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Interview

Der Luzerner Star an der Bar

David Gandert (28) aus Dresden mixte sich im September zum Schweizer «Barkeeper des Jahres». Er arbeitet als stellvertretender Barchef in der Louis Bar im Luzerner Hotel Montana.
Turi Bucher
Alles klar an der Bar: David Gandert. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 9. Oktober 2018)

Alles klar an der Bar: David Gandert. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 9. Oktober 2018)

«Besucht ein Mann eine Bar und bestellt zwei Martinis. Der Barkeeper fragt: «Dry?» Antwortet der Mann: «Nein, ich habe zwei gesagt.»

David Gandert, wie sind Sie Barkeeper geworden?

Ich habe als 17-Jähriger in Dresden eine Ausbildung zum Restaurantfachmann absolviert. Als ich 20 wurde, ging ich nach Amerika. In Florida habe ich in diesem Beruf die Barkultur kennen gelernt.

Und acht Jahre später sind Sie «Barkeeper des Jahres» in der Schweiz.

Nach meiner Zeit in Florida arbeitete ich sechs Saisons in Österreich, bis ich vor rund anderthalb Jahren nach Luzern in die Louis Bar im Hotel Montana kam. Stefanie Baier, meine Chefin an der Bar, hat mich auf den Wettbewerb um den «Barkeeper des Jahres» aufmerksam gemacht.

Ihre Chefin? Dann ist sie also noch besser als sie?

Sie ist Expertin im Bereich Rum, Whiskey und Zigarren. Ich befasse mich mit dem Cocktailpart.

Mit dem Cocktailmixen haben Sie Ihren Titel geholt?

Im Mai war ich einer unter 150 Bewerbern. Nach einer ersten Ausscheidung mussten die letzten 12 Barkeeper in Effretikon vor einer 4-köpfigen Jury einen Drink mixen. Dazu mussten sie in anderthalb Stunden einen schriftlichen Test absolvieren. Der Test beinhaltete Fragen zum Allgemeinwissen, über die Schweiz, über Spirituosen und über die Barkultur.

Auch diese Runde haben Sie überstanden.

Danach blieben fünf Barkeeper übrig. Die wurden inkognito an ihrem Arbeitsplatz besucht. Das war für mich der schwierigste Teil. Ich habe mich jedes Mal gefragt: Kommen sie heute, sind sie das? Drei Barkeeper kamen daraufhin in den Final. Dann mussten wir in Zürich mit einer Spirituose einen Drink in vierfacher Ausführung mixen. Die Bewertungskriterien waren der Geschmack und auch Sympathie.

Was haben Sie besser gemacht als Ihre beiden Konkurrenten?

Es war sehr knapp. Die anderen beiden waren genauso gut wie ich. Keiner hat gepatzt.

In einer Mitteilung stand, Sie hätten sich vieles mit Youtube-Videos selbst beigebracht.

Das stimmt. Ich habe mir via Youtube viel Inspiration geholt. Ich glaube, man kann das Cocktail-Mixen mehr und besser verinnerlichen, wenn man es sich an Stelle von trockenem Unterricht bildlich anschauen kann.

Bars haben es an sich, dass dort Alkohol getrunken wird. Wurde an Ihrer Bar schon gepöbelt?

An einer Bar können Sie ein bunt gemischtes Publikum antreffen. Aber es war noch nie so schlimm, dass ich die Polizei rufen, jemanden rauswerfen lassen oder ein Hausverbot aussprechen musste. Ein Barkeeper soll in einer schwierigen Situation menschlich reagieren.

Ihr peinlichster Vorfall an der Bar?

Vielleicht dieser: Einmal mixte ich eine Piña Colada, aber der Shaker war nicht richtig zu. Ich kriegte alles auf die Kleider. Piña Colada sind zäh und stark zuckerhaltig.

Haben Sie ein Barkeeper-­Vorbild?

Peter Roth, der ehemalige Barkeeper in der Kronenhalle in Zürich. Er ist ein klassischer Cocktail-Barkeeper.

Von welchem Drink können Sie nie genug kriegen?

Mai Tai. Und Gin Tonic. Nicht zu süss, sondern eher trocken-herb, eine klare Spirituose. Und ich habe am anderen Tag keine Kopfschmerzen.

Von welchem Drink sollte man besser nicht zu viel trinken?

Das kommt ja auf die Person an. Der eine verträgt von dem viel, der andere von dem weniger. Gefährlich sind die Energy Drinks mit Wodka. Sie sind süss, man schmeckt den Alkohol kaum – und plötzlich ist man betrunken.

Wenn ich meiner weiblichen Bekanntschaft ... sagen wir: etwas näher kommen will, welchen Drink muss ich ihr dann bestellen?

Mai Tai. Aber den müssen Sie bei mir bestellen, von mir gemixt. Und Sie selber trinken ein stilles Wasser.

Die Redaktionskollegin lässt andererseits fragen, was sie denn bestellen muss, um den Mann «abzuschleppen»?

Das ist schon schwieriger. Ich würde Champagner vorschlagen. Ich mache als Barkeeper die Erfahrung, dass die Männer bald etwas «dudelig» werden, wenn sie Champagner trinken.

Wir machen noch ein kleines Quiz. Ich zähle die Zutaten auf, Sie müssen erraten, welcher Drink es ist: 1 Cocktailkirsche, 2 Spritzer Angostura, 2 cl Wermut, 4 cl Whiskey.

Das ist ein Manhattan.

2 Barlöffel Rohrzucker, 2 cl Zuckersirup, 3 cl Limettensaft, 6 cl weisser Rum und zur Dekoration Minzblätter.

Mojito.

2 Teelöffel brauner Zucker, Lime Juice, 1 Limette gewürfelt, 5 cl Cachaça.

Das ist das Caipirinha-Rezept.

Gut, das war viel zu einfach für Sie. Letzte Frage, Hand aufs Herz ... oder besser aufs Glas: Welches ist der beste Drink?

Das ist der Mai Tai. 6 cl Appleton Estate 12 years, 2 cl Grand Marnier, 2,5 cl Mandelsirup und 3 cl frischer Limettensaft.

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