BRUNNEN: Naturschutzprojekt stösst Badegästen sauer auf

Das Ufer des Sees wird umgestaltet. Eine vierzigjährige Leidensgeschichte nimmt damit ein Ende.

Stephanie Zemp
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An warmen Sommertagen geniessen Dutzende Schwyzer die herrliche Lage der Hopfräben am Dorfausgang von Brunnen zum Baden und Grillieren. Viele Hundebesitzer nutzen den Damm zwischen dem Flachmoor und dem Seeufer für Spaziergänge. Ein geplantes Renaturierungsprojekt bereitet diesem Treiben nun ein Ende: Im Herbst 2018 wird der Damm abgebaut, um Fischen, Vögeln und Pflanzen den direkten Zugang vom See zum Moor zu öffnen. Als Ersatz erhalten die Badegäste eine Liegewiese vor dem Camping Hopfräben.

Das Vorhaben stösst bei vielen Nutzern auf Unverständnis. «Ein grosser Teil des Seeufers ist bereits verbaut, und nun soll genau hier der Natur mehr Platz gemacht werden», sagt etwa einer, der regelmässig im Gebiet unterwegs ist. Tatsächlich ist die Umgebung einzigartig – vor allem aus Sicht der Naturschützer. Im Flachmoor tummeln sich seltene Vogel- und Amphibienarten. Diese werden von den Schroten-Besuchern – vor allem von deren Hunden – beim Nisten gestört, sagt Martin Zumstein auf Anfrage. Seine Stiftung Renatura Innerschwyz ist für die Umgestaltung verantwortlich.

Geplant sind mehrere kleine Badebuchten

Zumstein kennt die Bedenken in der Bevölkerung. «Es ist immer schwierig, etwas zu verlieren, das man kennt und schätzt», sagt er. Dennoch ist er überzeugt, dass sich am Ende auch die heutigen Skeptiker an der neuen Erholungszone erfreuen werden. Geplant sind neben einer Wiese auch mehrere kleine Badebuchten – und ein kleiner Bach. Gleichzeitig will der Bezirk den Camping Hopfräben erweitern und in der Nähe des Ufers ein neues Betriebsgebäude erstellen. Gegen dieses Vorhaben sind allerdings noch Einsprachen von Umweltverbänden hängig.

Projekt über Jahre wegen Einsprachen blockiert

Dass es das Naturschutzgebiet in der Schroten überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. In den Siebzigerjahren war dort eine Ferienhaussiedlung geplant, Einheimische konnten sie erfolgreich bekämpfen. Mittlerweile ist das Schilfgebiet neben der Schroten ins Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung aufgenommen worden. Vor rund fünfzehn Jahren hat Zumstein, damals noch Leiter des Amts für Umweltschutz des Kantons Schwyz, eine Planung zur Uferrenaturierung lanciert. Lange wurde der dafür erarbeitete Nutzungsplan durch Einsprachen von Nachbarn blockiert. In einem Bundesgerichtsentscheid wurden diese 2016 abgewiesen, was dem Vorhaben wieder Aufwind gegeben hat.

«Damit hatte eine vierzigjährige Leidensgeschichte ihr Ende genommen», sagt Zumstein. Kommenden Monat wird das Baugesuch öffentlich aufgelegt, und im Herbst 2018 beginnen die ersten Arbeiten. Den wehmütigen Schroten-Besuchern bleibt also noch ein letzter Sommer in gewohnter Umgebung.

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch