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Der schnelle Velofahrlehrer

Der 52-Jährige ist ein Bewegungsmensch, fährt in allen Jahreszeiten Velo und rennt viel. Am Sonntag hat sich Thomas Scherer das 111. Mal in diesem Jahr die Laufschuhe geschnürt und das Heimspiel genossen.
Roland Eggspühler
Trainingsstart vor der Luzerner Stadtverwaltung (Eveline Beerkircher, 24. Oktober 2018)

Trainingsstart vor der Luzerner Stadtverwaltung (Eveline Beerkircher, 24. Oktober 2018)

Es ist ein sonniger Mittag Anfang September. Ich renne der Reuss entlang. Beim Kasernenplatz fällt mir ein anderer Jogger auf, der ebenfalls in zügigem Tempo unterwegs ist. «Klar, es ist ja schon bald wieder Marathon ...», geht mir durch den Kopf. Mit der Zeit erkenne ich, dass es sich um Thomas Scherer handelt.

Ich versuche, zu ihm aufzuschliessen – er hatte unseren Kindern, als sie in der Unterstufe der Primarschule waren, im Rahmen eines Pro-Velo-Kurses das Radfahren im Stadtverkehr vermittelt. Als ich (endlich) auf gleicher Höhe bin, grüsse ich ihn herzlich, und wir kommen im Laufschritt zusammen ins Gespräch.

Rund 1000 Kindern Sicherheit vermittelt

Dass er sich nicht mehr an mich erinnern kann, ist völlig nebensächlich, aber irgendwie logisch: Denn der fragliche ProVelo-Fahrkurs liegt Jahre zurück, und Thomas Scherer leitet dieses Angebot seit gegen 20 Jahren. Bei vier bis fünf doppelt geführten Kurstagen pro Jahr macht das total rund 1000 Kinder (und deren Eltern), denen er Sicherheit auf dem Fahrrad im Stadtverkehr vermittelt hat. «Das war ich mir gar nicht bewusst, dass das so viele sind», zuckt er mit den Schultern: «Bei den Fahrkursen führte ich nie Buch, im Unterschied zu meinen Lauftrainings. Da ist alles im Detail dokumentiert!»

Auf dem Weg zur Rathausbrücke erzählt Thomas Scherer, dass das seine 93. Trainingseinheit in diesem Jahr sei. Und dass er über Mittag sonst meist in einer bunt zusammengewürfelten Gruppe trainiere, die von zwei Orientierungsläufern initiiert worden sei. «Aber heute sind alle verhindert. Dann bin ich eben alleine gegangen und renne in einem höheren Tempo, um für den Halbmarathon schnelle Beine zu haben.»

Etwas später, als wir wieder Reuss aufwärts unterwegs sind, erhalte ich eine kleine Kostprobe in Form einer Tempoverschärfung serviert. Der Grund dafür ist simpel: Thomas Scherer muss zurück in sein Büro im Stadthaus, weil er schon bald einen Sitzungstermin hat. «Mir tut das Joggen über Mittag echt gut. Da kann ich den Kopf durchlüften und bin wieder richtig bereit für den Nachmittag», stellt er fest, als wir uns verabschieden.

Spezialsupport in Horw

Szenenwechsel: Am Sonntag vor dem Verkehrshaus. Es ist kurz vor halb neun und nicht mehr so angenehm warm, wie an jenem Septembermittag, an dem ich mit Thomas Scherer an der Reuss unterwegs war. Er läuft sich ein, und ich frage ihn nach dem Stand der Dinge: «Diese Woche machte ich Training Nummer 110, total bin ich jetzt auf 1200 Kilometer. Ich fühle mich bereit.»

Tönt gut und sehr zuversichtlich ... ... beim Shoppingcenter Schönbühl sehe ich ihn dann neben mir, sein Schritt sieht locker aus – und die Bestätigung folgt auch gleich: «Ich habe schnell einen guten Rhythmus gefunden, und du?» – «Ähhm, ja. Ich suche ihn gerade noch!»

Wir lachen über den Small Talk, den wir da unterwegs führen. Denn das eigentliche Thema wäre: Es ist kalt, und mit dem auffrischenden Wind fühlt sich das Ganze noch kälter an, als es ohnehin schon ist. In den Hügeln der Horwer Halbinsel sind unsere Tempi unterschiedlich, in den Abfahrten rollen Scherers Beine rund, in den Anstiegen schliesse ich wieder auf. In Horw geniesst Thomas Scherer den Spezialsupport seiner Schwiegereltern – nachdem er schon in der Stadt ein Heimspiel hatte, weil ihn unzählige Bekannte anfeuerten.

Bis zum KKL ist es sehr gut gelaufen

Wir sind jetzt seit knapp einer Stunde unterwegs, und jeder ist immer mehr in sich gekehrt. Der Körper möchte von Kohlehydrat- auf den langsameren Fettstoffwechsel umstellen, Scherer versucht, ihn mit einem Power-Gel davon abzuhalten. Zum Glück gibt es keine Stilnoten, denn mit den steifen Fingern lässt sich der Gel-Beutel nicht wirklich gut öffnen. Aber das Gel scheint Wunder zu wirken: Thomas Scherer zündet den Turbo, ich verabschiede mich mit einem «ich wünsche dir einen guten Rest» und bleibe bei meinem Tempo. Wissend, dass mein persönliches Heimspiel für mich als Würzenbächler noch vor mir liegt.

Thomas Scherer sehe ich erst im Ziel wieder, wo er Bilanz zieht: «Bis und mit KKL lief es mir sehr gut. Der Rest war dann nur noch ein Durchbeissen.» Er freut sich über seine Zeit von 1:32:48 und auf die andere Facette des Heimspiels: «Mein Velo wartet dort drüben, und in einer halben Stunde bin ich zu Hause in der warmen Stube.»

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