Die Gotthard-Bergstrecke wird mit dem Fahrplanwechsel aufgewertet

Ab dem 13. Dezember gibt es alternierend von Zürich und Basel einen Zug, der einen umsteigefrei über Kehrtunnels in den Süden bringt.

Marco Morosoli
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Die Exponenten des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz haben aktuell einen schweren Stand. Die Fahrgastzahlen bewegen sich zwar wieder zaghaft nach oben, sie erreichen aber im Regionalverkehr erst 75 Prozent der Zahlen des Vorjahres. Im Fernverkehr ist der Zuspruch noch etwas geringer. Dies offenbarte Cornelia Mellenberger, Mitglied der Geschäftsleitung der SBB, am Mittwoch an einer Medienorientierung am Bahnhof Arth-Goldau.

Der für diese Veranstaltung gewählte Ort zwischen den Gleisen 4 und 5 war perfekt gewählt, denn ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember verkehren dort die neuen Triebzüge der Südostbahn (SOB) mit dem Namen «Traverso». Mit diesem Erzeugnis aus dem Hause Stadler Rail betreibt die SOB den Nord-Süd-Verkehr über die frühere SBB-Hauptstrecke Erstfeld-Göschenen-Airolo-Faido-Biasca vorerst nach Bellinzona und ab April 2021 weiter nach Locarno. Für Thomas Küchler, CEO der SOB, ist das Zusammengehen mit den SBB auf allen Ebenen ein Gewinn: «Es ist eine Kooperation auf Augenhöhe. Sie bringt beiden Partnern etwas.»

Der Traverso der SOB, hier auf der Sitterbrücke, fährt ab dem 13. Dezember ins Tessin.

Der Traverso der SOB, hier auf der Sitterbrücke, fährt ab dem 13. Dezember ins Tessin.

Ralph Ribi

Dieses neue Tandem bringt es mit sich, dass beim nächsten Fahrplanwechsel die SOB-Traverso-Züge sowohl in Zürich wie auch in Basel die dort herrschende öde Farbpalette ein wenig aufmischen. Es gibt nämlich kaum ein mit roten Strichen aufgepepptes Rostbraun, das so gut daherkommt, wie beim SOB-Paradepferd. Davon haben auch die Zuger Nutzer des öffentlichen Verkehrs etwas. So führt die neue Strecke des Panorama-Express mit dem Namen «Treno Gottardo» im Zweistundentakt auch durch den Kanton Zug.

Auch die Inneneinrichtung der «Traverso-Züge» erreicht durchaus Fernverkehrsniveau. Das Schweizer Produkt hat in der 1. Klasse die klassische Bestuhlung. Das heisst zwei zusammenhängende Sitzflächen und ein einzelner Sitz. Auch in der zweiten Klasse reist es sich bequem. Was den «Traverso» zudem auszeichnet: Die Fenster sind dort platziert, wo es Sinn macht. In dieser Hinsicht gibt es abschreckende Beispiele aus dem nördlichen Nachbarland. Dort kann es sein, dass einer, der einen Fensterplatz in einem ICE-Zug der Deutschen Bahn reserviert hat, eine Wand anstarren muss.

Der SOB-Chef ist sichtlich stolz, dass er und sein Personal bald am Gotthard loslegen können. Noch seien nicht alle Chargen besetzt, aber alles sei auf gutem Wege. Es braucht keinen Propheten, um zu behaupten: Bald macht es wieder Freude, die Kirche von Wassen aus den verschiedensten Blickwinkeln anschauen zu können.

Intercity-Züge fahren durch den Ceneri-Basistunnel

Eine neue Epoche beginnt am 13. Dezember für diejenigen Zeitgenossen, welchen die dunkle Nacht auf der Fahrt in den Süden nichts ausmacht, wenn sie dafür schnell in Lugano an einem Tisch sitzen, wo die richtigen Espressi zu haben sind. Vier Jahre nachdem der Gotthard-Basistunnel in Betrieb ist, verkehren ab dem kommenden Fahrplanwechsel die schnellen Intercity-Züge durch den 15,4 Kilometer langen Monte-Ceneri-Basistunnel. Zwischen dem Sottoceneri und Sopraceneri dauert dann die Fahrt nur noch 18 Minuten gegenüber aktuell bis zu 31 Minuten.

Das SBB-Geschäftsleitungsmitglied Cornelia Mellenberger sprach denn auch von einem sehr wichtigen Schritt, wenn Ende Jahr die verschiedenen Korridore durch die Schweiz für den Personen- wie auch für den Güterverkehr zur Verfügung stehen. Der Ausbau der Tunnels zwischen Basel und Chiasso auf die Eckhöhe von vier Metern gehört auch in diese Kategorie, wobei beim gestrigen Anlass einmal mehr mit Nachdruck zu hören war, dass in dieser Hinsicht das Zugersee-Ostufer ausgeklammert ist. Bei den derzeitigen Arbeiten werden die Tunnelbauten nur so ausgebaut, um die Durchfahrt von Zügen mit Doppelstock-Wagen zu ermöglichen. Etwas verstörend mag sein, dass die SBB immer wieder der Flachbahn das Wort reden. Das dem nicht so ist, dazu reicht ein Blick auf das Längenprofil der zwei Basistunnels und deren Portale. Den meisten Reisenden dürfte dies wohl nicht auffallen.

Rotkreuz verliert an Bedeutung

An Bedeutung verliert ab Mitte Dezember der Bahnhof Rotkreuz. Seit der Sperre am Zugersee-Ostufer verkehren alle Züge in den Süden über den Ennetsee. Wie Mellenberger erklärte, gäbe es eine Verbindung von Aarau über die Südbahn nach Arth-Goldau. Eine andere Variante: eine Fahrt nach Zug. Bei einem weiteren Zeitgewinn von rund 15 Minuten dürfte dies eine annehmbare Alternative sein.

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