Darum wurde die SVP so stark

Die SVP ist heute die stärkste politische Kraft des Kantons Schwyz. Die Kantonsgeschichte zeichnet nach, wie es dazu kam.

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Bild aus dem Wahlkampf 1995, der mit dem ersten Erfolg von Peter Föhn endete. (Bild: Bruno Marty)

Bild aus dem Wahlkampf 1995, der mit dem ersten Erfolg von Peter Föhn endete. (Bild: Bruno Marty)

Die Partei will in diesem Jahr gross feiern: Seit der Neugründung der Schweizerischen Volkspartei (SVP) des Kantons Schwyz 1972 sind 40 Jahre vergangen. Die Kantonalpartei will sich erstmals in ihrer Geschichte sogar eine Fahne anschaffen. Zurückblicken kann die Partei an der Fahnenweihe auf 40 Jahre, die sie im Kanton an die Spitze brachten. Die SVP sitzt heute mit drei Mann im siebenköpfigen Regierungsrat, in der soeben abgelaufenen Legislatur besetzte sie im Kantonsrat 41 der 100 Sitze, sie belegt zudem beide Schwyzer Ständerats- und einen Nationalratssitz.

2004 wählte das Volk mit Walter Stählin (Zweiter von rechts) den ersten SVP-Mann in den Regierungsrat. (Bild: Bert Schnüriger)

2004 wählte das Volk mit Walter Stählin (Zweiter von rechts) den ersten SVP-Mann in den Regierungsrat. (Bild: Bert Schnüriger)

Zuerst war die CVP-Fusion

Die «Geschichte des Kantons Schwyz» ortet den Start dieser Entwicklung im Jahr 1971. Damals schlossen sich die Katholisch-Konservative und die Christlichsoziale Partei zur neuen CVP zusammen. 1972, im gleichen Jahr, in dem die Schweiz das Frauenstimmrecht annahm, hatte die CVP ihren grossen Höhenflug. Sie holte bei den Kantonsratswahlen nicht weniger als 55 Sitze, einen mehr als Konservative und Christlichsoziale zuvor getrennt innehatten. Ihre absolute Mehrheit konnte CVP bis 1992 halten, dann begann ihre Macht zu bröckeln.

Bauern, Gewerbe, Bürger

Ebenfalls 1972 wurde im Kanton Schwyz die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) gegründet. Sie schloss sich 1975 als kantonale Sektion der SVP Schweiz an. «Noch wurde die neue Kraft in den Zeitungen belächelt», schreibt die Politologin Corinne Bara-Zurfluh in der Kantonsgeschichte über die Gründungszeit. «Als Bauernpartei mit einer immer kleiner werdenden Klientel wurden ihr kaum Zukunftschancen eingeräumt.» In den Siebzigerjahren blieb die SVP mit ihren vorerst nur drei Kantonsräten eine Kleinpartei wie das «Kritische Forum Ibach» (KFI) oder die Autopartei, die spätere Freiheitspartei.

Die kleinen Oppositionsparteien brachten in den Achtzigerjahren Bewegung in die Schwyzer Politik. 1980 konnte das KFI mit Jürg Krummenacher seinen ersten Kantonsratssitz erobern. In den Achtzigerjahren lief zudem die Auseinandersetzung um den geplanten Waffenplatz Rothenthurm der Schweizer Armee auf ihren Höhepunkt zu. Befürworter und Gegner fanden sich in allen bürgerlichen Parteien. Die Waffenplatz-Abstimmung von 1987 nahm so den Parteigrenzen vorübergehend ihre Bedeutung.

Gegen die CH 91

Gleichzeitig mobilisierte damals die grüne Bewegung erfolgreich gegen eine finanzielle Beteiligung der fünf Innerschweizer Kantone an der Landesausstellung CH 91. Und bei den Nationalratswahlen von 1987 war es das Ziel der Parteien im Kanton, die Dominanz der CVP zu brechen. In der Folge ging damals denn auch ein bisheriger CVP-Sitz im Nationalrat an die SP.

