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DAS ANDERE INTERVIEW: «Ein Jass muss immer gemütlich sein»

Rosmarie Zurfluh, Jasskönigin
Roger Rüegger
Rosmarie Zurfluh war die erste Jasskönigin Zentralschweizer Jassmeisterschaft. (Bild: Neue LZ)

Rosmarie Zurfluh war die erste Jasskönigin Zentralschweizer Jassmeisterschaft. (Bild: Neue LZ)

Roger Rüegger

Rosmarie Zurfluh (75) aus Gisikon führte mit ihrem Mann 35 Jahre das Restaurant Eintracht. Die leidenschaftliche Jasserin war die erste Jasskönigin der Zentralschweizer Jassmeisterschaft, die von unserer Zeitung und ihren Regionalausgaben präsentiert wird. Warum sie als Wirtin Wert darauf legte, dass die Spielkarten in ihrem Lokal sauber sind, weshalb man ihr bei einem Turnier einst nahelegte, ihr Badekleid einzupacken und wovor sie Respekt hat, erklärte sie uns vor wenigen Tagen.

Rosmarie Zurfluh, Sie verbrachten Ihr halbes Leben in der Gaststube des Restaurants Eintracht und waren deshalb immer von Leuten umgeben. Wie gestalten Sie heute ihren Alltag, ohne dass Ihnen die Zimmerdecke auf den Kopf fällt?

Rosmarie Zurfluh: Wenn Sie mit «heute» heute meinen, gibt es ein Programm: Um 18 Uhr spaziere ich von meiner Wohnung aus zur Eintracht, wo ich mich mit guten Kolleginnen zum Jassen treffe. Nach der Polizeistunde führt mich eine der Frauen mit ihrem Auto nach Hause.

Welch ein Zufall – oder gehen Sie jeden Tag zum Jassen?

Zurfluh: Nicht jeden Tag. Aber regelmässig. Ich bin in fünf Jassklübli aktiv. Dass ich ausgerechnet am Tag dieses Interviews in der Eintracht jasse, finde ich lustig.

Ja, und es passt hervorragend. Wie fühlt es sich an, in seiner ehemaligen Beiz als Gast am Jassen zu sein?

Zurfluh: Es ist ein sehr schönes Gefühl. Für mich ist es jedes Mal wie ein Heimkommen, wenn ich die Eintracht besuche.

Sie spielen in fünf Jassklüblis. Für andere Hobbys bleibt Ihnen wohl kaum Zeit. Bedeutet Ihnen Jassen so viel?

Zurfluh: Ja. Die Kameradschaft und den Freundeskreis pflegen und ein paar gemütliche Stunden zu verbringen, sind mir wichtig. Wissen Sie, als mein Mann und ich mit dem Wirten aufhörten, haben wir uns einige Grüppchen aufgebaut. Er war Feuerwehr-Kommandant und hat mit zwei anderen Ex-Kommandanten eine Jassrunde gegründet. Zur Ergänzung durfte immer eine von uns Ehe­frauen einspringen. Als mein Mann vor zwei Jahren starb, durfte ich seinen Platz fix einnehmen. Das macht mich stolz. Auch unsere vier Töchter sind leidenschaftliche Jasserinnen und in Jassgrüppli organisiert.

Jassen Sie um Geld?

Zurfluh: Wir spielen immer um Geld. Dieses fliesst in eine gemeinsame Kasse. Damit finanzieren wir uns kurze Ausflüge in Städte wie Paris, Wien und Prag. Das gibt immer sehr schöne Reisen.

Und welcher ist Ihr Lieblingsjass?

Zurfluh: Der Schieber.

Dieser wird auch an der Zentralschweizer Jassmeisterschaft gespielt. Mit zugelostem Partner. Spielleiter Ernst Marti ermahnt die Spieler jeweils vor Spielbeginn, lieb zueinander zu sein. Zu Recht. Man trifft ja bisweilen auf recht verbissene Spieler. Macht Ihnen das nichts aus?

