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Kanton Luzern: CVP- und SVP-Nationalratssitze wackeln bedenklich

Links-Grün befindet sich im Hoch, die Bürgerlichen schwächeln. Das wird sich bei den Nationalratswahlen auswirken.
Lukas Nussbaumer
Die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür studiert im Bundeshaus Akten. (Bild: Monika Flückiger/EQ Images, Bern, 15. Dezember 2017)

Die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür studiert im Bundeshaus Akten. (Bild: Monika Flückiger/EQ Images, Bern, 15. Dezember 2017)

252 Kandidaten, darunter alle zehn Bisherigen, bewerben sich um die noch neun zu vergebenden Luzerner Sitze im 200 Mitglieder umfassenden Nationalrat. Das ist Rekord, genauso wie die 35 eingereichten Listen. Zum Vergleich: 2015 interessierten sich 152 Männer und Frauen für ein Mandat in der grossen Kammer, verteilt auf 21 Listen.

So gross das Interesse für einen Sitz in Bundesbern ist, so spannend ist die Ausgangslage – wahrscheinlich so spannend wie nie zuvor. Zwei Fakten stützen diese Behauptung: Erstens kann Luzern in der nächsten Legislatur nur noch neun Nationalräte nach Bern schicken, weil die Bevölkerung in Genf und in der Waadt stärker gewachsen ist. Beide Westschweizer Kantone gewinnen ein Mandat. Neben Luzern verliert auch Bern einen Sitz.

Zweitens macht der Sitzverlust die Wahlen für die zehn Luzerner Bisherigen zu einem Nervenspiel, weil Abwahlen drohen. Andrea Gmür-Schönenberger (CVP) und Franz Grüter (SVP) versuchen, diesem Szenario mit ihrer gleichzeitigen Kandidatur für den Ständerat auszuweichen. Gelingen wird die Wahl nur Gmür oder Grüter, denn der wieder antretende FDP-Ständerat Damian Müller sitzt fest im Sattel.

Spannend werden die Wahlen auch deshalb, weil Grüne, SP und GLP bei den Kantonsratswahlen im Frühjahr massiv zulegen konnten, während SVP, CVP und FDP empfindliche Einbussen hinnehmen mussten. Setzt sich dieser Trend am 20. Oktober auch nur annähernd fort, gewinnt das links-grüne Lager ein Mandat dazu. Das wäre für CVP und SVP gleichbedeutend mit einem Sitzverlust – der eine aufgrund der Reduktion auf neun Sitze, der andere wegen der erstarkten Linken. So stünden künftig nicht mehr acht bürgerliche Vertreter zwei links-grünen gegenüber, sondern je zwei CVP-, SVP- und FDP-Politiker drei aus dem Lager von SP, Grünen und GLP. Ob die SP erstmals in ihrer Geschichte einen zweiten Sitz gewinnt oder ob die Grünliberalen ihr vor vier Jahren an die SVP verlorenes Mandat zurückholen, ist offen. Ungefährdet sein dürften die beiden Sitze der FDP und jener der Grünen.

CVP-Liste ist gespickt mit heissen Anwärtern

Sechs Bürgerliche und drei Linke: Das ist einen Monat vor dem Wahlsonntag das wahrscheinlichste Ergebnis. Schwieriger vorauszusagen ist, von wem diese Sitze belegt werden. Wir wagen deshalb keine Prognose, sondern zeigen Szenarien auf.

Die CVP dürfte im Gegensatz zu 2011 und 2007 von einer Abwahl verschont bleiben. Andrea Gmürs Chancen, im Ständerat die Nachfolge von Parteikollege Konrad Graber antreten zu können, sind gross. Die Wahlchancen der amtierenden Nationalräte Ida Glanzmann und Leo Müller sind ebenfalls intakt, auch dank dem Bisherigen-Bonus. In Sicherheit wiegen sollten sie sich aber nicht: Die CVP-Hauptliste ist gespickt mit Kandidaten, die den Amtsinhabern gefährlich werden können. Da ist beispielsweise Priska Wismer, die vor vier Jahren nur 138 Stimmen auf Andrea Gmür verlor. Oder Parteipräsident Christian Ineichen, der hinter Wismer auf Platz fünf landete.

