Der Schwyzer Bauernschwund

Neue Zahlen des Bundes zeigen: Es gibt immer weniger Bauernbetriebe. Dabei war die Landwirtschaft früher die tragende Säule der Schwyzer Wirtschaft.

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Die Bauern (Bild: Viehmarkt Rothenthurm) sind längst nicht mehr dominierender Schwyzer Wirtschaftszweig. (Bild: Erhard Gick/Neue SZ)

Die Bauern (Bild: Viehmarkt Rothenthurm) sind längst nicht mehr dominierender Schwyzer Wirtschaftszweig. (Bild: Erhard Gick/Neue SZ)

Die Zahlen sind nagelneu, sie kamen gestern vom Bund: Im Kanton Schwyz wurden letztes Jahr nur noch 1711 Landwirtschaftsbetriebe gezählt, 23 weniger als im Vorjahr. Noch im Jahr 2000 waren es 1985. Bauern geben auf oder legen ihre Betriebe mit jenen von Nachbarn zusammen. Die Medien berichten immer wieder über Versteigerungen wegen Hofaufgaben. In den 1711 Schwyzer Bauernbetrieben sind noch derzeit 4363 Personen beschäftigt, das sind nur noch 5,2 Prozent der Erwerbstätigen im Kanton. Noch 1960 lag dieser Anteil der Bauern im Kanton Schwyz bei immerhin 18,6 Prozent.

Einst das Rückgrat

Diese Zahlen stehen für einen markanten Wandel in der kantonalen Wirtschaft. Aufgezeigt wird er in der kürzlich erschienenen «Geschichte des Kantons Schwyz». Der Zürcher Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann hält dort unter anderem fest: «Um 1800 lebte die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung von der Landwirtschaft und der Heimarbeit.»

Im 19. Jahrhundert geriet auch der Kanton Schwyz langsam in den Sog der Industrialisierung. «Er blieb aber im Kern ein Landwirtschaftskanton», so Straumann. Denn die traditionelle Führungsschicht wollte Gewerbe und Industrie nicht aufkommen lassen. Im Gegenteil: Die Bauern wurden damals massiv steuerlich begünstigt. Noch vor hundert Jahren wurden im Kanton Schwyz lediglich Vermögenssteuern eingezogen, wobei man das landwirtschaftliche Vermögen ausdrücklich nicht erfasste.

1870 waren es noch 10'700

Von 1870 bis 1910 war die Anzahl der Schwyzer Bauernbetriebe von 10 700 auf 8900 gesunken. Damit lief das Bauernsterben im Kanton damals langsamer ab als in der gesamten Schweiz. Denn die Schwyzer Bauern hatten es verstanden, eine wirtschaftliche Nische zu finden: die Zucht von Milchkühen, während die Mittellandbauern hauptsächlich auf die Schlachtviehzucht und die Milchproduktion setzten. Der Export von Schwyzer Milchkühen nach Norditalien blühte und war profitabel. Dank neuer Techniken in der Feldbewirtschaftung und Stallfütterung stiegen auch die Tierzahlen. Von 1859 bis 1896 stieg die Anzahl der Rinder im Kanton von 10 000 auf 32 277.

Nach Russland exportiert

Die Eisenbahn machte gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch Schwyzer Viehexporte nach Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn, Spanien und Russland möglich. «Die Viehzucht blieb bis zum Ersten Weltkrieg profitabel», hält Straumann weiter fest. Dank Heimarbeit und Jobs im Tourismus konnten die bäuerlichen Einkommen zusätzlich aufgebessert werden. 1920 dezimierte eine Maul- und Klauenseuche den Viehbestand drastisch. Und wegen der Weltwirtschaftskrise der Dreissigerjahre kam auch der Viehexport zum Erliegen.

Im 20. Jahrhundert begannen die Schwyzer Landwirte einen hohen Preis für ihren verzögerten Strukturwandel zu zahlen. Die Exporte waren eingebrochen, «die Heimarbeit verschwand, und der Tourismus unterlag in der Zeit der Kriege grossen Schwankungen», hält Straumann in der Kantonsgeschichte fest. 1950 lebte im Kanton Schwyz noch fast ein Viertel der Erwerbstätigen von der Landwirtschaft, das waren damals 7609 Personen. Die Produktionsfortschritte erlaubten es zunehmend, die Arbeit mit weniger Arbeitskräften zu erledigen. Und wegen des ab den Sechzigerjahren im Kanton wachsenden Siedlungsdrucks nahm die Agrarfläche immer mehr ab. Eine Rolle beim Landverlust spielten auch der Bau des Etzelwerks und des Wägitaler Kraftwerks.

Bedeutung hat abgenommen

Der Anteil der Landwirtschaft an der Gesamtbeschäftigung halbierte sich zwischen dem Zweiten Weltkrieg und 1970 und rutschte bald darauf auf unter zehn und schliesslich auf die heutigen rund 5 Prozent. Darum verloren die Bauern um 1990 in der Schwyzer Kantonsverwaltung ihr bisheriges Departement für Land- und Forstwirtschaft. Der für die Landwirtschaft zuständige Teil in der Verwaltung ist seither von der Bedeutung eines Departements auf nur noch ein Amt geschrumpft.

Bert Schnüriger