Der grosse Tag von Trompete Yamaha

Seit Donnerstag ist die Fasnacht in Schwyz wieder Trumpf. Für Unzählige beginnen am Schmutzigen Donnerstag die schönsten Tage des Jahres. Auch für die Trompete Yamaha.

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Alltag einer Schwyzer Trompete. (Bild: Mark Walther/Neue SZ)

Alltag einer Schwyzer Trompete. (Bild: Mark Walther/Neue SZ)

Zu dieser breiten Masse von Fasnachtsbegeisterten gehöre auch ich. Denn die Fasnacht ist die einzige Zeit im Jahr, in der ich unters Volk komme und sogar laute Töne spucken darf. Die restliche Zeit verbringe ich in einem engen, unkomfortablen Koffer.

Gestatten, ich bin die Trompete Yamaha und gehöre Lukas Betschart, seines Zeichens Mitglied der ersten Trompetenstimme der Guuggenmusig Rampassä aus Schwyz.

«Schönste und strengste Tage»

Ursprünglich stamme ich aus einer edlen Familie und kann mich selbst rühmen, eine Profitrompete zu sein. Auch mein goldig-glänzendes Aussehen wird immer wieder aufs Neue bewundert. Mein Herrchen Lukas hat also keinen Fehlgriff getätigt, als er mich vor gut zehn Jahren in seinen Besitz nahm. Seither sind wir ein perfekt eingespieltes Duo, das Jahr für Jahr einen wichtigen Teil der Schwyzer Fasnacht darstellt.

Sie können sich also vorstellen, wie sehr ich mich in den letzten Tagen auf den Fasnachtsstart am Schmutzigen Donnerstag gefreut habe. Und gestern, da kribbelte es schon fast unerträglich. Lukas liess sich nämlich Zeit mit dem Aufstehen, tankte noch die letzte Energie für die anstehenden Ereignisse. «Es sind ja nicht nur die schönsten Tage im Jahr, sondern auch die strengsten», wie er zu sagen pflegt.

Am Mittag begab er sich dann ins Schwyzer Hinterdorf, wo er zusammen mit seinen Kameraden geschminkt wurde. Gottlob musste ich diese Tortur nicht über mich ergehen lassen! Als schliesslich alle Musikanten ihren Anstrich bekommen hatten, sahen sie sich zum Verwechseln ähnlich. Jetzt war alles bereit zum Abmarsch. Endlich ging es los! Alle Rampassä versammelten sich – und gemeinsam ging es zum Hauptplatz.

Der Einmarsch dort fröstelt einen immer ein wenig, selbst wenn man so routiniert ist, wie Lukas und ich es sind. Die Leute halten in ihren Gesprächen inne und schauen uns fast schon ehrfürchtig an. Nur die Kinder, die bleiben gelassen und besprühen uns stattdessen mit ihren klebrigen Würmern aus der Dose.

Höhepunkt am Abend

Vorderhand war aber noch eine andere Guuggenmusig am Spielen auf dem Hauptplatz, was Lukas veranlasste, noch ein wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Gegen die Nervosität? «Nein», meinte er, «die hat sich im Laufe der Jahre gelegt. Aber mit einer trockenen Kehle lässt sich nicht Trompete spielen.» Bei der Darbietung machten wir anschliessend keine schlechte Gattung. Trotzdem fühlte ich mich neben all den Pauken, Posaunen und Sousafons wieder einmal etwas gar klein gewachsen. Doch wir Trompeten brauchen uns nicht zu verstecken. Unsere Bläser verfügen über genug Puste, um aus uns die schönsten Töne herauszukitzeln. Dafür haben sie schliesslich seit über einem halben Jahr geprobt. «Ausreichend Puste zu haben, ist beim Trompetenspielen überaus wichtig. Wer nicht genug übt vor der Fasnacht, dem wird die Puste mit Sicherheit ausgehen», erklärte Lukas nach dem Auftritt einem interessierten Zuschauer. Dem hatte unsere Darbietung offensichtlich gefallen, ebenso wie allen anderen Schaulustigen. Dennoch machten wir uns bald von dannen, tanzten in der Schlangenformation durch Schwyz. Da musste sich auch der Bus mal ein Weilchen gedulden!

Der Höhepunkt des Tages folgte jedoch am Abend. Bei der «Harpfnätä» trafen sich die Grössen der örtlichen Guuggenszene. Bis tief in die Nacht glich das Schwyzer Zentrum einer Festhütte. Ich genoss die prickelnde Atmosphäre, auch wenn der Atem meines Spielers plötzlich nicht mehr so nach Zahnpasta roch.

So darf ich fast nicht daran denken, dass die Fasnacht in Kürze bereits wieder vorbei ist und Lukas mich dann gründlich putzt. Damit ihm im nächsten Jahr auch ja kein Konfetti entgegenflattert, wenn er mich wieder aus dem Koffer nimmt.

Mark Walther