Das waren noch Zeiten

Im Kanton Schwyz zahlt der Bürger vergleichsweise tiefe Steuern. Wer aber annimmt, es ginge nicht noch tiefer, der täuscht sich.

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Franz Marty 1995 bei einem Auftritt vor den Medien. (Bild: Bruno Marty)

Franz Marty 1995 bei einem Auftritt vor den Medien. (Bild: Bruno Marty)

Schwyz war früher ein armer Bauernkanton. Diese Feststellung zieht sich wie ein roter Faden durch die Bände der «Geschichte des Kantons Schwyz». Nur eine zahlenmässig kleine Oberschicht verfügte vor 200 Jahren über Reichtum und Grundbesitz. Der grösste Teil der Bevölkerung lebte bescheiden. Dementsprechend gering waren die Leistungen, welche der Staat für die Einwohner erbrachte. Und wenn er schon kaum tätig war, brauchte er dazu auch kein Geld, zog also auch keine Steuern ein.

Landwirtschaft steuerfrei

Erst 1848 wurde erstmals eine befristete Steuer auf Vermögen und Einkommen eingeführt, sechs Jahre später aber schon wieder abgeschafft. «Es blieb dem Staat eine geringe Steuer vom Vermögen», schreibt dazu der Historiker Meinrad Suter in der Kantonsgeschichte. Besteuert wurden nur Gewerbe und Industrie, nicht aber die Landwirtschaft, was den Bauernstand bevorteilte. «Die Erhebung geschah, nicht zum Vorteil der öffentlichen Kassen, durch Selbsteinschätzung», so Suter.

Als Beispiel für die Finanzknappheit des damaligen Kantons führt Suter ein Schwyzer Bataillon an, dem 1876 in Luzern das Geld zur Soldauszahlung fehlte: «Von den dortigen Banken war nur ein Kredit zu erhalten, nachdem der Landammann persönlich die Schuld garantiert hatte.»

Keine Einkommenssteuer

1897 zahlten 70 Prozent der Schwyzer Bevölkerung nur eine geringe Kopfsteuer, weitere 21 Prozent versteuerten ein Vermögen von lediglich 1000 bis 10 000 Franken. Einkommenssteuern lehnte das Volk 1895, 1914 und 1920 und in weiteren Jahren immer wieder ab. Zudem hatte der Kanton keinen Einfluss auf die Steuereinschätzung, sie war Sache der Gemeinden. Umgekehrt tat der Staat im Vergleich zu heute auch sehr wenig für den Bürger. Da war noch kein Sozialwesen, keine staatliche Fürsorge, die Schulbildung war nur rudimentär, es gab kaum richtige Strassen und staatliche Einrichtungen.

Die Wende von 1936

Eine Wende brachte das Jahr 1936. Die Steuereinschätzung wurde von den Gemeinden an den Kanton übertragen, erstmals wurde – im sechsten Anlauf – auch eine Einkommenssteuer beschlossen. Sie belastete 1938 die Schwyzer Bevölkerung mit nur 1.31 Franken pro Kopf, während damals andere Kantone wie St. Gallen 9.50 Franken oder Glarus 14.56 Franken pro Kopf erhoben. Es folgten eine Steueramnestie und 1946 nochmals eine Revision des Steuergesetzes. Jetzt erst kannte der Kanton Schwyz ein modernes Einkommenssteuerprinzip mit ergänzender Vermögenssteuer. 1958 stimmte das Volk einer Grundstückgewinnsteuer zu, 1961 begann der Kanton, damals immer noch einer der finanzschwächsten Kantone der Schweiz, die Domizil- und Holdinggesellschaften steuerlich zu begünstigen.

Ab den Siebzigerjahren erstarkte der Kanton finanziell, vor allem dank vieler Zuzüger. Von 1967 bis 2004 stieg die Zahl der Steuerpflichtigen von 37 000 auf 81 000, jene der Firmen von 700 auf 7400. Wobei der Kanton selber trotz allem stets auf Sparsamkeit bedacht blieb. Und schliesslich kamen die Neunzigerjahre, in denen der damalige Schwyzer Finanzdirektor Franz Marty jeweils an legendär gewordenen Auftritten über Überschüsse von mehr als 80 Millionen Franken (1998: 87 Mio.) in der Staatsrechnung berichten konnte.

Bert Schnüriger