BRUNNEN-INGENBOHL: Eine grosse, närrische Geburtstagsparty

75 Jahre alt ist die Nüssler­gesellschaft. Sie ist deswegen noch lange nicht «alt». Sie wird in jugendlicher Frische ihr Jubiläum feiern, mit Nüsseln, Tanz und einem grossen Fest.

Erhard Gick
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Der «Alte Herr», eine der traditionellen Fasnachtsfiguren der Brunner Nüssler. (Bild: Archiv Neue SZ)

Der «Alte Herr», eine der traditionellen Fasnachtsfiguren der Brunner Nüssler. (Bild: Archiv Neue SZ)

Drei Tage lang Geburtstag feiern. Das tut die Nüsslergesellschaft Brunnen-Ingenbohl. Vom 1. bis 3. Februar jagt ein Höhepunkt den andern. Der grösste aller Höhepunkte für die Bevölkerung dürfte sich aber eindeutig am Sonntag abspielen. Um 14 Uhr wird der Jubi­läumsumzug mit rund 40 Nummern gestartet. Der Umzug zeigt Fasnachtsbrauchtum aus der ganzen Schweiz. Und eines wird an diesem Umzug sicher auch nicht fehlen: die jubilierenden Maschgraden. Die Nüssler werden einen gepflegten Narrentanz vorführen. «Auch mein Herz schlägt immer noch höher, wenn der Narrentanz ertönt», sagt OK-Präsident Beat Auf der Maur. Während all der Jahre sei das Nüsseln farbenfroh, lebendig und wild geblieben. «Die Gesellschaft hat es bis heute verstanden, das Brauchtum zu erhalten, aber nicht zu konservieren», hält Beat auf der Maur fest. Dass die Brunnen-Ingenbohler Nüssler davon die beste Kostprobe anlässlich ihres Geburtstages zeigen, versteht sich von selbst.

Ein Fest über alle Fasnachtstage

Selbstverständlich bietet die Nüsslergesellschaft Brunnen-Ingenbohl ein fasnächtliches Fest über alle Fasnachtstage. Das Spezielle ist aber das Jubiläumswochenende. Am Freitag, 1. Februar, startet man mit einem Festapéro und dem Festbetrieb 75 Jahre Nüsslergesellschaft Brunnen-Ingenbohl. Am Samstag, 2. Februar, gibt es ab 15 Uhr Brauchtumsvorführungen im Dorf. Diese werden auf der Bühne beim Dorfplatz präsentiert. Verschiedene Gruppen aus der Region und der übrigen Schweiz zeigen ihr fasnächtliches Brauchtum. Um 17.15 Uhr findet ein Sternmarsch dieser Gruppen zum Festgelände beim Schulhaus Ingenbohl statt. Ab 18 Uhr starten der Gala-Abend in der Festhalle (Dreifachturnhalle) und die Jubiläumsparty. Am Sonntag findet der bereits erwähnte Jubiläumsumzug durchs Dorf statt (14 Uhr). Schmutziger Donnerstag, Güdelmontag und Güdeldienstag gestalten sich im üblichen Rahmen.

Aus der Geschichte des Jubilars

Bezug nehmend auf «alt» im Zusammenhang mit der Nüsslergesellschaft Brunnen-Ingenbohl, ist nur eines festzustellen: Die Gesellschaft pflegt schon eine nahezu uralte fasnächtliche Tradition. So kann man in der Geschichte der Gesellschaft nachlesen: Es ist erwiesen, dass am Vierwaldstättersee schon im 19. Jahrhundert Fasnacht betrieben wurde. Durch den Ersten Weltkrieg schlummerte die Fasnacht im Narrendorf Brunnen fast ein. Erst Anfang der Dreissigerjahre erwachte das Treiben der Nüssler wieder.

Am 2. Dezember 1938 war es dann endlich so weit. Im Restaurant Mostrose wurde die Nüsslergesellschaft ­Brunnen-Ingenbohl gegründet. Bei der Gründung zählte der Verein ganze 16 Mitglieder. Heute zählt der Verein 450 Mitglieder.

Die Frage nach dem Nüsseln

Weiter ist nachzulesen, dass am 20. Februar 1939 das erste Preisnüsseln durchführt wurde. «Dies war ein grosser Motivationsschub für die noch junge Nüsslergesellschaft, denn die Mitgliederzahl steigerte sich fortan laufend», hält der Schreiberling der Gesellschafts­annalen fest. Der Zweite Weltkrieg änderte dies leider schlagartig. Es gingen nur noch zwei bis drei Maschgraden an die Fasnacht. Nach den Kriegsjahren folgte dann der lang ersehnte Aufschwung. 1949 gehörten der Nüsslergesellschaft erstmals über 100 Personen an. Die Herkunft der Bezeichnungen Nüssler (Tänzer) und nüsseln (tanzen) kann nicht nachgewiesen werden. Es wird erzählt, dass die Ausdrücke aus der Zeit, wo noch Äpfel und Nüsse statt Orangen und Sugus verteilt wurden, stammen. Ebenfalls heisst es, dass der Schellengurt des Blätzes früher mit Nussschalen, welche kleine Steinchen beinhalteten, bestückt wurde und nicht wie heute mit Kreuzglocken. Der Name Rott wird von den militärischen Einheiten abgeleitet. Diese wurden früher so genannt.

Der Narrentanz ist eine geregelte Folge immer wiederkehrender Takte, die sich dennoch kaum einer der bekannten Taktarten genau fügen will, eine ­merkwürdige, von Wirbeln durchsetzte, aufreizende Tanzrhythmik. Im Werk «Schwyzer Volkstum» schreibt Martin Gyr, dass der Nüsslertanz aus der Zeit der helvetisch-römischen Kontakte, wo das Tanzen heidnische Kulthandlung war, stamme. Der Volkskundler Werner Röllin ist jedoch der Meinung, dass der Ursprung des Nüsslertanzes bei den Landsknechttänzen zu suchen sei, weil Spielleute und Trommler schon immer zum alten Schwyzer Kriegsvolk ge­hörten.

Hinweis

Detaillierte Informationen zum Jubiläum unter: www.nuessler-brunnen-ingenbohl.ch