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Das Siegel der Bestätigung

Die fernöstliche Lebenseinstellung Zen gewinnt im Westen immer mehr Anhänger. Im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn ist mit dem so genannten «Inka Shomei» ein neuer Zen-Meister ernannt worden.
Haymo Empl
Zen-Meister Niklaus Brantschen (Mitte) und sein Nachfolger Dieter Wartenweiler. Rechts daneben Zen-Meisterin Anna Gamma. (Bild: Werner Schelbert (Edlibach, 3. Juni 2018))

Zen-Meister Niklaus Brantschen (Mitte) und sein Nachfolger Dieter Wartenweiler. Rechts daneben Zen-Meisterin Anna Gamma.
(Bild: Werner Schelbert (Edlibach, 3. Juni 2018))

Bei strahlendem Wetter sind am vergangenen Wochenende die zahlreichen Gäste und Familienmitglieder eingetroffen, die einem feierlichen Akt beiwohnen durften: der Zeremonie des «Inka Shomei» im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn im zugerischen Edlibach. Lange vor der eigent­lichen Zeremonie waren auf den wunderschönen, nach Holunderblüten duftenden Pfaden auf der denkmalgeschützten Anlage bereits zahlreiche Menschen zu sehen, die sich auf den besonderen Anlass einstimmten.

In der Ferne die Hochhäuser und Gebäude vom geschäftigen Zug, auf den Wegen und Sitzbänken rund um die Räumlichkeiten die Anhänger des «Zen», einer fernöstliche Lebenseinstellung; je nach Standpunkt auch ein Religionszweig – in einem Haus, das vom Jesuiten-Orden getragen wird.

Eine zentrale Aufgabe

Passt das? Direktor Tobias Karcher dazu: «Für den Jesuitenorden weltweit sowie für das Lassalle-Haus ist der interreligiöse Dialog eine zentrale Aufgabe, die er von vergangenen Päpsten erhalten hat und diesen Dialog als Dienst für Kirche und Gesellschaft ausübt.» Eine klare Aussage des Direktors also.

«Niklaus Brantschen hat als Schüler von Lassalle den Grundstein des Zen Anfang der 1990er-Jahre in Bad ­Schönbrunn gelegt und somit den Schwerpunkt des inter­religiösen Dialoges begonnen. Mit der Ernennung von Dieter Wartenweiler zum Zen-Meister durch Niklaus Brantschen kann die Glassman-Lassalle-Linie in die nächste Generation geführt werden.»

Tor des süssen Nektars

Um 10 Uhr begann dann am Samstag die eigentliche Zeremonie. Viele der Anwesenden schienen mit dem Ablauf der «Inka Transmission Zeremonie» bestens vertraut zu sein. Die Rituale unterscheiden sich teilweise erheblich von denjenigen unseres von christlicher Sozialisation geprägtem Verständnisses: Vieles fand sitzend statt, die verwendeten Instrumente waren für jemanden aus dem europäischen/christlichen Kulturkreis wohl ebenfalls grösstenteils unbekannt, die Kleidung fremd und die von der ­Gemeinschaft rezitierten Texte – teilweise in Sanskrit – unverständlich. «Indem wir das Tor des ‹süssen Nektars rezitieren, weihen wir seine Verdienste unserer matriarchalen Ahnenreihe», wurden die Teilnehmer der Zeremonie aufgefordert. Ein «Dharani der Einladung zur Manifestation aller Götter und Dämonen» wurde von der Gemeinschaft beispielsweise mit «No Bo Bo Ho Ri Gya Ri Ta Ri Ta Ta Gya Ta Ya» rezitiert.

Lehrer Niklaus Brantschen fasst die Zeremonie wie folgt zusammen: «Es beginnt mit einem feierlichen Einzug, von traditionellen Klanginstrumenten begleitet. Dabei wird auch Weihrauch dargebracht. Nach einer Begrüssung folgt die buddhistische Liturgie, in der diverse Texte rezitiert werden.» Nach etwas mehr als 90 Minuten folgte schliesslich das eigentliche Ritual «Inka Shomei». Schüler Dieter Wartenweiler erklärt: «Mit der Übertragung von Inka Shomei, wörtlich ‹Siegel der Bestätigung›, wird ein neuer Zen-Meister ernannt und gleichzeitig dessen volles Verständnis des Zen bezeugt.» Dabei würde es um die tiefe Erkenntnis des «Seins» jenseits aller Gegensätze gehen, fährt Dieter Wartenweiler fort. «Zen-Meister Niklaus Brantschen setzt mich damit als seinen Nachfolger in die jahrhundertealte Zen-Tradition ein und gewährt dadurch die volle Lehrbefugnis einschliesslich der Kompetenz zu deren Weitergabe an eigene Nachfolger.» Lehrer Niklaus Brantschen ergänzt: «Die eigentliche Transmission ist das zentrale Element der Feier – bei der Übergabe der Insignien an den neuen Meister erhält dieser ­einen zusätzlichen Namen, ein goldenes Band – ‹Rakusu› genannt – und einen Stempel.»

Ehre und Verpflichtung

Wie wichtig die Ernennung zum Rōshi, also zum Zen-Meister, für Dieter Wartenweiler ist, lässt sich – wenn man nicht zum Kreis der Zen-Gemeinschaft gehört – nur erahnen. «Die Ernennung zum Zen-Meister richtet sich für mich nicht wesentlich an meine vordergründige Person, sondern bestätigt vielmehr, dass die persönliche Ebene von mir transzendiert worden ist», erklärt Dieter Wartenweiler. In der äusseren Welt bedeute «Inka Shomei» für ihn gleichermassen Ehre und Verpflichtung. Im Einstehen für ein unverfälschtes Zen sollen Meditierende gefördert und gefordert und die eigene Zen-Linie gestärkt werden. «Und zugleich mag Zen als ­religionsübergreifender Erfahrungsweg mit seiner Unterstützung weitere Anerkennung finden». In diesem Sinne geht seine Ausrichtung dahin, dass viele Menschen die Weite unseres ­Daseins realisieren und darin innere Freiheit finden mögen.

Niklaus Brantschen ergänzt betreffend der Relevanz dieser Zeremonie: «Die langjährige Freundschaft, die sich durch die Schüler-Lehrer-Beziehung entwickelt hat, wandelt sich jetzt zu einer Beziehung auf Augenhöhe. Ich freue mich, dass Dieter mit Anna Gamma und mir die Verantwortung für den weiteren Weg unserer Zen-Linie teilen wird.»

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