Zurfluh: Es kommt darauf an. Man weiss nie, mit wem man jassen muss. Wenn mir ein schwieriger Partner zugelost wird, habe ich schon Respekt. Ich hoffe dann, dass er mir meine Fehler nicht nachträgt.

Sie wurden 2007 erste Jasskönigin der Zentralschweizer Meisterschaften. Allzu viele Fehler werden Ihnen kaum unterlaufen?

Zurfluh: Fehler macht jeder. Ich merke, wenn ich einen begangen habe. Dazu brauche ich keinen Partner.

Ärgern Sie sich über Fehler?

Zurfluh: Natürlich ist es schade, wenn man einen Match vergibt. Ich denke jeweils auch: Oh nein, das darf nicht wahr sein. Aber im Nachhinein kann man nichts mehr ändern. Dann ist es vorbei.

Es ist ja immerhin eine Meisterschaft mit guten Preisen. Ein gewisses Mass an Ehrgeiz ist doch angebracht?

Zurfluh: Das sicher, aber ein Jass muss immer gemütlich sein, und jeder Spieler verdient Respekt. Ich ereifere mich deshalb aber nicht. Solche Leute gibt es genug. Schliesslich hängt vieles von guten Karten ab. Im Jahr, als ich im Luzerner Stadtkeller Jasskönigin wurde, habe ich in der Vorrunde in Stans wahnsinnige Karten gezogen. Ich habe mich damals mit einer Tochter für das Finale qualifiziert.

Und dank den Karten gewonnen?

Zurfluh: Mein Ziel war das Finale. Und dort passte es einfach. Einer der Organisatoren sagte mir bei der letzten Partie, dass ich mein Badekleid einpacken könne. Ich wusste zuerst nicht, was er mir damit sagen wollte. Erst bei der Preisverleihung ging mir ein Licht auf.

Was war der Siegerpreis?

Zurfluh: Eine Kreuzfahrt von Venedig nach Istanbul und retour. Darum der Spruch mit dem Badekleid. Ausgerechnet ich, die früher nie gerne in die Ferien ging.

Sagen Sie bloss, Sie haben den Preis nicht angenommen?

Zurfluh: Doch. Da ich die Meisterschaft gewann, habe ich mit meinem Mann natürlich teilgenommen. Es war ein Highlight, wir waren so happy. Fabienne Louves sorgte auf dem Schiff für Unterhaltung, und wir haben tolle Leute kennen gelernt.

Heuer harzt es aber. Sie spielten an vier Ausscheidungen, haben sich aber noch nicht fürs Finale qualifiziert. Nehmen Sie noch ­einen Anlauf?

Zurfluh: Zuerst überlegte ich mir das. Aber wenn es nicht sein soll, dann eben nicht. Ich war ja schon dreimal im Final.

Eine Frage an die Wirtin. Ich habe vor vielen Jahren in der Beiz auf dem Gätterlipass die alte Wirtin beim Jassen erlebt. Sie liess sich nicht vom Spiel abbringen und bediente uns erst, als sie ihre Partie beendet hatte. Ich fand das cool. Waren Sie als Wirtin auch gelegentlich am Jassen?

Zurfluh: Nie. In der «Eintracht» war ich am Arbeiten. Das Wirten war mein Leben. Es gibt nichts Schöneres, als eine gute Gastgeberin zu sein. Ich habe deshalb immer dafür gesorgt, dass die Schwämme zum Putzen der Tafeln feucht sind und dass die Jasskarten sauber waren. Wenn in unserer Gaststube an zwei oder drei Tischen gejasst wurde, machte mich das stolz und glücklich, weil ich wusste, dass sich die Leute wohl fühlen.

Hinweis

Das Finale der Zentralschweizer Jassmeisterschaft findet heute Abend im Stadtkeller in Luzern statt.

Serie: Weitere Beiträge finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/interview

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