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BRUNNEN: Er dampft mit den Grossen

Chräsi Schuler hat selbst einen Raddampfer gebaut. Nun sucht er alters­bedingt Matrosen – die auch zum Kapitän aufsteigen könnten.
Chräsi Schuler betätigt das Horn seines Raddampfers «Waldstätter» (Bild Andreas Seeholzer)

Chräsi Schuler betätigt das Horn seines Raddampfers «Waldstätter» (Bild Andreas Seeholzer)

Andreas Seeholzer

Es tönt, wie wenn das Dampfschiff Uri einläuft. Ein langgezogenes Hornsignal überschlägt den Vierwaldstättersee. Doch es ist nicht die stattliche «Uri», auch nicht die «Stadt Luzern». Es ist Chräsi Schuler, der am Seilzug seines Raddampferboots «Waldstätter» zieht. Der Kessel spuckt den heissen Dampf durchs Horn, und die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Die «Stadt Luzern» grüsst zurück. Dann folgt allgemeines Winken mit hochgestreckten Armen. Man kennt sich eben, die Dampferflotte auf dem Vierwaldstätterse ist ja klein. Mitten drin Kapitän Schuler auf dem kleinsten Dampfer des Sees. Dabei lässt es der Lauerzer Kapitän nicht an Selbstironie mangeln, unter www.raddampfer.li ist alles rund um das kleine, 10 Meter lange und 2,5 Meter breite Dampfschiff nachzulesen.

Öl statt Holz

Seinen Raddampfer hat er mit viel Herzblut und in unzähligen Stunden konstruiert und unter Mithilfe von Bootsbauern und Mechanikern auch selbst gebaut. Das Boot ist ein Unikat, eine Augenweide für jeden mechanisch Inter­essierten und mit all den Macken und Eigenheiten ausgestattet, die so ein technisches Kleinod mit sich bringen kann. Eine kleine Ölkanne steht für die stets gute Schmierung der Maschine direkt unter dem Steuerrad. Doch einiges hat Schuler auch vereinfacht: Der Dampf im Kessel wurde früher mit dem Verbrennen von Holzspalten erzeugt, heute sitzt ein Ölbrenner vor dem Kessel. Der 68-jährige Schuler musste diesen Kompromiss eingehen – die Arbeit wurde ihm zu viel. «Da ich wegen meiner kaputten Knie und meinem beträchtlichen Gewicht Mühe habe, Holz zu schleppen, zu heizen und den Kessel zu säubern, entschied ich mich für einen Ölbrenner.» Damit dreht seine oszillierende Verbundmaschine im Sekundentakt und erreicht mit Auspuff eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,5 km/h.

Sitzt der Kapitän am Steuer, kommt er ins Schwärmen: «Die Seitenräder sind aus rostfreiem Stahl. Der Ein- und Austauchwinkel beträgt immer rund 20 Grad, damit sich das untere Ende der Schaufeln im Wasser überall gleich schnell bewegt und so am wenigsten Widerstand hat.» Schuler weiss vieles zu erzählen – und der Laie staunt. Gebaut hat er sein Boot von 2004 bis 2007. Seither hat er viele Kilometer hinter sich gelassen.

Es wird angeheuert

Altershalber kreuzt Chräsi Schuler heute mit einem Matrosen den See: Jo Lindauer hat den Teak-Innenausbau des Boots realisiert und danach bei Chräsi Schuler angeheuert. Und da sich wie bei der «Waldstätter» auch das Rad der Zeit stetig dreht, wird nun nach weiteren Matrosen Ausschau gehalten: «Ich würde meine Leidenschaft gerne mit jemandem, der an Raddampfern Freude hat, teilen», sagt Chräsi Schuler. Und wer Schuler kennt, weiss, dass er das Steuer auch gerne mal überlässt – aktuell sogar mit der Option, einmal zum Dampfschiff-Kapitän aufzusteigen.

Da selbst gebaute Boot am Gersauer Ufer. (Bild Andreas Seeholzer)

Da selbst gebaute Boot am Gersauer Ufer. (Bild Andreas Seeholzer)

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