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Interview

Quizmaster aus Sachseln: «Das Niveau an der Quiz-EM war erschreckend hoch»

Philipp Rohrer (34) ist Präsident des kürzlich gegründeten Schweizerischen Quiz-Verbandes. Der Vermögensberater aus Sachseln hat mit der Nationalmannschaft an der Europameisterschaft teilgenommen. Er will Quizzen als Wettkampfsport etablieren.
Roger Rüegger (55)
Philipp Rohrer (34) lebt nach dem Motto: Je älter man ist, desto mehr weiss man. (Bild: Dominik Wunderli, Sachseln, 18. Januar 2019)

Philipp Rohrer (34) lebt nach dem Motto: Je älter man ist, desto mehr weiss man. (Bild: Dominik Wunderli, Sachseln, 18. Januar 2019)

Philipp Rohrer, der Satz: «das ist der Fussballer Moldovan» sorgte in der Schweiz 1998 für Furore. Was war damals?

Tommaso Ramundo sorgte bei der Sendung Risiko mit Gabriela Amgarten für Aufregung. Er gab die richtige Antwort zu einer Frage, die noch gar nicht gestellt war. Er wusste die Antworten, weil sie ihm jemand verriet, der bei den Proben dabei war.

Das war nicht so schwer, gell?

Wenn dies ein Quiz wird, können gerne weitere Fragen dieser Kategorie kommen. Das macht Spass.

Sie wollen das Quizzen in der Schweiz etablieren. Das ist es doch längst. Fast zu jeder Tageszeit bringt eine TV-Station ein Quiz. Auch in Radios und Zeitungen wird gerätselt.

Aber bis heute tut das in der Schweiz jeder mehr oder weniger für sich. Es gibt kaum Veranstaltungen, bei denen Einzel-Quizzes angeboten werden. Wir versuchen, neu mit Veranstaltungen Leute zusammenzubringen, die Spass am Quizzen haben, aber sich auch mit ihrem Wissen messen wollen.

Weshalb braucht es dafür einen Verband?

Es vereinfacht die Abläufe. Wir können so auch Quizzes des internationalen Quiz-Verbands anbieten und die dezentral gespielten Quiz-Weltmeisterschaften in der Schweiz durchführen.

Wurden Sie durch Fernsehen und Radio beeinflusst?

Ja, durch Quizsendungen wie «Risiko», «Megaherz» und «Wer wird Millionär?».

Welches ist Ihr Lieblings-Quiz im Fernsehen?

«Gefragt gejagt», bei dem vier Kandidaten gegen einen Jäger spielen. Diese sind meist halbprofessionelle Quizzer.

Hier ein Test: Wer erzielte im Finale der Fussball-WM 1986 das entscheidende Tor?

Der Argentinier Jorge Luis Burruchaga.

Das wissen Sie doch nur, weil ich Ihnen die Frage neulich am Telefon gestellt habe?

Das sagen Sie. Das Wichtige ist, dass ich mir die Information merken konnte und auch in Zukunft immer abrufen kann.

Machen Sie bei Quizzes am Radio oder am TV mit?

Noch nicht. Ich lebe nach dem Grundsatz: Je älter man ist, desto mehr weiss man. Die besten Quizzer sind zwischen 55 und 60 Jahre alt. Also warte ich. In naher Zukunft werde ich versuchen, an einem Quiz teilzunehmen.

Sie schneiden sicher gut ab.

Ich bin eher Mittelmass. Beim ersten öffentlichen Quiz, das wir letzten Montag im «Magdalena» in Luzern durchführten, wurde ich Dritter. Das ist gut. Wenn man siegt, lernt man weniger, als wenn man hinten rangiert. So gesehen profitieren jene, die nicht so viel wissen, am meisten.

Nächste Quizfrage: Welcher Schweizer Unternehmer wurde 1972 in Sapporo...