Der Sprung nach vorn

Doch zurück zur SVP. Während die kleinen Parteien in den 1990er-Jahren verschwanden oder in den etablierten Parteien aufgingen, gewann die SVP schnell neue Wähler. Noch 1988 war sie selbst Oppositionspartei gewesen und hatte wie das «Kritische Forum» nur vier Vertreter im Kantonsrat. «Erst in den Nationalratswahlen von 1995 machte die SVP einen Sprung nach vorne», schreibt Born-Zurfluh. Auf Kosten der SP konnte sie mit Peter Föhn ihren ersten Vertreter nach Bern schicken. «In den darauf folgenden Kantonsratswahlen steigerte sie sich von fünf auf zwölf Sitze.»

Der weitere Aufschwung der Partei dürfte seine Triebkraft aber eher ausserhalb als innerhalb der Kantonsgrenzen gehabt haben. Denn gesamtschweizerisch kämpfte die SVP 1986 vorerst erfolgreich gegen eine UNO-Mitgliedschaft der Schweiz und 1992 vehement und ebenfalls erfolgreich gegen den Schweizer EWR-Beitritt. Vom Effekt des damals zum populären Volkstribun Christoph Blocher profitierte die SVP damals in vielen Kantonen, auch in Schwyz. Im Kanton Schwyz gingen die SVP-Erfolge auf Kosten der CVP. Mit ihrem zunehmenden Wahlerfolg stellte sich der SVP auch die Frage nach der Regierungsbeteiligung. 1996 nahm die Partei erstmals an den Regierungsratswahlen teil, scheiterte aber. 2004 aber hatte sie mit Walter Stählin Erfolg. Zwei Jahre später holte sie bereits ihren zweiten Sitz.

SVP sprang in die Lücke

Für die Politologin Corinne Bara-Zurfluh bestätigt der SVP-Erfolg eines: dass das Schwyzer Volk eine starke konservative Partei will. Das zeitliche Zusammenfallen von CVP- und SVP-Gründung sei damals kein Zufall gewesen. «Mit dem Zusammenschluss der alten konservativen Partei mit den Christlichsozialen zur CVP war die Partei vielen Konservativen im Kanton zu stark nach links gerutscht.» Viele politisch Interessierte hatten so ihre politische Heimat verloren. «Die SVP sprang in die Lücke, die sich auf der rechtskonservativen Seite auftat.

Zur SVP übergelaufen

«Frustrierte Exponenten der ehemaligen konservativen Partei liefen zur SVP über wie Meinrad Holdener, SVP-Präsident der ersten Stunde.» Holdener war zuvor Sekretär der konservativen Kantonalpartei gewesen. Namentlich genannt wird hier auch der frühere Schwyzer Staatsarchivar Josef Wiget, vormals ebenfalls ein Konservativer. «Der kometenhafte Aufstieg der SVP markiert also keinen tief greifenden politischen Wandel, sondern in gewisser Weise eine geradezu historische konservative Konstanz», hält Bara-Zurfluh fest.
Erstmals etwas gebremst wurde der SVP-Aufschwung erst bei den Nationalratswahlen von 2011, wo sie ein Nationalratsmandat verlor. Und bei den diesjährigen Kantonsratwahlen verkleinerte sich die SVP-Fraktion im Kantonsrat von 41 auf 35 Mandate. «Noch wurde die neue Kraft in den Zeitungen belächelt.»

Bert Schnüriger / Neue SZ

Der Kanton der Konservativen

s. In der «Geschichte des Kantons Schwyz» ist mehrmals die Rede von der politischen Haltung der Schwyzerinnen und Schwyzer. Ihr Kanton ist bekanntlich jener, der seit der Zwischenkriegszeit die höchste Verwerfungsquote der Schweiz hat. Der Historiker Erwin Horat erklärt dies einerseits mit einem aus der Geschichte begründeten Anti-Bern-Reflex, anderseits mit Verunsicherung bezüglich der wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Veränderungen.

Der frühere Schwyzer CVP-Gemeindepräsident und heutige Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher ortet die typischen Neinsager vorab in den noch bäuerlich geprägten Gemeinden entlang der Wasserscheide und im Alten Land Schwyz. Dort würden sie vom Finanzausgleich des Kantons profitieren, «ohne die gesellschaftlichen Umwälzungen bewältigen zu müssen, welche den Schwyzer Gemeinden am Zürichsee zu schaffen machen». Und Michael Hermann und Heiri Leuthold, Verfasser eines Schweizer Atlas der politischen Landschaften, stellen fest, dass sich in Schwyz «das traditionell Konservative der Urschweiz mit dem modern Konservativen des mittelländischen Hinterlands vereint».