Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der lange Weg zur Legalisierung
der Homosexualität

Über vierzig Jahre stritten die Parlamentarier darüber, ob die gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe gestellt werden soll oder nicht. 1942 entschied man sich schliesslich gegen die Bestrafung. Für die Homosexuellen war das aber nicht nur positiv: Ihre sexuelle Präferenz galt fortan als Krankheit.
Lena Berger

Bevor das eidgenössische Strafrecht 1942 in Kraft trat, hatte jeder Kanton seine eigene Gesetzgebung. Das hatte zur Folge, dass es auch betreffend die Homosexualität sehr unterschiedliche Regelungen gab. Die meisten Deutschschweizer Kantone orientierten sich am Deutschen Recht, das bei «widernatürlicher Unzucht zwischen Personen männlichen Geschlechts» eine Gefängnisstrafe vorsah. Das vorgesehene Strafhöchstmass war sehr unterschiedlich, es konnte in einzelnen Kantonen bis zu zehn Jahre betragen.

Im Jahr 1898 erhielt der Bund durch eine Volksabstimmung das Recht, ein eidgenössisches Strafrecht auszuarbeiten, das die kantonalen Regelungen ablösen sollte. In der Folge wurde über die Legalisierung der Homosexualität mehr als 40 Jahre gestritten. Verzögert durch den ersten Weltkrieg präsentierte der Bundesrat erst 1918 einen Entwurf für ein eidgenössisches Strafgesetzbuch, der von einer Kommission unter der Leitung des Zürcher Strafrechtsprofessors Ernst Hafter erarbeitet worden war. Dieser sah vor, einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen gleichen Geschlechts zu legalisieren. Weiterhin strafbar bleiben sollte der gleichgeschlechtliche Sex zwischen Erwachsenen und Jugendlichen unter 16 Jahren, das Ausnützen einer Notlage oder Abhängigkeit sowie die homosexuelle Prostitution.

Homosexualität wurde von der «Sünde» zur «Krankheit»

In der Folgezeit wurde die Revision des Militärstrafrechts priorisiert. Dieses stellte sämtliche gleichgeschlechtlichen Handlungen unter Strafe, weil gemäss Hafter die Homosexualität im Militärdienst eine «grössere Gefahr» sei, als im bürgerlichen Leben. Der Entwurf des Zivilen Strafgesetzbuches wurde erst 1929 im Nationalrat diskutiert. Der Passus über die gleichgeschlechtliche Liebe führte zu heftigen Debatten. Die Konservativen prophezeiten eine Ausbreitung der Homosexualität durch deren Legalisierung. Die Liberalen argumentierten, dass Homosexuelle Opfer ihrer Veranlagung seien, die sie nicht ändern könnten, der man aber Grenzen setzen müsse. Die Sozialdemokraten verlangten, die Unzuchts-Artikel ersatzlos zu streichen. Schliesslich wurde die Vorlage an die vorberatende Kommission zurückgeschickt.

Eine zwiespältige Rolle spielte in dieser Zeit die Psychiatrie. So machte sich der Schweizer Psychiater August Forel einerseits stark für die Entkriminalisierung, gleichzeitig forderte er eine verstärkten Schutz vor einer «Ansteckung.» Dahinter steckte die Auffassung, dass Homosexualität eine (Geistes-)krankheit sei. So wurde das «Problem Homosexualität» von der Öffentlichkeit der Gerichte in die Psychiatrie und damit hinter verschlossene Türen verschoben.

Letztlich setzte sich die Legalisierung in den eidgenössischen Räten 1929/1931 dank des Arguments durch, dass sie das beste Mittel sei gegen Erpressungen und Skandale. Das Strafgesetzbuch wurde 1937 verabschiedet und 1938 bei einer Volksabstimmung angenommen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.