Blitzschnell antwortet Rohrer: Bernhard Russi... Ah nein, Sie sagen ein Unternehmer...

...Olympiasieger im Viererbob? Lassen Sie mich doch ausreden!

Hausi Leutenegger. Im Quizzen gibt es Zeitlimiten, darum muss man rasch reagieren und 100 Fragen in 50 Minuten beantworten.

Sie bildeten im November mit zwei Kollegen die erste Schweizer Nationalmannschaft und nahmen in Venedig an der Quiz-Europameisterschaft teil. Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt.

Ich auch lange nicht. Bis ich bei der Quizsendung «Gefragt gejagt» bemerkte, dass die Jäger einem Quizverein angehören. So stiess ich auf die EM.

Welcher römische Legionär wollte in «Streit um Asterix» seinen Kameraden die psychologische Kriegsführung mit der Keule beibringen?

Asterix habe ich nie gelesen. Darf ich jemanden anrufen?

Das ist bei Interviews unüblich. Sie haben 30 Sekunden!

Rohrer kontaktiert einen Kollegen. Rasch kommt die Antwort:

Destructivus.

Richtig ist: Legionär Taubenus. Tullius Destructivus hatte auch eine Rolle. Doch Respekt vor Ihrem Kollegen. Seine Recherche war beinahe erfolgreich. Kommen wir auf Ihre EM-Teilnahme zurück. Sie wurden 19. Wie gut ist das?

Wir waren das Team, das am meisten gelernt hat. Das Niveau war erschreckend hoch.

Gabs Fragen wie: «welcher sowjetische Aussenminister war bei der Kubakrise dabei»?

In etwa so. Bei Geschichte erwischen Sie mich auf dem falschen Fuss. Ich würde hier Breschnew antworten, weil der nach Chruschtschow Präsident wurde. Unwahrscheinlich, aber vielleicht war er vorher ja Aussenminister. Wichtig ist, dass man eine Antwort hinschreibt, auch wenn man sich nicht sicher ist. Es gibt keinen Abzug für falsche Antworten.

Es war Andrei Gromyko. Die frühere Titelmusik der Rundschau im Schweizer Fernsehen war welche?

Keine Ahnung. Wann war die?

In den 70-er und 80-er Jahren. Die kannte jeder. Crosswinds von Billy Cobham.

Nie gehört. Ich bin erst 34.

Wie lernt man auf einen Wettkampf hin?

Das ist eigentlich unmöglich, weil die Fragen ein breites Spektrum abdecken. Alles, was man liest und hört, ist ein Lernen. Die Kunst ist es wohl, das Wissen abzurufen, wenn man es braucht.

Neuerdings organisieren Sie Quizabende in Luzern. Was motiviert Sie dazu?

Weil ich gerne Quizzes mache und glaube, dass dies ein Bedürfnis ist. Es gibt Veranstaltungen in anderen Ländern. Auch in Pubs werden Quizzes gemacht. An unserem ersten Abend kamen 18 Personen. Für den nächsten am 28. Januar im «Parterre» in Luzern haben sich bereits einige erneut angemeldet. Auch Auswärtige aus Bern und Zürich.

Kann man etwas gewinnen?

Nur Ruhm und Ehre. Wer die meisten Fragen richtig beantwortet, hat gewonnen. Dafür kostet die Teilnahme nur 7 Franken. Verbandsmitglieder bezahlen sogar nur 5 Franken. Diese können ihre Punkte für die Schweizer Meisterschaften sammeln. Im Herbst findet dann die EM in Sofia statt und die Besten des Landes dürfen da die Schweizer Nati repräsentieren, wenn sie wollen.

Letzter Test: Wer war der erste Mensch im Weltall?

Juri Gagarin. Mann, bin ich froh, dass ich zum Abschluss eine Frage richtig beantworten konnte!

Hinweis: Mehr Infos zum Schweizerischen Quiz-Verband finden Sie unter www.quizzing.ch

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