Religion
Katechetinnen - die Frauen an der kirchlichen Basis

Sieben frischgebackene Katechetinnen haben in Inwil ihren Fachausweis erhalten. Seit es die modulare Ausbildung gibt, ist der Beruf noch attraktiver geworden. Die Fachkräfte sind bei den Pfarreien sehr gefragt.

Andreas Faessler
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Sie haben den Fachausweis Katechese erhalten: (vorne von links) Eva Camenzind, Heidi Kaufmann-Wicki, Aurelia Chinazzi-Gerber, Verena Bieri-Felder; (hinten von links) Andrea Steiner-Aregger, Doris Kaufmann-Epp und Corinne Felber.

Sie haben den Fachausweis Katechese erhalten: (vorne von links) Eva Camenzind, Heidi Kaufmann-Wicki, Aurelia Chinazzi-Gerber, Verena Bieri-Felder; (hinten von links) Andrea Steiner-Aregger, Doris Kaufmann-Epp und Corinne Felber.

Bild: PD/Dominik Thali

Seit 2011 gibt es in der Schweiz die sogenannte modularisierte Ausbildung zur Katechetin bzw. zum Katecheten. Diese dauert in der Grössenordnung drei Jahre, kann aber – wie es die Bezeichnung andeutet – flexibel in einzelnen Blöcken bzw.Modulen absolviert werden. So lässt sich die Ausbildung bis auf fünf Jahre ausdehnen.

Auch die Katholische Landeskirche Luzern beteiligt sich an dieser Ausbildungsform. Zuvor hatte sie ihre Katechetinnen und Katecheten eigenständig ausgebildet. Mit der Befähigung in der Tasche können die Absolventinnen und Absolventen an Schulen Religionsunterricht erteilen und innerhalb ihrer Pfarreien vertiefter tätig sein, etwa in der Sakramentenvorbereitung und der Gottesdienstgestaltung, oder sie können mit Erwachsenen katechetisch arbeiten.

Ein Beruf, der mit Flexibilität punktet

Am 20.November haben sieben frisch ausgebildete Luzerner Katechetinnen ihren Fachausweis überreicht bekommen. Somit hat der Kanton Luzern seit 2011 rund 70 neue Fachkräfte auf dem Gebiet der Katechese erhalten. Auffallend: Unter diesen 70 Abgängern seither sind nur 4 Männer. Die Katechese – eine Frauendomäne. Woran liegt das? «Der Grund dafür ist wohl in den flexiblen Arbeitsbedingungen zu finden», meint Ueli Rüttimann. Er und Gabrijela Odermatt sind Fachverantwortliche im Bereich Pastoral – Religionsunterricht und Katechese der katholischen Kirche im Kanton Luzern. «Für Frauen ist der Beruf der Katechetin auch deshalb attraktiv, weil er in Teilpensen ausgeübt werden kann und sie so flexibel bleiben», sagt Rüttimann. Männer hingegen sähen sich meist auf einen Vollzeit- job angewiesen, beispielsweise weil sie eine Familie zu ernähren haben. Ausserdem nähmen Katechetinnen häufig noch andere Aufgaben innerhalb der Kirche wahr. Auch hier komme ihnen diese Flexibilität gelegen.

«Für viele ist Katechetin ein Traumberuf», sagt Gabrijela Odermatt. «Sie schätzen die Arbeit mit Jugendlichen, möchten sie unterrichten, mit ihnen die Liturgie gestalten und haben allgemein Freude an der Jugendarbeit und am Umgang mit Menschen.» Es ist die Arbeit an der Basis der Kirche – und sie wird hauptsächlich von Frauen verrichtet.

Anwärterinnen aus allen Berufsfeldern

Häufig seien die Anwärterinnen bereits innerhalb einer Pfarrei tätig und würden sich für die Ausbildung entscheiden, um ihr kirchliches Engagement auszuweiten und zu vertiefen, fährt Ueli Rüttimann fort. «Unsere Katechetinnen und die, welche es werden wollen, kommen ursprünglich aus allen möglichen Berufsfeldern», ergänzt Gabrijela Odermatt. Die modulare Ausbildung komme ihnen dabei stark entgegen, denn würden sie diese beispielsweise am Religionspädagogischen Institut (RPI) an der Universität Luzern absolvieren, wäre das für viele zeitlich kaum zu stemmen.

Einer der grossen Vorteile, die Katechetinnen und Katecheten in der Schweiz geniessen: Sie finden immer eine Stelle. «Solche Fachkräfte sind sehr gefragt», sagt Ueli Rüttimann. Er weiss von Pfarreien in Luzern, die fast händeringend nach Personal suchen und Stellenprozente zu vergeben haben. Der Nachschub jedenfalls steht schon in den Startlöchern: Mitte August haben 15 Teilnehmerinnen den neuen Ausbildungsgang begonnen.

Den Glauben ins Spiel bringen

Die sieben neu ausgebildeten Luzerner Katechetinnen vom jüngsten Lehrgang haben am 20.November in der Pfarrkirche von Inwil unter dem Motto «Mutig vorwärts» von Synodalrätin Olivia Portmann ihre Fachausweise entgegengenommen. Bischofsvikar Hanspeter Wasmer ermutigte die Frauen, für die Frohe Botschaft einzustehen. «Gott ist einer, der mit uns geht. Es gibt nichts Schöneres, als das den Menschen immer wieder zu verkünden», sagte er an die Adresse der Absolventinnen und bezog sich dabei auf die Stelle im Markus­evangelium, wo Jesus seine Jünger in die Welt hinaus schickt. «Ihr seid nun bereit und motiviert, mit Kindern, Jugendlichen und Familien den Glauben zum Thema zu machen, damit sie in eine kirchliche Praxis hineinwachsen können», sagte schliesslich die Synodalrätin. «Ihnen erschliesst sich so eine grosse Dimension des Menschseins: Sie werden Menschen stärken, weil sie den Glauben ins Spiel bringen.»