CLAUDINE WINTER: «Jäger muss Herzblut und Zeit investieren»

Im Kanton Schwyz wurden in diesem Jahr so viele Jagdpatente ausgegeben wie noch nie. Claudine Winter sagt, warum die Jagd eine verantwortungsvolle Tätigkeit ist.

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Claudine Winter, Chefin der Dieststelle Jagd und Fischerei. (Archivbild Andrea Schelbert/Neue SZ)

Claudine Winter, Chefin der Dieststelle Jagd und Fischerei. (Archivbild Andrea Schelbert/Neue SZ)

Kürzlich waren die Inhaber der Jagdpatente im Amtsblatt veröffentlicht. Es sind mit insgesamt 488 Namen so viele wie noch nie. Wie viele davon werden tatsächlich auf die Jagd gehen?
Claudine Winter: Es sind jedes Jahr etwa gleich viele Jäger, die ein Patent lösen. Ein Hochwildpatent kostet für Jäger mit Wohnsitz im Kanton Schwyz 445 Franken. Wenn man ein Patent löst, so hat man daher in aller Regel auch die Absicht, auf die Jagd zu gehen, zumal man nicht jemand anderen für sich mit seinem Patent auf die Jagd schicken kann. Die Hoch- und Niederwildjagd erstreckt sich aber über einen Zeitraum von zwei Monaten. Aus beruflichen Gründen können daher viele Jäger nicht ganz so häufig auf die Jagd gehen, wie sie es gerne möchten.

Welche Kriterien muss man für die Jagdprüfung erfüllen? 
Winter: Man besucht während zwei Jahren einen recht zeitintensiven Lehrgang. Die angehenden Jäger werden in verschiedenen Fächern wie Wildkunde, Waffen und Munition, Jagdrecht, Ökologie und Hundewesen ausgebildet. Sie absolvieren 50 Hegestunden und gehen mit anderen Jägern und dem Wildhüter ins Feld. Wer einen Jagdausweis will, muss bei uns Herzblut und Zeit investieren. Das ist meines Erachtens gut so. Die Jagd ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit gegenüber anderen Jägern, der nichtjagenden Bevölkerung, dem Wild und der Umwelt. Ein solider Lehrgang ist gerechtfertigt, es ist ein Muss.

Wie läuft die Jagd im Kanton Schwyz ab?
Winter: Man kann die Rehjagd mit Hunden nicht mit der Gämsjagd oder der Drückjagd auf Hirsche, wo keine Hunde eingesetzt werden, vergleichen. Das sind ganz verschiedene Dinge. Im September jagen wir hier im Kanton Schwyz in erster Linie Hirsche und Gämsen. Die Rehjagd ist im Oktober. 

Wie viele Wildtiere sind zum Abschuss freigegeben?
Winter: Jeder Hochwildjäger hat eine Gämse zum Abschuss. Dafür erhält er eine Marke. Anders bei den Hirschen. Da ist die Gesamtzahl festgelegt, die man so genau wie möglich zu erreichen versucht. Die Jäger sind verpflichtet, sich allabendlich über ein Informationstelefon zu informieren, ob und wenn ja was für Hirsche – zum Beispiel Stiere – noch gejagt werden dürfen. Jeder Niederwildjäger hat zwei Marken zur Verfügung, also zwei Rehe. 

Empfehlen Sie Wanderern oder Spaziergängern in der Jagdzeit ein anderes Verhalten als in der übrigen Zeit?
Winter: Die Jäger selber haben heute die Pflicht, sich im September und Oktober auf der Jagd mit einem orangen-leuchtfarbenen Band oder gar Gilet zu kennzeichnen, um die Sichtbarkeit – also die Sicherheit – zu optimieren. Vor allem, wenn einige Jäger durch den Wald gehen, um die Hirsche vor sich her zu «drücken», während ihre Kollegen an verschiedenen Orten stehen. Da alle bewaffnet sind, ist die gute Sichtbarkeit ein unverzichtbarer Sicherheitsaspekt für die Jäger selber. Wenn ein Spaziergänger nun in dieser Zeit eine farbige Jacke tragen will, dann hat das denselben Effekt. Er ist besser sichtbar, und das ist bestimmt auch nicht falsch. Aber er bewegt sich üblicherweise auch nicht mitten im Geschehen.

Jäger betonen stets, dass sie auch Hegearbeiten ausführen. Wozu dienen diese?
Winter: Hege ist eine Leistung, die ein engagierter Jäger freiwillig und unentgeltlich für die Tierwelt und deren Lebensräume erbringt. Es gehört zur Ethik eines guten Jägers, dass er nicht nur «ernten», sondern auch «säen» will. Heute beinhaltet die Hege neben der traditionellen Rehkitzrettung während der Mäharbeiten vermehrt auch Einsätze für Biotope, Hecken und anderen Landschaftsstrukturen, die für unsere Wildtiere sehr wichtig, aber leider sehr selten geworden sind. Von Wildfütterungen sieht man heute immer mehr ab. Viel mehr Bedeutung gewinnen im Wildschutz nun aber besucherlenkende Massnahmen. Hege dient dem Schutz des Wildes und seiner Lebensräume.

Interview Frieda Suter

Das ausführliche Interview lesen Sie am Dienstag in der Neuen Schwyzer Zeitung.