Stilblüten
«Klub der jungen Dichter»: Die Katze mit Mundgeruch ­– und andere unfreiwillige Highlights

Zum Abschluss des diesjährigen «Klubs der jungen Dichter» hier noch die schönsten Stilblüten oder andere spezielle Formulierungen. Kommentiert von Arno Renggli.

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«Mein Kater konnte mich leicht wachkriegen, denn er hat Lachs-Mundgeruch.» Illustration: Tiemo Wydler

«Mein Kater konnte mich leicht wachkriegen, denn er hat Lachs-Mundgeruch.» Illustration: Tiemo Wydler

Irgendetwas war faul an der Sache; und bestimmt nicht nur die alte Banane in Claudios Rucksack.

Was für ein starker Textbeginn! Man hört dazu regelrecht die Stimme von Philipp Maloney. Aber coole Formulierungen sind eine Stärke der jungen Dichterinnen und Dichter:

Die Kunst in diesem Museum war nicht gerade nach meinem Geschmack, aber es hatte ein paar Picassos.

«Die ganze Geschichte weiss noch niemand, denn ich erzähle euch das gerade aus meinem Sarg.»

Im Museum stehen überall alte Bücher mit viel zu vielen Seiten, welche man meiner Meinung nach schon längst digitalisieren sollte.

Doch manchmal schiesst man mit der Formulierung ein klein wenig über das Ziel hinaus:

Unsere Augen trafen sich, unsere Schreie ebenso.

Das Phantom entdeckte uns, ertappte uns aber nicht.

Plötzlich übernahm die Neugier meinen Körper und stiess mich ins Wasser.

Ich suchte nach Hinweisen, wie der halbtote Mann halb ermordet worden war.

Die Geschichte ist wohl wahr, wenn man dem Glauben Glauben schenken will.

Wir fielen uns in die Arme und zogen Lippe an Lippe und küssten uns.

Unsere Hoffnung war pleite.

Die Polizei verlochte ihn im Knast.

Aus der Rechtschreibung kann es sogar eine richtige Schweinerei geben:

Ich sagte zu meinem Bruder: «Sau mal dort!»

Da ich verschwunden war, machte meine Mutter eine vermieste Anzeige.

Nach ein paar Minuten kam die Polizei und verhaftete die zwei Tippen.

Das Mädchen hatte hohe Wangenknochen und eine sportliche Statue.

Wir gingen ins Geisterhaus, und ich zitierte vor Angst.

«Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage ...».

Er übernachtete im Spuckhaus.

Er war müde und leckte sich in sein Bett.

Wir gingen in die Bank, und sie züchten sofort Gewehre.

Als ich das Haus sah, dachte ich: «Hier sollen wir einen Monat wonnen»?

Aber sicher, man spricht ja doch vom «Wonnemonat»! Auch die Logik hat bekanntlich ihre Tücken:

Ich wollte nur noch weg und suchte eine Sackgasse.

Mein Vater ist Polizist, meine Mutter arbeitet ebenfalls bei der Feuerwehr.

Die sechs, die fehlten, hiessen Charles, Noah und Tim.

Laura kämpft, bis die Mumien tot sind.

Manchmal hat die Logik auch einen Hang zu leichter Überplausibilität:

Der Mann sagte mir: «Entweder hilfst du uns bei einem Raub oder wir knallen dich ab. Ich musste kurz überlegen. Und entschied mich für den Raub.»

Als wir aus dem Nebenzimmer traten, sahen wir kaputte Scherben.

Die Kriminalpolizei kam mit Werkzeug und putzte die Leiche ab. Es war noch ein Messer drinnen, also war es Mord.

In der Ausstellung haben wir Statuen aus altem Stein gesehen.

In Geografie hatten wir das Thema Erdkunde.

Jaja, wir wissen schon: Es ist nicht ganz exakt das Gleiche. Derweil junge Autorinnen und Autoren ihre ganz eigenen Beobachtungen machen, wie das heutige Leben so läuft:

Im Museum stürmten die Jungs direkt zu den Dinosauriern. Und die Mädchen gingen aufs WC, um ihre Instagram-Fotos zu machen.

Das Haus hatte alles, was man so braucht. Ein Bett, einen Kamin und eine Toilette.

Sie hatten nacheinander so viele Lehrer wie Schalke 04 Trainer.

«Am Anfang fühlt sich das Küssen komisch an. Aber du wirst dich daran gewöhnen». – «Wie denn, das ist doch voll ekelhaft mit Zunge, baaahhh!!»

Obwohl ich meine Lehrerin nicht wirklich mag, musste ich sie retten.

Dabei meinen es Lehrpersonen doch wirklich nur gut:

Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass Herr Haas Jonas und Marleen entführt hatte, um ihnen ein gutartiges Gift einzuträufeln, damit ihnen künftig alle Hausaufgaben spielend leicht gelingen.

Dieses Jahr gab es auch einige besonders interessante Statements:

«Ich hasse pink, ich hasse Mathe und Mädchen und Hausaufgaben, aber egal!»

Er sagte mir, dass die DNA des Eichhörnchens mit meiner übereinstimmte. Ich fragte: «Das heisst, das Eichhörnchen ist mein Bruder?!»

Es war nicht eine normale Packung; es war eine XXXXXLLLLLL-Packung!»

«Das ist nicht ein Wald, das ist mein Wald, okay?!»

«Ich werde keine Namen sagen! Es war Marius.»

«Einmal lässt man euch allein und schon erhängt sich der Mann!»

Hans sagte: «Zum Glück kann ich ein bisschen Hieroglyphisch.»

«Ihr seid jetzt unsere Geiseln, aber keine Angst, wir machen euch nichts, wir werden nur ein bisschen Zeit miteinander verbringen und Spiele spielen.»

«Also, was denken Sie, was meinen Traum verursacht hat? Und was bedeutet die schwarze Figur darin?» – «Ähm… Pardon, aber wir meinten, ob Sie noch weitere Fragen zum Job haben.»

Nun zur Rubrik «Dumm gelaufen». Oder besser gesagt «Shit happens»:

Auch im Bad war alles sehr alt und ekelhaft. Ich konnte aber nicht widerstehen und machte dringend mein Geschäft.

Sie verstopften die Klos. Das Wasser überlief. Es war zum Kotzen.

Für die Geisel hatten sie keine Zeit mehr und fuhren ohne sie los.

Die Hexe wurde aus Versehen ins WC runtergespült.

Es ist eine schöne Tradition, dass wir den «Klub der jungen Dichter» mit den besten Schlusssätzen beenden:

Ich bekam zwei Kinder und lebte dann noch 89 Jahre mit meiner Frau, bis der Tod uns scheidete.

Und wenn sie nicht aufgefressen worden sind, dann leben sie noch heute!

Der Krieg zu Ende, somit lebten alle glücklich. Bis zum nächsten Krieg.

Danach übte er den Beruf Lehrer aus und lebte bis an sein Lebensende.

Jetzt leben alle gesund und froh, aber das Coronavirus ist da.

Ich freue mich schon auf die nächste Schulreise. So schlimm war es gar nicht!

The Happ-End.

Hinweis: Diese Textstellen wurden gesammelt von Studierenden der Pädagogischen Hochschule Luzern, welche die 5102 eingesandten Storys vorjurierten. Auswahl: Arno Renggli.