Ganz hart wird der Kampf um einen Platz an der Sonne bei der SVP. Wenn Franz Grüter den Sprung in den Ständerat wie angenommen nicht schafft und die Partei wie prognostiziert einen Sitz verliert, wird ein Bisheriger abgewählt. Trifft es Grüter, der 2015 nur knapp 700 Stimmen mehr holte als die heuer erneut antretende Vroni Thalmann? Oder Felix Müri, der im letzten Herbst die sicher geglaubte Wahl in den Gemeinderat von Emmen verpasste und im Zusammenhang mit seiner Rolle als Präsident des Dachverbands der medizinischen Masseure unter Druck steht? Yvette Estermann war vor vier Jahren bestgewählte SVP-Kandidatin, scheint also am wenigsten gefährdet.


SVP hält im Nationalrat am meisten Mandate

Im 200-köpfigen Nationalrat sind Politiker von elf Parteien vertreten. Mit 64 Vertretern und einem Wähleranteil von 29,4 Prozent ist die SVP die mit Abstand stärkste Partei. Auf den weiteren Rängen folgen die SP mit 42 Sitzen, die FDP mit 33 und die CVP mit 28. Die Grünen stellen elf Nationalräte, die GLP acht, die BDP sieben sowie die EVP und die Lega je zwei.

Die Zahl der Sitze pro Kanton ist abhängig von der Bevölkerungszahl. Der Kanton Zürich als klar einwohnerstärkster Kanton ist mit 35 Nationalräten vertreten, Bern mit 25, die Waadt mit 18, der Aargau mit 16. Sechs Kantone, nämlich Uri, Ob- und Nidwalden, Glarus sowie Appenzell Ausser- und Innerrhoden, können nur je eine Person in die grosse Kammer entsenden. (nus)

Bei der FDP ist die interne Konkurrenz weniger gross als bei CVP und SVP. Die beiden Bisherigen Albert Vitali und Peter Schilliger müssen deshalb kaum um ihre Wiederwahl bangen. Dafür kann sich die Parteispitze Gedanken machen über potenzielle Nachfolger des 64-jährigen Vitali und des 60-jährigen Schilliger.

In einer komfortablen Lage befindet sich die SP. Die Bisherige Prisca Birrer-Heimo ist unbestritten, die weiteren Kandidaten sind ambitioniert. Sollte die SP einen zweiten Sitz holen, dürften Parteipräsident David Roth, die frühere Fraktionschefin Ylfete Fanaj und Kantonsrätin Yvonne Zemp besonders gute Chancen haben. Sie belegten 2015 hinter Birrer und der heuer nicht kandidierenden Helene Meyer die Plätze drei, vier und fünf auf der Liste der SP.

Die Grünen steigen mit Nationalrat Michael Töngi als Spitzenkandidat ins Rennen. Seine Wiederwahl dürfte Formsache sein, auch wenn die weiteren Plätze auf der Hauptliste der Grünen sehr gut besetzt sind.

Einen absoluten Spitzenkandidaten haben auch die Grünliberalen: in der Person von Roland Fischer, der 2015 aufgrund des Sitzverlusts seiner Partei als Nationalrat abgewählt wurde. Erkämpft sich seine Partei den Sitz zurück, sind seine Chancen auf der mit mehreren Kantonsratsmitgliedern besetzten GLP-Liste am grössten.

Grosse Parteien wollen Sitze mit Unterlisten retten

Für die nicht im Kantonsrat vertretenen Parteien, die an den Nationalratswahlen teilnehmen, gibt es in vier Wochen nichts zu gewinnen. Anders sieht es für die Unterlisten der grossen sechs Parteien aus. Ob die Hauptanwärter auf einen Platz im Nationalratssitz reüssieren, hängt nämlich stark von den Resultaten der Personen ab, die sich in den Dienst der Mutterpartei stellen. Liefern sie genug zusätzliche Listenstimmen, um die bis jetzt gehaltenen Sitze verteidigen zu können, werden sich die Parteistrategen für ihre Taktik noch am Wahlabend auf die Schultern klopfen. Verfangen die Unterlisten nicht, wird die Suche nach der Ursache für den Sitzverlust Wochen oder Monate dauern.

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