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Der Afrikaner vom Maihof

Entwicklungshelfer, Delegierter des IKRK, Wahlbeobachter: Dieter Gemsch vom Maihof in Schwyz verbrachte in all diesen Funktionen mehrere Jahre seines Lebens auf dem schwarzen Kontinent.
Bert Schnüriger
Der Buchautor Dieter Gemsch im Park seines Hauses Maihof, einem alten Schwyzer Herrenhaus.

Der Buchautor Dieter Gemsch im Park seines Hauses Maihof, einem alten Schwyzer Herrenhaus.

Gemsch war Zuchtbuchführer in Angola, kehrte Jahre später als Rotkreuz-­Mitarbeiter in dieses Land zurück und wechselte später in gleicher Funktion nach Südafrika. Wieder nach Afrika kam er ein paar Jahre später als Entwicklungshelfer in Guinea-Bissau. Und weil ihn der Kontinent nicht losliess, bewarb er sich in den Neunzigerjahren auch als Wahlbeobachter in Mosambik, Angola und Sierra Leone.

«Afrikanische Episoden»

Von einem seiner Vorgesetzten wurde Gemsch einmal in Angola als «Schweizer Viehzuchtexperte mit schwarzer Seele» vorgestellt, so gut habe er sich in die afrikanischen Verhältnisse eingelebt. Gemsch selber gibt sich da allerdings bescheidener: «Ein Nicht-Afrikaner kann Erinnerungen an wunderbare Menschen mitnehmen, die in einer urtümlichen Welt leben», schreibt er in seinem soeben erschienenen Buch mit dem Titel «Afrikanische Episoden». Aber vom authentischen Afrika könne er nur schwer erzählen oder dann nur episodenhaft.

Maschinengewehr-Feuerwerk

Wobei Dieter Gemsch zum Glück auch ein äusserst unterhaltsamer Erzähler ist. Er schildert ungezählte Erlebnisse derart packend, dass man das einmal aufgeschlagene Buch danach kaum mehr weglegt. Und man liest, wie Gemsch mit Freunden Silvester 1983 feierte, als draussen im Garten ein Soldat mit einem Maschinengewehr und Leuchtspurmunition das neue Jahr «einläutete»: «Ich näherte mich vorsichtig mit dem Vorschlag, für ein Bier aufzuhören. Für einen ganzen Kasten Bier würde er mir das Maschinengewehr übergeben, schlug der Soldat vor. Der Handel wurde abgeschlossen, und ich versteckte die Mordwaffe im hintersten Teil des Gartenhauses.»

Kalaschnikows

Einmal geriet Gemsch im angolanischen Bürgerkrieg mit seinem Auto in einen Hinterhalt: «Ich bog um eine Felsformation. Nach einem Überfall lagen hier Tote und Verletzte unter oder neben ausgebrannten Fahrzeugen. Und zum Wenden war kein Platz. Schon kamen der Comandante und einige Guerilleros mit angeschlagenen Kalaschnikows bedrohlich näher. Ich wandte mich an den Comandante mit der Frage, ob ich irgendwie behilflich sein könnte.» Der Kommandierende lachte und sagte zum Schweizer: «Du scheinst recht gute Nerven zu haben, dass du nicht in die Hosen machst. Du kannst weiterfahren.» Bei einer anderen Gelegenheit hatte Gemsch ebenfalls Glück. Die damalige DDR hatte als Entwicklungshilfe riesige Mähdrescher nach Angola geschickt. Gemsch erzählt, wie ihm drei dieser riesigen Fahrzeuge entgegenkamen und er vorsichtshalber anhielt. «Einer nach dem anderen kippte in den Strassengraben. Wäre ich weitergefahren, so läge mein Grab unter diesen Mähdreschern.»

Gemschs Episoden schildern auch traurige Ereignisse wie etwa den Unfalltod eines Vorgesetzten oder den Mord an einem IKRK-Kollegen, der Korruption im Strassenbau aufgedeckt hatte. Und nicht alle Europäer, die Gemsch in Afrika als Entwicklungshelfer erlebte, kommen in seinem Buch gut weg. Viele würden sich dort als ausgewählte Elite sehen, «als gehobene Kaste mit nur gelegentlichem Kontakt mit den untergeordneten, einheimischen Menschen. Die natürliche Erotik der Afrikanerin wird der angeblichen Überlegenheit der aufgeklärten weissen Rasse untergeordnet. Die Quintessenz ist die Missionarsstellung.»

Das Buch: Afrikanische Episoden: Herausgeber Carl J. Wiget, im Buchhandel für 34 Franken.

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