe heute in seiner Wirkung für uns bedeutender?

Ich möchte diese zwei Ausdrücke kombinieren: als heiliger Politiker!

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@ luzernerzeitung.ch

Hinweis: Die Interviews wurden schriftlich geführt.

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