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BRUNNEN: Er schaffte den Engadiner – trotz Hirnoperation

Nur sechs Monate nach einer Hirnoperation meisterte Edwin Camenzind den Engadiner Skimarathon. Und das trotz schwierigen Verhältnissen und Materialproblemen.
Da waren die Stöcke noch ganz: Edwin Camenzind am Morgen des Engadiner Skimarathons. (Bild: PD)

Da waren die Stöcke noch ganz: Edwin Camenzind am Morgen des Engadiner Skimarathons. (Bild: PD)

Der Plan reifte schon lange in ihm. Edwin Camenzind wollte seit Jahren am Engadiner Skimarathon mitlaufen. Doch immer kam etwas dazwischen: einmal bei ihm, einmal bei Freunden, mit denen er zusammen den Marathon anpacken wollte. Vor mehreren Monaten hat der gebürtige Gersauer, der in Brunnen wohnt, sich zusammen mit Kollegen für die 50. Austragung angemeldet. Doch dann kam der Schicksalsschlag; Diagnose Hirntumor. Ende August folgte die Operation in der St.-Anna-Klinik in Luzern. Und darauf eine psychisch belastende Zeit.

Doch Edwin Camenzind sagte sich: «Kommt die Operation gut, dann mache ich trotzdem am Engadiner mit.» Seit der Operation funktioniert Edwin Camenzinds Gleichgewichtsorgan links nicht mehr. Er wusste auch, dass er auf dem linken Ohr taub sein wird. Die Ärzte empfahlen ihm Gleichgewichtsübungen. Doch der Freizeitsportler war der Indoor-Gleichgewichtsübungen mit der Zeit überdrüssig. Er wollte nach draussen. Seine Idee: «Warum nicht diese Übungen mit Langlauf ersetzen? Das schult das Gleichgewicht auch und macht mir erst noch Freude.»

«Ich war besser als erwartet»

Gesagt, getan. Camenzind wagte sich auf die Langlaufski, stürzte aber am Anfang oft. «Doch ich spürte Fortschritte», sagt er. Das Training zeigte Wirkung, die Stürze wurden weniger – und sechs Monate nach der Operation des gutartigen Tumors war Edwin Camenzind bereit: Er machte sich am letzten Wochenende auf den Weg ins Engadin zum Jubiläumsmarathon.

Der Wettkampf verlief jedoch nicht ganz ohne Probleme. Das Licht war diffus, die Konturen im Schnee waren fast nicht erkennbar. So gab es viele Stürze. «Auch ich musste vier Mal zu Boden. Bei einem Gedränge kurz nach dem Start brach ein Stock.» Zum Glück sei das Rennen bestens organisiert. Denn am nächsten Materialposten habe er sich Ersatzstöcke holen können. Müde, aber glücklich, erreichte Camenzind am Sonntag nach zwei Stunden und 15 Minuten das Zielgelände in S-chanf. Er klassierte sich im Rang 1657, in seiner Altersklasse auf Platz 226. «Das hat mich überrascht. Ich war besser als erwartet», freut sich Camenzind. Er werde sicher nochmals am Engadiner teilnehmen, dann hoffentlich das Ziel mit den eigenen Stöcken erreichen. Wettkampfunerfahren ist der Konstrukteur nicht. Er nahm schon an mehreren Skitourenwettkämpfen teil. Unter anderem bereits drei Mal an der Patrouille des Glaciers, dem längsten Skitourenrennen der Welt, das von Zermatt nach Verbier führt. Langlauf lief Camenzind übrigens als Kind jeweils neben dem Skifahren in den Lagerferien, dann lange Jahre nicht mehr. Vor wenigen Jahren packte es ihn wieder: «Dario Cologna hat uns alle angesteckt.»

Silvia Camenzind

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

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